Friedrich Rückert

male (1788–1866)

Translations

171
  • Bai hua 白華: Lied einer verstoßenen Kaiserin (Anonymous (Shijing))
    Zu der Pflanze Kjen im weißen Blütenglanz Naht die Pflanze Mao, sie zu umfassen. Aber er hält von mir fern sich, er hat ganz Gänzlich mich verlassen. Weiße Himmelswolken schimmern falben Lichts, Auf die Pflanzen ist der Thau gefallen. Mein der Kummer, mein die Thränen, aber nichts Kümmert ihn von allen. Schmales Bächlein nimmt gen Norden seinen Gang, Und das Reisfeld wird es reichlich tränken. Meinen Seufzer weih' ich, meinen Leidgesang Deinem Angedenken. Mit dem Holz vom Maulbeerbaum Schür' ich an mein Feuer; Glühend mir im Herzensraum Steht ein Ungetreuer. Vom Palast her tönet hell das Glockenspiel, Und die Seele wird davon mir trüber. Wenn von dort auf mich einmal sein Auge fiel, Eilt er gleich vorüber. In des Waldes Firsten wohnt der Adelaar, Und der Storch auf jener hohen Zinne; Doch der Schmerz um einen Edlen hoch und klar Wohnt in meinem Sinne. Dort Yün-Yang, das ungetrennte Vogelpaar, Wohnt am Flußdamm, Schwing' an Schwinge lehnend. Aber er ist nun ein andrer als er war, Nicht nach mir sich sehnend. Wenn der Fuß sich stößt am Stein, Bückt man sich vor Schmerzen; Und von ihm getrennt zu seyn, Schmerzt mich tief im Herzen.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 261f.
    in: Wollheim da Fonseca, Anton Edmund. Die National-Literatur sämtlicher Völker des Orients. Eine prosaische und poetische Anthologie aus den besten Schriftstellern des gesamten Orients. Berlin: Verlag von Gustav Hempel, 1869. p. 827.
  • Bai ju 白駒: Das eingefangene Füllen (Anonymous (Shijing))
    Von Farb' ein Füllen glänzend weiß Soll weiden würz'ges Kraut in meinem Garten; Gekoppelt sey sein Fuß mit Fleiß, Und Stricke binden seinen Hals den zarten. Verweilen soll den Tag der Gast, Und sich bei uns erfreun der Rast. Von Farb' ein Füllen glänzend weiß Soll in den Bohnen meines Gartens weiden; Gebunden an den Füßen sey's, Und um den Nacken soll den Strick es leiden. Verweilen soll die Nacht der Gast, Ruhn von des Tages Müh und Last. Des Füllens Farb' ist glänzend weiß. O edler Gast von fürstlichem Geschlechte, Dein Rasten uns gereicht zum Preis; Was ist das Störung deiner Ruhe brächte? Dein Ehrgeiz hemme seine Hast, Und gönne dir die kurze Rast.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 198f.
  • Bao yu 鴇羽: Kriegszüge (Anonymous (Shijing))
    Die Vögel ziehn nach Westen, Und ruhen unterwegs auf dürren Aesten. Nicht Aufschub will noch Unterlassen Der Dienst des Kaisers uns vergönnen, Daher wir Haus und Hof verlassen, Und unser Feld nicht bauen können. Wer pflanzet unsre Aehren, Die Eltern zu ernähren? Wie lang', o blauer Himmel, Soll unser Umziehn währen! Die Vögel ziehn nach Osten, Und dürfen kurze Ruhe nur verkosten. Des Reiches Angelegenheiten Sind werth den unsern vorzugehn; Es gilt für's große Reich zu streiten, Und unsre Pflüge bleiben stehn. Wer sieht nach meinem Maise Für's Elternpaar das greise? Wann, o du blauer Himmel, Wird enden diese Reise! Die Vögel ziehn nach Süden, Und ruhn nicht aus, als bis sie ganz ermüden. Der Ruf der Pflicht hat mich entrissen Der stillen Ruh an meinem Herde; Mein Feld muß seinen Pflüger missen, Und ihren Hirten meine Herde. Das Wasser fehlt dem Reise, Den Eltern fehlt die Speise. Wann, o du blauer Himmel, Kehr' ich in meine Gleise?

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 132f.
  • Bei feng 北風: Landräumung (Anonymous (Shijing))
    Kalte Wind' aus Norden wehen, Eis'ger Regen fällt und Schnee. Liebe Freunde, laßt uns gehen, Hebt die Händ' und sagt Ade! Laßt uns eilen, laßt uns eilen; Keine Stätt' ist hier zu weilen. Furchtbar wehn die nord'schen Winde, Und der kalte Regen rauscht. Freunde, laßt uns gehn geschwinde; Schnell den Abschied ausgetauscht! Laßt uns räumen, laßt uns räumen; Hier im Land ist nicht zu säumen. Lauter rote Füchse sehet, Lauter Raben sehet ihr, Böse Zeichen, wo ihr gehet; Freunde, wohin gehet ihr? Laßt uns bleiben, laßt uns bleiben, Weil zurück die Zeichen treiben. Lauter rote Füchse sehen, Lauter Raben sehen wir; Dennoch, Freunde, laßt uns gehen! Schlimmer kann's nicht seyn als hier. Laßt uns weichen, laßt uns weichen! Wo die Noth treibt, gilt kein Zeichen.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 56f.
  • Bei men 北門: Staatsgeschäft und Hausversäumniß (Anonymous (Shijing))
    Aus der goldnen Pforte schreit' ich, Und der Bürd' erlieg ich fast; Wie behaupt' ich, wie bestreit' ich, Meine Würde, meine Last? Alles führ' ich, alles leit' ich, Von der Hütte zum Palast. Nun, es ist des Himmels Rath, Dem man sich zu fügen hat; Alles Murren kommt zu spat. Im Geschäft des Fürsten geh' ich, Das Geschäft ist schwer genug. Wohin wend' ich mich und dreh' ich? Neue Sorg' ist stets im Zug. Nie nach meinem Hause geh' ich, Oder nur einmal im Flug. Nun, es ist des Himmels Rath, Dem man sich zu fügen hat; Alles Murren kommt zu spat. Bin ich einst im Haus erschienen, Wie verlass' ich es geschwind! Denn mit unzufriednen Mienen Grüßen dort mich Weib und Kind. Lange blieb ich fern von ihnen, Das ist ihnen ungelind. Nun, es ist des Himmels Rath, Dem man sich zu fügen hat; Alles Murren kommt zu spat. Wenn ich keine andern hätte Als die Sorg' um Weib und Kind! Gegen Ordensband und Kette Scheinen ihre Augen blind. Ja, es murret um die Wette Gegen mich mein Hausgesind. Nun, es ist des Himmels Rath, Dem man sich zu fügen hat; Alles Murren kommt zu spät.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 55f.
  • Bei shan 北山: Ungleiches Loos (Anonymous (Shijing))
    Mein Viergespann hat keine Rast, Und keine Ruhe gönnen meine Pflichten; Sie treiben mich in steter Hast Gebote meines Kaisers auszurichten. Den Kaiser freut, daß ich alt Noch nicht geworden, frisch noch bin von Kräften, Um rüstig und ohn' Aufenthalt Durch's Reich zu ziehn in wichtigen Geschäften. So ist es! Einer schwelgt zu Haus, Und wird nur krank von vielem Speis' und Tranke; Ein andrer hungrig muß hinaus, Daß er vom Ungemach der Reis' erkranke. Der eine schließt in's Ruhgemach Sich ein, um müssig Scherz und Lust zu haschen; Ein anderer, in Sorgen wach, Nimmt sich die Zeit nicht, sein Gesicht zu waschen. Der eine, bauend auf die Huld Des Kaisers, thut und redet nach Belieben; Ein andrer fürchtet stets die Schuld, Daß er sein schwer Geschäft nicht recht betrieben.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 232f.
    Excerpt of the 3rd to 6th stanza of the original poem.
  • Bi gong 閟宮: Die Dankbarkeit Tsching-Wang's (Anonymous (Shijing))
    Also sprach Tsching-Wang, der junge Kaiser, Mit Tschiu-Kong, dem Ohm, der ihn erzogen: O mein Oheim, o mein Unterweiser, Als mir früh der Vater ward entzogen, Warest du mit früh und spater Mühe mir ein andrer Vater, Und mein Herz bleibt sehnlich dir gewogen. Also sprach Tsching-Wang, der junge Kaiser: Ewig dankbar hütet mein Gemüthe Das Gedächtnis dessen, wie mit weiser Mäßigung du zogst an deiner Blüte; Aber was du für mich ohne Schonung thatst an deinem Sohne, Fordert daß ich's deinem Sohn vergüte. Also sprach Tsching-Wang, der junge Kaiser: Nicht vergessen hab' ich alle Strengen, Die du an ihn wandtest, um mit leiser Nöthigung zum Guten mich zu drängen; Wie ihn den Unschuld'gen trafen Die von mir verdienten Strafen, Sah ich doch mit Lieb' an mir ihn hängen. Also sprach Tsching-Wang, der junge Kaiser: Pe-King hat die Treu' mit seinem Blute Mir besiegelt, wenn ihn trafen Reiser, Wo mich treffen durfte nicht die Ruthe. Bin ich werth der Kaiserkrone, Dank' ich dir's und deinem Sohne, Ihm gelohnt sey's mit dem Fürstenhute! Also sprach Tsching-Wang, der junge Kaiser: Ihm gegeben sey das Land im Osten, Lu das Fürstenthum, daselbst beweis' er Mir die alte Treu' im neuen Posten. Berge, Flüße, Völker, Heere, All der Herrschaft bis zum Meere Nehm' er ein, und sey dem Reich ein Pfosten. Pe-King Bruder, Sproß vom Stamm der Kaiser, Segnend blickt auf dich Wen-Wang mein Ahne. Herrsche, wie ich hier, und seine Preiser Finde jedes dort von dir gethane! Führe gleiches Hofgepränge, Ahnentempel, Festgesänge, Und des Drachen Bild in deiner Fahne!

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 352f.
    Excerpt
  • Bi gong 閟宮: Die Lieder der Fürsten von Lu, 3. "Festwunsch" (Anonymous (Shijing))
    Dem Fürsten, der gebeut in Lu, Sey von dem Himmel nach Verdienst gelohnet, Mit Reichthum, Frieden, Macht und Ruh Und blüh'ndem Glück des Landes wo er wohnet. Was er von Ahnen überkam, Mög' er den Enkeln aufbehalten, Mit Ehren Neues thun zum Alten, Und wieder nehmen, was man nahm. Es freu' ihn ein getreues Weib, Und einer frommen Mutter langes Leben, Ein frischer Geist und froher Leib, Und Diener die ihm gute Räthe geben. Viel Volkes sey ihm unterthan, Und ungezählet seine Jahre; Und wenn ihm bleichen seine Haare, Bleib' ungestumpft ihm jeder Zahn.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 357f.
    Abr.
  • Bi gou 敝笱: Abschiedslied für dieselbe (Anonymous (Shijing))
    Das Netz, es gieng in Stücke, Man hängt es an die Brücke, Der Fisch hat freies Spiel. Sie zieht mit freien Sinnen, Die Schmach der Königinnen, Und mit ihr ziehen Mägde viel. Das Netz, es gieng in Stücke, Man hängt es an die Brücke, Die Fische spielen frei. Die Schmach der Königinnen Und ihre Dienerinnen, Sie ziehn als ob ein Fest es sei. Das Netz, es gieng in Stücke, Man hängt es an die Brücke, Die Fische ziehn nach Lust. Mit ihren Dienerinnen Die Kön'gin zieht von hinnen, Und für das Land ist's kein Verlust.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 115f.
  • Biao you mei 摽有梅: Die Dringliche an ihre Freier (Anonymous (Shijing))
    Alle Pflaumen sind vom Baum gefallen, Und daran sind nur noch sieben; Wer mich frey'n will von den Freyern allen, Mög er's nicht verschieben! Alle Pflaumen sind vom Baum gefallen, Nur noch drey sind dran geblieben; Wer mich frey'n will von den Freyern allen, Sey er angetrieben! Alle Pflaumen sind vom Baum gefallen, Wer wird in den Korb sie schieben? Wer mich frey'n will von den Freyern allen, Lass' es sich belieben!

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 24f.
  • Bin zhi chu yan 賓之初筵: Festgebräuche (Anonymous (Shijing))
    Die Gäste setzen sich zur Rechten und zur Linken, Die vollen Schüsseln stehn, die vollen Becher winken, Und werden leer der Reihe nach; Der Quell der Freude wird ein Bach, Der Bach ein Strom, der Strom ein Meer, und alle trinken. Die Säft' erheben sich im Klang von Glockenspielen, Die Bogen nehmen sie um mit dem Pfeil zu zielen; Was jeder kann, nun zeig' er das! Und wer das Ziel trifft, reicht das Glas Zum Leeren jenem, dem die Pfeil' ins Leere fielen. Nun wird zur höchsten Lust der Friedenstanz erkohren, Wozu die Flöte tönt gefügt aus vielen Rohren. Und wer durchkreist hat seine Bahn, Der opfert dankbar seinem Ahn, Von welchem er herab ins Leben ward geboren. Hat jeden frommen Brauch nicht unser Wirth vollendet? Des Himmels Segen bleibt dafür ihm zugewendet. Dein Glück soll blühen unverdorrt Auf Enkel und Urenkel fort! Darauf hat jeder Gast sein letztes Glas gespendet.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 253f.
    Excerpt of the first two stanzas of the original poem.
  • Bin zhi chu yan 賓之初筵: Chinesisches Trinklied (Anonymous (Shijing))
    Uns're Gäste werden trunken Und der Anstand höret auf. Ihre Augen sprühen Funken Und die Zung' hat freien Lauf. Die verschob'nen Mütze schwanken, Hangen nur an einem Haar; Steife Bein' im Tanze wanken, Alte Stimmen singen klar. Da du mir nur Becher leerest, Bist du schon wie ausgetauscht: Wenn du um noch einen kehrtest, Wärest du wohl gar berauscht. Zwar ich muß mich deiner schämen, Weil ich völlig nüchtern bin; Doch willst du mit heim mich nehmen, Führe sacht' mich immerhin! Zwar du führest mich in Pfützen, Doch mir selber schwankt der Kopf. Laß auf deinen Arm mich stützen, Und ich halte dich beim Schopf.

    in: Menzel, Wolfgang (ed.). Die Gesänge der Völker. Leipzig: Verlag von Gustav Mayer, 1851.
    in: Grabow, Hans (ed.). Die Lieder aller Völker und Zeiten, in metrischen deutschen Uebersetzungen und sorgfältiger Auswahl. Hamburg: Verlag von G. Kramer, 1880. p. 446.
  • Bin zhi chu yan 賓之初筵: Die Trunknen (Anonymous (Shijing))
    Unsre Gäste werden trunken, Und der Anstand höret auf. Ihre Augen sprühen Funken, Und die Zung' hat freien Lauf. Die verschobnen Mützen schwanken, Hangen nur an einem Haar; Steife Bein' im Tanze wanken, Alte Stimmen singen klar. Da du mir nur Becher leertest, Bist du schon wie ausgetauscht; Wenn du um noch einen kehrtest, Wärest du wol gar berauscht. Zwar ich muß mich deiner schämen, Weil ich völlig nüchtern bin; Doch, willst du mit heim mich nehmen, Führe sacht mich immerhin! Zwar du führest mich in Pfützen, Doch mir selber schwankt der Kopf. Laß auf deinen Arm mich stützen, Und ich halte dich beim Schopf.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 249.
    Note that the title of the poem is "Die Trunkenen" in the table of contents and "Die Trunknen" above the poem itself.
  • Bin zhi chu yan 賓之初筵: Der Weinvogt (Anonymous (Shijing))
    Mit vielen Höflichkeitsgeberden Sie setzen sich und gegenseit'gem Neigen; Doch wenn sie naß vom Weine werden, Wie bald sich ihre Sitten anders zeigen! Nicht sitzen wollen sie mit Schweigen, Sie wollen lernen, wollen singen, Sie wollen hüpfen, tanzen, springen, Und alles thun was nur dem Rausch ist eigen. Wol ist ein Vogt gesetzt beim Mahle, Und ein Gehilf' auch ihn zu unterstützen; Doch wenn er selber aus der Schaale Zu tief genippt, wer kann die Würd' ihm schützen? Kann wol sein eignes Lallen nützen Der Zungen Ungebühr zu zäumen? Er selber läßt es überschäumen; Will er's verargen, wenn wir was versprützen?

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 254f.
    Excerpt of stanza 3 to 5 of the original poem.
  • Bo xi 伯兮: Trauer um Pe-Hi (Anonymous (Shijing))
    Mein Pe-Hi ist kühn und stark, In der ganzen Mark ihm gleich kein Schläger; Mein Pe-Hi schwingt seinen Speer, Geht vor'm König her als Waffenträger. Mein Pe-Hi nach Osten gieng, Seitdem hieng das Haar mir spröd' und trocken; Und die wirren Locken sind Gleich vom Wind verwehten Distelflocken. Ob's an Salben mir gebricht? Nein! doch nicht bedien' ich mich der Salben. Wem zu Liebe sollt' ich so Thun und froh mich schmücken wessenthalben? Daß es regne, regne doch! Aber hoch aus Wolken taucht die Sonne. Sein gedenkend, brennt mein Haupt; Nie geraubt sey mir des Schmerzes Wonne! Pflanze der Vergessenheit Wächst von hier nicht weit in einem Garten; Pflückt ihr sie ohne Scham! Ich will meinen Gram im Herzen warten.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 79f.
    in: Sekles, Bernhard (ed.). Aus dem Schi-King. Leipzig: D. Rahter, 1907. p. 7.
  • Bo zhou "Fan bi bo zhou, yi fan qi liu" 柏舟 "汎彼柏舟,亦汎其流": Klage einer ungeliebten Gattin, 1. "Auf dem Wasser schwankt der Nachen" (Anonymous (Shijing))
    Auf dem Wasser schwankt der Nachen, geht nicht wie und wo er will, Sondern wie es treibt den schwachen, Folget er und seufzet still. Also fühl' ich mich getrieben Von dem Manne, den ich lieben Muß, wiewol er kund mir giebt, Daß er selber mich nicht liebt. Soll ich's meinen Brüdern klagen, Wie der Gatte mich verletzt? Meine Brüder werden sagen: Deines Gatten bist du jetzt. Ach, den Brüdern ist entrissen Und die Eltern muß vermissen Eine arme, die den Mann, Nicht den Freund in ihm, gewann. Mein Gemüth ist nicht ein Spiegel offen lachend in den Tag, Noch ein Stein, den man vom Hügel Wälzen kann wohin man mag, Noch ein Teppich, nach Behagen Auf und wieder zu zu schlagen; Nach der Richtschnur strenger Pflicht Leb' ich, nur zu Dank ihm nicht. Um das Loos der armen Frauen Klag' ich, nicht um meines blos. Auf ein lieblos Herz zu bauen Herzenslieb', o hartes Loos! Die verschmähte, die gekränkte, Schweigend in sich selbsr gesenkte, Fühlt erwachend ihren Schmerz, Und im Schlaf ihr wundes Herz. Leuchtend wechseln Mond und Sonne Golden silbernes Geschmeid, Doch mein Gram mit keiner Wonne Wechselnd, wechselt nur mit Leid. Seh' ich gleich in Seufzerhauchen Ganz das Leben mir verrauchen, Wird es doch so leicht kein Duft, Zu verschwimmen in der Luft.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 32-34.
    in: Oehlke, Waldemar. Chinesische Lyrik und Sprichwörter. Bremen-Horn: Walter Dorn-Verlag, 1952. p. 17.
    in: Mehlig, Johannes (ed.). Stimmen des Orients: Arabische, persische, indische und chinesische Dichtungen. Leipzig: Insel-Verlag, 1965. p. 242-244.
  • Bo zhou "Fan bi bo zhou, zai bi zhong he" 柏舟 "汎彼柏舟,在彼中河": Standhafte Treue (Anonymous (Shijing))
    Ich schwöre meinen höchsten Eid: Verbunden bleib' ich meinem Leid, Und ehr werd ich den Tod erwählen, Als einem andern mich vermählen. Die Mutter hat mir Gut's erwiesen, Ihr dankbar seyn, ist meine Pflicht. Sie sey gesegnet und gepriesen; Doch meinen Sinn versteht sie nicht. Ich schwöre meinen höchsten Eid: Verbunden bleib' ich meinem Leid, Und ehr werd' ich den Tod erwählen, Als einem andern mich vermählen.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 66.
  • Cai fan 采蘩: Ruhige Anordnung (Anonymous (Shijing))
    Wo man sammelt Fan das Kraut, Dort die Se'en sind's, die Teiche; Aber dem es wird gebaut, Ist Kong-Hiu der Fürst, der reiche. Einzusammeln Fan das Kraut, Gehen wir zum feuchten Thale; Der das heimgebrachte schaut, Ist der Fürst im weiten Saale; Wo er auf und nieder schreitet, Ordnend uneilfertig still, Daß man aus dem Kraut bereitet, Was er draus bereiten will. Mit geschmücktem Haare steht er Von früh Morgens bis zur Nacht, Und mit unverwirrtem geht er, Wenn er alles sieht vollbracht.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 19f.
  • Cai ge 采葛: Zeitmaß (Anonymous (Shijing))
    Blüten brech ich von dem Hage, Aber wenn ich dich, mein Licht, Seh' an einem Tage nicht, Dünkt der Tag mir sieben Tage. Gras und Laub hab' ich gebrochen, Aber bleibst, o Freudenstern, Du mir eine Stunde fern, Wird die Stunde mir zu Wochen. Blumen flecht' ich in die Haare, Aber darf ich mit Vertraun Dir nicht Aug' in Auge schaun, Wird der Augenblick zum Jahre.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 86.
    in: Jolowicz, Heinrich (ed.). Der poetische Orient. Leipzig: Verlag von Otto Wigand, 1853. p. 11.
    in: Jolowicz, Heinrich. Blüthenkranz morgenländischer Dichtung. Breislau: Verlag von Eduard Trewendt, 1860.
    in: Anonymous (ed.). Freudvoll und leidvoll. Liebesgrüße von nah und fern. Berlin: Verlag von J. Guttentag, 1885. p. 256.
    in: Oehlke, Waldemar (ed.). Seele Ostasiens. Chinesisch-japanischer Zitatenschatz. Berlin: F.A. Herbig Verlagsbuchhandlung, 1941.
  • Cai ling 采苓: Die Verbreiter beunruhigender Nachrichten (Anonymous (Shijing))
    Fu-Ling, die Trüffel, wird gegraben, Am Berg Schiu-Yang. O welche Mühe sie sich gaben, Und wühlten lang. Sie wühlten lang und gruben Nach Heimlichkeit, die Buben, Die bös Geschwätz erhuben. Ihr Edlen, laßt sie schnüffeln Nach den verborgnen Trüffeln! Verachtet die Gerüchte, Die außsprengt das Gezüchte; Beseitigt sie, beseitigt Von euch die Lügenfrüchte, Nehmt sie nicht an! sie sind nicht gut gezeitigt. Ku-Tsai, der Lattig, wird gelesen Am Berg Schiu-Yang. O wie sie fleißig sind gewesen, Und lasen lang. Sie lasen lang und pflückten, Und bogen sich und bückten, Und logen und berückten. Laßt, lasset ihren Lattig! Er wuchs an Orten schattig; Nichts taugt mit Stiel und Stumpfe Das Lügenkraut das dumpfe; Verschmähet es, verschmäht es, Das Schandgewächs vom Sumpfe, Nehmt es nicht an! wer es genießt, den bläht es.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 131f.
  • Cai lü 采綠: Erinnerung (Anonymous (Shijing))
    Bis zum Abend hab' ich Lauch gepflücket, Und die Hand ist mir nicht voll geworden. Ungekämmt mein Haar ist ungeschmücket; Kämmen werd' ich's, wann du kehrst vom Norden. Bis zum Abend las ich Hirsenähren; Was ich hüben las, fiel drüben nieder. Er versprach am fünften Tag zu kehren; Sechs vergiengen, und er kehrt nicht wieder. Wär' er auf die Jagd gegangen, Hätt' ich ihm gereicht den Bogen; Oder wollt' er Fische fangen, Hätt' ich ihm die Angelschnur bezogen. Welche Fische wird er fangen? Alle kurzen, alle langen, Spiegelkarpfen deren Flossen glänzen, Und Forellen mit gebognen Schwänzen.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 260.
  • Cai pin 采蘋: Pflanzenopfer (Anonymous (Shijing))
    Die Wasserpflanze Ping, Und Tsao die Wasserpflanze; Sie glänzet nicht gering, Sie steht im vollen Glanze. Die Wasserpflanze Ping, Und Tsao die Wasserpflanze, Sie steh'n im vollen Glanze, Wo ich sie suchen ging, Wo an dem Fluß im Süden Das Wasser überschwoll, Wir pflücken ohn' Ermüden, Bis unser Korb ist voll. Der Korb ist voll geworden, Der enge, bis zum Rand, Und der mit weiten Borden Bis an die halbe Wand. Zur frischen Pflanze schöpfen Wir frisches Wasser auch. Nun kocht's in reinen Töpfen, Am Feuer ohne Rauch. Und wenn nun sind vom Eppich Die beiden Arten gar, So breitet aus den Teppich, Und bringt die Speise dar! Wo breiten wir den Teppich Von bunten Darben aus? Wo stellen wir mit Eppich Die Schüssel auf im Haus? Da wo die offne Halle Hinab gen Süden schaut, Dort an dem Mauerwalle, Der westwärts ist gebaut. Dort, wo vorüber gehen Im Sonn- und Mondenstrahl Die Geister, um zu sehen Das dargebot'ne Mahl. Wer stehet vor der Feier? In würdiger Gestalt Die Hausfrau mit dem Schleier, Von Jahren nicht zu alt. Wer spielet auf zur Feier Mit sanftgedämpftem Ton? Der Hausherr auf der Leier, Und auf der Flöt' ein Sohn.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 20-22.
    in: Wollheim da Fonseca, Anton Edmund. Die National-Literatur sämtlicher Völker des Orients. Eine prosaische und poetische Anthologie aus den besten Schriftstellern des gesamten Orients. Berlin: Verlag von Gustav Hempel, 1869. p. 104.
    Note that the version in Rückert's book "Schi-King. Chinesisches Liederbuch" from 1833 has slight differences in wording and spelling. The translation noted here is from "Die National-Literatur sämtlicher Völker des Orients" from 1869.
  • Cai qi 采芑: Fang-Schu's Kriegslied (Anonymous (Shijing))
    Die Vögel Sun erheben sich zum Himmel Und lassen dann sich nieder mit Gewimmel. Fang-Schu, der Feldherr, führt sein Heer, Dreitausend Wagen oder mehr, Sein Heer ist gut, den Feind zu schlagen. Fang-Schu, der Feldherr, ziehet aus, Die bunten Rosse zieh'n mit Braus Die Reihen viergespannter Wagen. Roth ist bemalt der Wagenrand, Das Inn're weiche Mattenwand; Die Köcher sind von Fisches Fell, Der Rossen Nacken tönen hell Von Zaum und Zügel, goldbeschlagen. Die Vögel Sun erheben sich zum Himmel; Wo wird sich niederlassen ihr Gewimmel? Fang-Schu, der Feldherr, führt sein Heer, Dreitausend Wagen, goldschmuckschwer, Die hohen Fahnen flattern schwingschwang. Fang-Schu, der Feldherr, zieht mit Braus; Wie strahlet Glanz sein Wagen aus! Und seine Klingeln gehen klingklang. Die Riemen schwanken gelb und Roth; Er steht, geschmückt mit Machtgebot, Im Wagen wie ein Blüthenstrauch, Mit Edelsteinen, grün wie Lauch, Die an ihm leise schüttern tingtang. Die Vögel Sun erheben sich zum Himmel, Und welches Land bedecket ihr Gewimmel? Fang-Schu, der Feldherr, führt sein Heer, Dreitausend Wagen reich an Wehr, Sie treiben wohl den Feind zu Paaren. Fang-Schu, der Feldherr, zieht voraus, Es tönet laut der Trommeln Braus, Und wohlgeschaart zieh'n alle Schaaren. Zum Angriffszeichen g'nüget schon Den Muth'gen ein gelinder Ton; Doch soll's des Rückzugs Zeichen sein, - Und soll'n wir ihm Gehör verleih'n, So dürft ihr nicht die Trommel sparen. Ihr Leute von Man-King seid wild unbändig, Das große Reich bekämpft ihr unverständig. Fang-Schu, der Feldherr, hochbetagt, Von Herzen frisch und unverzagt, Zieht aus und führt, was er gefangen. Wie groß ist seines Wagens Macht, Der lauter als der Donner kracht, Und wie der Blitz erweckt er Bangen. Fang-Schu, bewährt in seinem Thun, Zwang das Rebellenvolk Hinn-Yun; Und als davon die Kund' erging, Erschrocken kam das Volk Man-King, Des Reichs Befehle zu empfangen.

    in: Grabow, Hans (ed.). Die Lieder aller Völker und Zeiten, in metrischen deutschen Uebersetzungen und sorgfältiger Auswahl. Hamburg: Verlag von G. Kramer, 1880. p. 187f.
  • Cai qi 采芑: Kriegslied (Anonymous (Shijing))
    Die Vögel Sun erheben sich zum Himmel Und lassen dann sich nieder mit Gewimmel. Fang-Schu, der Feldherr, führt sein Heer, Dreitausend Wagen oder mehr, Sein Heer ist gut den Feind zu schlagen. Fang-Schu, der Feldherr, ziehet aus, Die bunten Rosse zieh'n mit Braus Die Reihen viergespannter Wagen. Roth ist bemalt der Wagenrand, Das Inn're reiche Mattenwand; Die Köcher sind von Fisches Fell, Der Rosse Nacken tönen hell Von Zaum und Zügel, goldbeschlagen. Die Vögel Sun erheben sich zum Himmel; Wo wird sich niederlassen ihr Gewimmel? Fang-Schu, der Feldherr, führt sein Heer, Dreitausend Wagen goldschmuckschwer, Die hohen Fahnen flattern schwingschwang, Fang-Schu, der Feldherr, zieht mit Braus; Wie strahlet Glanz sein Wagen aus! Und seine Klingeln gehen klingklang. Die Riemen schwanken gelb und roth; Er steht geschmückt mit Machtgebot, Im Wagen wie ein Blüthenstrauch, Mit Edelsteinen grün wie Lauch, Die an ihm leise schüttern tingtang. Die Vögel Sun erheben sich zum Himmel Und welches Land bedecket ihr Gewimmel? Fang-Schu, der Feldherr, führt sein Heer, Dreitausend Mann reich an Wehr, Sie treiben wol den Feind zu Paaren. Fang-Schu, der Feldherr, zieht voraus, Es tönet laut der Trommeln Braus, Und wohlgeschaart zieh'n alle Schaaren. Zum Angriffszeichen genüget schon Den Muth'gen ein gelinder Ton; Doch soll's des Rückzugs Zeichen sein Und soll'n wir ihm Gehör verleih'n, So dürft ihr nicht die Trommel sparen. Ihr Leute von Man-king, seid wild unbändig. Das grosse Reich bekämpft ihr unverständig. Fang-Schu, der Feldherr, hochbetagt, Von Herzen frisch und unverzagt, Zieht aus und führt, was er gefangen. Wie gross ist seines Wagens Macht, Der lauter als der Donner kracht, Und wie der Blitz erweckt er Bangen. Fang-Schu, bewährt in seinem Thun, Zwang das Rebellenvolk Hien-Yun; Und als davon die Kund' erging, Erschrocken kam das Volk Man-king, Des Reiches Befehle zu empfangen.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 188-190.
    in: Scherr, Johannes (ed.). Bildersaal der Weltliteratur. Aus dem Literaturschatz der Morgenländer (Inder, Chinesen, Hebräer, Araber, Perser, Türken), - der Alten (Hellen und Römer), - der Romanen (Provençalen, Italiener, Spanier, Portugiesen, Franzosen), - der Germanen (Engländer, Deutschen, Niederländer, Isländer, Schweden, Dänen), - der Slaven (Böhmen, Serben, Polen, Russen), - der Magyaren (Ungarn) und der Neugriechen. Stuttgart: Ad. Becker's Verlag, 1848. p. 34.
    in: Jolowicz, Heinrich (ed.). Der poetische Orient. Leipzig: Verlag von Otto Wigand, 1853. p. 29f.
    in: Jolowicz, Heinrich. Blüthenkranz morgenländischer Dichtung. Breislau: Verlag von Eduard Trewendt, 1860.
    in: Scherr, Johannes (ed.). Bildersaal der Weltliteratur. Stuttgart: A. Kröner, 1869. p. 13.
  • Cai wei 采薇: Lied auf dem Heimmarsch (Anonymous (Shijing))
    Als wir zogen aus, Blühten alle Bäume; Wenn wir ziehn nach Haus, Sind verschneit die Räume. Weite Wege, Schlechte Pflege, Hunger, Durst genug! Niemand kennet, Was mich brennet, Was für Kummer ich ertrug. Als wir zogen aus, Standen schön die Saaten; Kommen wir nach Haus, Sind sie schlecht gerathen. Lange Reise, Schmale Speise! O was ich ertrug Ungebühren, Seit man führen Mich das Schwert ließ statt den Pflug! Schied ich ohne Noth Mich von meinen Lieben? Kaiserlich Gebot Hat mich fortgetrieben, Goldbuchstaben Eingegraben In Platanenholz; Dieses schreckt uns, Dieß erweckt uns Kriegerischen Geist und Stolz.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 176f.
    in: Mehlig, Johannes (ed.). Stimmen des Orients: Arabische, persische, indische und chinesische Dichtungen. Leipzig: Insel-Verlag, 1965. p. 249f.
  • Cai wei 采薇: Die Pflanze der Heimkehr. Lied der Grenzwächter (Anonymous (Shijing))
    Wir suchen auf die Pflanze Wei, Und wünschen daß sie zeitig sey; Denn wenn wir sie gezeitigt sehen, Dann dürfen wir nach Hause gehen. Ein Jahr wird's, seit wir zogen aus, Verließen Weib und Kind und Haus, Des Reiches Grenzen hier zu hüten Vor schrecklicher Barbaren Wüthen; O wie wir Tag und Nacht uns in den Waffen mühten! Wir suchen auf die Pflanze Wei. Die Pflanze blüht; bald kommt herbei Die Zeit, die wir so heiß erflehen, Wo wir nach Hause dürfen gehen. Ein Jahr ist's, seit hierher wir sind gezogen fern von Weib und Kind, Zu kämpfen gegen Bösewichter, Hien-Yün genannt die Hundsgesichter, Sie sind der Ruh des Reichs und unsrer Ruh Vernichter. Wir suchen auf die Pflanze Wei. Die Pflanze reift, bald ists vorbei, Dann dürfen wir nach Hause gehen; Inzwischen welkt das Herz in Wehen, Das nach der Heimat sehnend strebt, Und hier vor Frost und Hunger bebt. Wann kommt mit kriegerischen Getösen Die neue Mannschaft, die vom bösen Grenzwachepostendienst uns eilet abzulösen? Wir sammeln ein die Pflanze Wei, Wir sammeln sie mit Lustgeschrei; Die Pflanz' ist reif und hart zu sehen, Nun laßt uns gehn, nun laßt uns gehen! Weh, daß ich nicht verlassen darf Den Posten, diese Pein ist scharf. O, die Geduld ist ausgeglommen, Ich habe fest mir vorgenommen, Zu gehn, zu gehn, zu gehn, und nie zurück zu kommen. Was leuchtet dort und blüht und lacht? Von Ti dem Baum die Blütenpracht? Wer sind die reichgeschmückten Wagen; Die also muth'ge Krieger tragen? Von Elfenbein die Bogen hell, Die Köcher rauh von Meerschweinfell. Sie lösen uns von unserm Posten Nun, Hundsgesichter, sollt ihr kosten Die blanken Waffen, die noch nicht von Heimweh rosten.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 174-176.
  • Cao chong 草蟲: Die Erwartende (Anonymous (Shijing))
    Ihr Geschrille schrillt die Grille, Und im Gras Grashüpfer hüpft. Meine Sorge schweigt nicht stille, Und mein Herz mir stets entschlüpft. Ruhe wird mir wieder eigen, Wenn du dich wirst wieder zeigen, Dem mein Herz gehört zu eigen. Auf den Berg bin ich gestiegen, Mir zu sammeln Gras und Kraut. Gräser, Kräuter blieben liegen, Da ich nach dir ausgeschaut; Sie verwelken, und mit ihnen Welken traurig meine Mienen, Weil der Freund mir nicht erschienen. Auf den Berg bin ich geklommen, Mir zu pflücken Blum' und Laub, Doch die Blätter sind verkommen, Und die Blüten all' sind taub. Ob ich dir's zu sagen brauche? Grünen werd' ich gleich dem Strauche, Wenn du kehrst im Frühlingshauche.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 14.
    in: Mehlig, Johannes (ed.). Stimmen des Orients: Arabische, persische, indische und chinesische Dichtungen. Leipzig: Insel-Verlag, 1965. p. 240f.
  • Chang di 常棣: Lob des Bruders (Anonymous (Shijing))
    Kein andrer Baum hat wie die Kirsche So helle Blüte doch; Kein ander Wild trägt gleich dem Hirsche Das edle Haupt so hoch. Von allen deinen Altersgleichen Kann keiner an den Bruder reichen; Wen darfst du ihm vergleichen? Im Feld des Todes ist zu schauen, Wie Bruderliebe siegt. Wo das Gefild der Schlacht voll Grauen Bedeckt mit Leichen liegt; Wird Niemand wie dein Bruder eilen, Um dir im Ebnen oder Steilen Ein Bette zu ertheilen. Der Adler horstet hoch, und schauet Herab auf die Gefahr. Wohl dem, der auf den Bruder trauet, Und nicht auf Freudeschaar! Ein Bruder wird die Rettung wagen, Wo die getreuen Freunde zagen, Und nichts als mit dir klagen. Ein Bruder wird es nie vergessen, Daß er an Einer Brust Mit dir geruht, mit dir durchmessen Den ersten Pfad der Luft; Indessen, die sich später kennen, Schon ihre eignen Pfade rennen, Und leicht von dir sich trennen. Es können wol die Brüder hadern In ihres Hauses Wand; Nach außen halten sie wie Quadern Doch gegen Fremde Stand. Wo man nach dir den Streich will führen, Wird ihn an sich dein Bruder spüren, Eh sich die Freunde rühren. Den Bruder hält man wol in Ehren, So lange währt die Noth; Doch wo in Frieden wir verkehren, Kein Sturm dem Hause droht, Gibt's manche denen lieber schienen Des Freundes als des Bruders Mienen; Du halt es nicht mit ihnen! Wenn zu der hohen Ahnenfeyer Dir im geschmückten Haus Die Geige tönet, klingt die Leyer, Und fließt der Wein beim Schmaus; Wenn dir dabei kein Bruder fehlet, Und keiner einen Groll verhehlet, Dann ist dein Fest beseelet. Wenn zwischen deinem Weib und Kindern Und dir ist Einigkeit; O möge nie den Einklang hindern Des Bruders Widerstreit! Doch wenn mit Eintracht auch dawischen Sich deiner Brüder Stimmen mischen, Das wird die Lust erfrischen. So mögest du des Hauses walten, Erfreuend Weib und Kind; In Freuden wirst du langsam altern, Und nicht an Gram geschwind. Du findest wol, wenn du's erwogen, Und mit Erfahrung Rath gepflogen, Ich habe nicht gelogen.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 168-170.
    We suspect "Freundesschaar" instead of "Freudeschaar" (st. 3, v4).
  • Che lin 車鄰: Königsfest (Anonymous (Shijing))
    Die hohen Wagen klingeln all und klirren, Das Ohr erfreut der Laut; Die weißen Ross' in glänzenden Geschirren Mit Lust das Auge schaut. Zu ihres neuen Fürsten Dach Die Edlen alle kommen, Als wie im Frühling Bach um Bach Vom Strom wird aufgenommen. Im Thale drängt sich Eiche, Tann' und Fichte, Der Berg ist strauchbekrönt. Sie sitzen vor des Fürsten Angesichte, Und Geig' und Flöte tönt. Aber heute die Gelegenheit Der Wonne läßt entschweben, Wird leben bis ins Alter weit Ein freudeloses Leben. Die Pappeln sprossen an des Stromes Bette, Vom Thau wird grün der Strauch. Das goldne Blech am Mund der Klarinette Erbebt von sanftem Hauch. Wer heut beim Feste keinen Theil Der Lust sich mag erwerben, Wird künftig leben ohne Heil, Und ohne Freude sterben.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 137.
  • Che xia 車轄: Das kleine Fest (Anonymous (Shijing))
    Der Wein ist nicht der beste, Doch trinken wir ein Glas. Gekocht ist nicht für Gäste, Doch komm, wir essen was. Komm, uns vereinen laß Zu einem kleinen Feste! Ich kann mich dir nicht gleichen Im Tanz, es ist dir kund, Und im Gesang muß weichen Dem deinigen mein Mund. Doch laß uns singen und Die Hand zum Tanz uns reichen.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 251.
    Excerpt of the third stanza of the original poem.
  • Chi xiao 鴟鴞: An die Eulen (Anonymous (Shijing))
    Die ihr, widerwärt'gen Eulen, Stehlt die Jungen aus dem Neste! Schonet meines Hauses Säulen, Nehmt mir nicht das beste! Welche Liebesmühe gab ich Mir, o welche Sorgen hab' ich In so vielen Tagen, Meine Jungen groß zu ziehn, getragen! Wenn der Himmel trüb und nächtig Sich umzieht, und droht mit Regen, Wirk' ich muthig und bedächtig Der Gefahr entgegen. Meines Hauses Thür verkleb' ich, Fasern um die Fenster web' ich; Darfst du doch es wagen Mir das Dach, o Pöbel, zu zerschlagen? Ist mir Haus und Hof zertrümmert, Muß ich es von neuem bauen, Lege rüstig und bekümmert Schnabel an und Klauen. Was nur dient das Nest zu spreiten, Schlepp' ich bei von allen Seiten; Ach, von solchen Plagen Müssen Klau' und Schnabel Schwielen tragen. Meine Flügel sind zerschunden, Meine Federn abgewetzet, Meine Schwungkraft hingeschwunden, Und nichts fest gesetzet. Weht der Wind an's Haus, so zittert's, Und der Regensturm durchwittert's; Ach, in solchen Lagen Was denn bleibt mir als mein Leid zu klagen?

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 162f.
  • Chu ci 楚茨: Erntefest (Anonymous (Shijing))
    Nur Dorn und Distel wird der Acker tragen, Wenn ihr nicht reutet ihn und reiniget. Und dazu seid ihr von der Urwelt Tagen, O fleißiges Geschlecht, vereiniget. Wohlauf nun, und bescheiniget Die Einsicht und die Kräfte Im würdigsten Geschäfte, Das euch der Himmel aufgetragen. Die Hirse Schu, die Hirse Tsi gedeihet, Die Aehre schwillt, und Scheunen schwellet sie. Eh ihr die Frucht genießt, sei sie geweihet; Dem festlichen Gepräng gesellet sie! Zum Erntefest bestellet sie! Brau't sie zum Ahnentranke, Und spendet sie zum Danke Des Himmels, der dazu sie leihet. Groß ist, ja groß, der Ahn von dem wir stammen, Der aus des Himmels Glanz entsprungene, Der gab den Völkern, die er band zusammen, Die Erde die vom Pflug bezwungene. Blickt aufwerts, o durchdrungene Von Andacht, zu dem Gründer, Dem Opferglutentzünder, Bestreut mit Duft die Opferflammen! Der Geist des Himmels, der in diesen Lüften Den Lebensodem angeschüret hat, Der Geist des Himmels, den in Erdegrüften Das todte Saamenkorn gespüret hat Und lebend sich gerühret hat, Der Himmelsgeist mit Segen Ist wehend hier zugegen; Bestreuet ihm die Glut mit Düften! Und führet her den kräftigsten der Stiere, Der in den Nüstern vollstes Leben hat, Daß am Altare blutend er verliere Den Hauch an den, der ihn gegeben hat. Seht, ohne Widerstreben hat Er her sich lassen lenken Und auf die Knie'e senken, Der Fürst vom Stamm der fleiß'gen Thiere. Wann sich die andern seines Stammes alle Mit uns im glühnden Sommer müheten, Hat er geschmaust im kühlen luft'gen Stalle Die Kräuter die ohn' ihn erblüheten. Die Gluten dort verglüheten, Und die des Opfers glimmen, Dabei wir ihn bestimmen Daß er für all die andern falle. Hand anzulegen will euch mit geziemen, Zum Opfer gastlich eingefundene! Die Haut, bestimmt zu Pflug- und Wagenriemen, Nehmt ihr, die blutig ihm entwundene. Ihr, löset das gewundene Gehörn vom Haupt aufs beste! Beim nächsten Opferfeste Soll man's als schönes Trinkhorn rühmen. Ein Amt beim Fest ist jedem Gast beschieden: Die vollen Kessel unterhaltet ihr; Ihr laßt es braten, und ihr laßt es sieden, Ihr schüret, und die Scheiter spaltet ihr. Des Brotvorrathes waltet ihr, Und ihr des Weins beim Schmause. Da steht die Frau vom Hause, Und lenket alles mit den Augenlieden. Zu Tische rufen Pauk' und Glockentöne; Wie schmausen Gast und Wirth, die einigen! Dem Vater weihen ihren Dienst die Söhne, Wie er dem Ahnherrn selbst dem seinigen. Froh lebe mit den Deinigen! So wünschend, füllt ein Zecher Dem anderen den Becher, Und bis zum Abend währt das Fest, das schöne.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 235-238.
  • Chu qi dong men 出其東門: Ehrbare Liebe (Anonymous (Shijing))
    Vor dem Stadtthor ist zu schauen Ein geschmückter Chor von Frauen, Leichten Frühlingswolken gleich. Mögen sie wie Wolken schweben, Und aus Sonnenschimmer weben Ihre Säume farbenreich. Meine Gattin mit dem weißen Kleide, das sie selbst gewoben, Muß mir schöner heißen, Ist mir mehr zu loben. Vor dem Stadtthor sind zu sehen Frau'n, die sich im Tanze drehen, Blumen gleich in Sommerluft. Mögen sie wie Blumen stralen, Weiß und roth die Wangen malen, Würzen ihr Gewand mit Duft! Meine Gattin, mit dem Schleyer Grün, den sie sich selbst getauchet, Hat zur Abendfeyer Mich mit Ruh umhauchet.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 102.
  • Da che 大車: Verkannte Liebe (Anonymous (Shijing))
    Laut tönt der große Wagen; Und den er trägt, den seh' ich Kleider tragen Den frischen Binsen gleich an Farben; Doch meine Freuden all verdarben. Wie sollt' ich dein nicht denken? Doch meinen Blick muß ich vor deinem Glanze senken. Der große Wagen gleitet, Und jenen seh' ich, welcher ihn beschreitet, In Kleidern wie Rubin von Farben; Doch meine Wonnen alle starben. Wie sollt' ich dein nicht denken? Allein die Scham verbeut den Schritt nach dir zu lenken. Durft' ich mit dir nicht leben, So sey mir einst mit dir ein Grab gegeben. Und sagst du, daß ich brach die Treue, So ruf' ich an aus jener Bläue Die Sonne, mir zu schenken Zum Zeugen ihren Stral, wie sie mich lieblos kränken.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 87f.
  • Da dong 大東: Vertheilung der Glücksgüter (Anonymous (Shijing))
    Die Königsstraß' ist wie ein Wetzstein glatt, Und schwingt sich gradhin wie ein Pfeil im Fluge; Die Fürsten ziehn auf ihr mit Rossen nimmer matt, Das Volk zieht zu dem langen Zuge: Doch ich, wohin ich meine Augen wende, Erblicken sie des Landes Noth ohn' Ende. Im Ostgebiet des Reiches stehen leer Webstühle, die Aufzug und Einschlag missen, Und alle Spulen gehen leer, Die letzten Hoffnungsfäden sind zerrissen. In Leinwandschuhen gehn auf Reif und Frösten Die Reichen selbst, wer soll die Armen trösten? Gemähte Halme pflegt man einzuthun, Man läßt sie draußen nicht im Feld verwittern; Doch von der Arbeit auszuruhn Verwehrt der Seufzer in der Nacht den Schnittern: Die Gräser selber ruhen in den Scheuern, Will Niemand denn auch unsrer Mühsal steuern? Im Ostgebiete liegt die Last Auf Menschen schwerer als sie können tragen. Im Westen trägt man Seide, Taft, Damast, Und ihre Kleider sind mit Pelzwerk ausgeschlagen; Zum Ruderdienst geborene Gesellen Bekleiden dort des Reiches Ehrenstellen. Sie trinken nicht den Wein als Arzeney, Und wenn von Edelstein und Perlen leuchtet Ihr Leib, so meinen sie daß es kein Aufwand sey, Wie Sand und Kies uns ein geringes deuchtet. Uns schimmert nur im glänzenden Gewimmel Die Milchstraß' über unserm Haupt am Himmel. Die Jungfrau strahlt in heller Zier, Gibt doch ihr Prachtgewand mir nicht zu tragen; Und auch der glänzend reine Stier, Nicht spannen läßt er sich an meinen Wagen; Und die nach Süden neigt, die goldne Wanne, Schwingt keine Körner dem gemeinen Manne. Der Löffel nördlich, der den blanken Stiel Nach Westen kehret, dient mir nicht zum Schöpfen; Er ist ein glänzend Augenspiel, Das uns will trösten bei den leeren Töpfen. Die alle sind allein des Himmels Zierde, Kein Gegenstand für menschliche Begierde.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 229f.
    in: Scherr, Johannes (ed.). Bildersaal der Weltliteratur. Aus dem Literaturschatz der Morgenländer (Inder, Chinesen, Hebräer, Araber, Perser, Türken), - der Alten (Hellen und Römer), - der Romanen (Provençalen, Italiener, Spanier, Portugiesen, Franzosen), - der Germanen (Engländer, Deutschen, Niederländer, Isländer, Schweden, Dänen), - der Slaven (Böhmen, Serben, Polen, Russen), - der Magyaren (Ungarn) und der Neugriechen. Stuttgart: Ad. Becker's Verlag, 1848. p. 34.
    in: Jolowicz, Heinrich (ed.). Der poetische Orient. Leipzig: Verlag von Otto Wigand, 1853. p. 22f.
    in: Jolowicz, Heinrich. Blüthenkranz morgenländischer Dichtung. Breislau: Verlag von Eduard Trewendt, 1860.
  • Da ming 大明: Wen-Wang und sein Sohn Sohn U-Wang (Anonymous (Shijing))
    Des Himmels Zeichen stralen klar, Und sind auf Erden überall zu schauen. Dem Himmel trauen, bringt Gefahr, Wenn kein Verdienst begründet dein Vertrauen; Wie die von Schang nicht halten mochten Die Königsmacht auf die sie pochten, Als unter Gottes Schutz Wen-Wang das Reich erfochten. Des Himmels Zeichen stralen hoch, Und rings auf Erden sichtbar sind die Zeichen. Der Himmel selber wirft das Joch Den' Nacken über, und wer kann entweichen? Da Männer nicht entrinnen mochten, Ward einer Jungfrau Kranz geflochten: Den Sieg gebar ein Weib vom Stamm der Unterjochten. Das kaiserliche Kind von Schang Ward mit Wang-Ki, dem Fürsten Tschiu's, vermählet, Daraus Wen-Wang der Held entsprang, Von welchem an die neue Zeit sich zählet. Zu hohem Preis ist sie erkohren, Sie hat zu neuem Stamm geboren Das Licht des Himmels, das ihr eignes Haus verloren. Das ist Wen-Wang, der ungetrübt Den Dienst des höchsten Herrn der Welten übte. Weil er den reinen Dienst geübt, Ward ihm das reine Glück das ungetrübte. Weil sie an Klarheit und an Milde Ihn sahen nach des Himmels Bilde, Sahn rings mit Huldigung auf ihr des Reichs Gefilde. Der Himmel wacht hernieder auf Die Erde, die sich unter'm Aug' ihm breitet. Des Himmels Schluß geht seinen Lauf, Und auch Wen-Wang's Vermählung ward bereitet. Die Taube flog in Adlernester, Der besten ward vermählt ein bester; Er war des Himmels Sohn, sie schien des Himmels Schwester. Da war ein himmlischer Beschluß Ob dir, Wen-Wang, und deinem Sohn ergangen; Die Brücke hast du über'n Fluß Gelegt, hinüber wird dein Sohn gelangen. Mit Milde hat Wen-Wang bereitet Den Weg, auf dem mit Kraft nun schreitet U-Wang zum Thron der Welt vom Himmel selbst geleitet. Das Haus von Schang hat Heer an Heer, Und stellt wie Wälder seine Reihen dichte; Im Feld Mu-Je starrt Speer an Speer, Doch unser Häuflein glänzt von Gottes Lichte. So ward da zu U-Wang gesprochen: Laß nicht dein Herz in Zweifel pochen; Dir steht zur Seite der des Feindes Macht gebrochen. Zusammen Rathes pflogen sie, Sein tapfrer Feldherr und der Fürst der klare; Und mit einander flogen sie Zum Angriff, wie ein Falk mit einem Aare. Am blauen Himmel stand geschrieben: Der Feinde Macht ist aufgerieben! Da war der' Unsern Sieg nicht zweifelhaft geblieben.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 269-271.
  • Da shu yu tian 大叔于田: Schu der Edle, 2. "Schu gehet jagen, lenket viergespannten Wagen" (Anonymous (Shijing))
    Schu der Edle gehet jagen, Lenket viergespannten Wagen, In der Hand ihm werden weich Zügel seidnen Fäden gleich. Rosse sich vor'm Wagen heben, Die weit auseinander streben, Die, gelenkt von seinen Schnüren, Tänze scheinen aufzuführen. Nieder läßt sich Schu im Schatten, An der Flut auf grünen Matten, Schürt ein hohes Feuer an, Das die Sonne blenden kan. An die Jagd geht Schu der Krieger, Preßt an's nackte Herz den Tieger; Ihm den Athem pressend aus, Trägt er ihn in's Königshaus. Schone schone deiner Schwiele! Spiele nicht so kühne Spiele! Wenn dich selbst nicht die Gefahr, Tödtet mich der Schreck fürwahr.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 91f.
  • Da tian 大田: Der Landwirth (Anonymous (Shijing))
    Großes Feld erheischet große Sorgen; Zieht hervor das Ackerbaugeräth, Wo es ruht in's Winterhaus geborgen, Zieht's hervor und jeden Fehl erspäht! Schon im Stalle witterten die Stiere Frühlingsodem, brüllten dem Beruf Laut entgegen; auf, und brauchet ihre Kraft wozu der Himmel sie euch schuf. Wollt ihr alten Rost vom Pfluge scheuern? Drücket in den Boden tief ihn ein; Und die Erde, die sich fühlt erneuern, Scheuert ihn, der Wohlthat dankbar, rein. Werft den reinen unvermischten Saamen In den Wind, der ihn nach Luft verstreut! Wo ihn auf die stillen Furchen nahmen, Sich die Egg' ihn zu begraben freut. Bald der Erde fordern Himmelslüfte Anvertrautes Gut mit Schmeicheln ab, Und zur Wiege wandeln sich die Grüfte, Nichts behält der Grund was man ihm gab. Zarte Spitzen keimen, Halme sprossen, Und die markigen Körner schießen an. Aus dem Wege räumet unverdrossen Alles was den Segen hindern kann! Was mit Wurzeln in die Tiefe dringet, Und der Lebenspflanze Nahrung raubt; Was mit Rankungen den Halm umschlinget, Und ihm frey zu steigen nicht erlaubt. Was mit breiten Blättern schädlich schattet, Und die Aehren machet taub und dumpf, Was dem Korne gift'ge Körner gattet, Alles rottet aus mit Stiel und Stumpf! Doch ein kriechend wühlendes Gewimmel, Was an Sproßen nagt, an Blättern klebt, Reinen Trieb beschmitzt mit eklem Schimmel, Von des Lebenskeims Zerstörung lebt; Wie vermögt ihr alles abzuwehren? Rufet an den Geist, in dessen Hut Unsrer Felder Früchte stehn: verzehren Müss' er das Geschmeiß mit Feuerglut! Doch aus vollen Wolkenurnen schenk' er Unsern Saaten fröhliches Gedeihn. Erst den Strom zu dem Bezirke lenk' er, Wo des Kaisers reift die Frucht, nicht mein. Dann gelang' er zu dem kleinern Raume, Deß Ertrag mein Haus in Anspruch nimmt; Und nicht übergeh' er, was am Saume Wächst, der Armuth zum Geschenk bestimmt. Schnitter! lasset hier die Halme stehen, Laßt sie liegen, Garbenbinder! hier, Daß die Wittwen, wenn sie sammeln gehen, Nicht vergebens kommen her zu mir.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 242-244.
  • Dang 蕩: Fürstenspiegel (Anonymous (Shijing))
    O wie furchtbar, wie erhaben schreitet Das Gericht des höchsten Himmelsherrn Ueber'n Kreis der Welten, und verbreitet, Wo es auftritt, Schrecken nah und fern. Herrlich hebt alswie ein Stern Hier sich auf sein Winken Ein Geschlecht, um hoch zu blinken, Und dann plötzlich wie ein Stern zu sinken. Hat der Himmel dir verliehn das Leben, Darfst du doch nicht seiner Huld vertraun, Denn sie nimmt dir was sie dir gegeben, Seine Gunst erfüllet dich mit Graun. Jedem gab er, anzubaun, Mit ein Korn der Güte; Doch wie selten ein Gemüthe Bringt den guten Keim zur vollen Blüte! Wen-Wang, unser Ahnherr, sprach mit Stöhnen, Als das Haus von Schang dem Ueberschwang Aller Laster nun begann zu fröhnen: Unglückseliges Geschlecht von Schang! Du bist reif zum Untergang; Denn es scheint beschlossen, Daß in dir nur Männer sprossen, Die zu allem Guten sind verdrossen. Wen-Wang unser Stifter sprach mit Stöhnen: Unglückseliges Geschlecht von Schang, Ganz mit allen Gliedern, Brüdern, Söhnen, Ungetreu dem hohen Ursprung lang! Und du letzter, der entsprang Dem verderbten Stamme, Du wirst nicht entgehn der Flamme; Sieh, ob dich nicht eigne Schuld verdamme. So mit Stöhnen Wen-Wang, unser Stifter: Weh dir, unglücksel'ger Königssproß! Warum räumst du deiner Ruh Vergifter Nicht aus deinem Land, aus deinem Schloß? Warum lässest du den Troß Uebermüth'ger Knechte Hohn dem menschlichen Geschlechte Sprechen, und zertreten seine Rechte? So mit Stöhnen Wen-Wang, unser Gründer: Weh dir, unglücksel'ger König, Weh! Theilhaft machst du dich der Schuld der Sünder, Die in deinem Dienst ich sünd'gen seh, Frevler, wo ich geh und steh, Deren Urtheilsprüche, Athmend Raub und Blutgerüche, Dich verflechten in des Volkes Flüche. Also Wen-Wang unter Thränenfluten: Ach, von Schang verlorner König, ach! Aufzubringen gegen dich die Guten Bist du stark, in allem andern schwach. Schwach gibst du den Bösen nach, Die in bösen Zeiten Doch für dich nicht werden streiten, Wo die Guten dir nicht stehn zur Seiten. Also Wen-Wang, tief von Schmerz durchdrungen: O, von Schang verlorner König, o! Rausch hat deine Heiterkeit verschlungen, Und die Frische deine Wangen floh. Nicht mehr fragst du, wann und wo Du der Lust nachhängest, Der du Tag und Nacht vermengest, Und in's Heiligthum das Schwelgen drängest! Also Wen-Wang, tief bewegt von Leide: Armer König ohne Glück und Ruh, Unstet wie die Heuschreck auf der Haide, Und wie wildes Wasser brausest du, Das sich stürzt dem Abgrund zu, Niemand hemmt sein Brausen; Ringsum sieht's dein Reich mit Grausen, Selbst mit Grausen sehn's die Fremden draußen. Also Wen-Wang seufzend: Ja, dem Staate Kommt vom Himmel die gesetzte Zeit; Denn der König zieht nicht mehr zu Rathe Die Geschichte, die Vergangenheit. Nicht mehr will er im Geleit Heiliger von allen Anerkannter Satzung wallen; Ja, der Himmel will ihn lassen fallen! Also Wen-Wang, vom Gefühl ergriffen: Weh dir, König, und o Weh dir, Reich! Zittre, Baum! das Beil, es ist geschliffen; Stürze Stamm! getroffen hat der Streich. Wipfel wird der Wurzel gleich, Ab vom Stumpf gehauen Glied um Glied; nun lasset schauen, Was wir Gutes aus dem Holze bauen! Also Wen-Wang vom Gefühl ergriffen: Letzter Zweig vom vormals edlen Stamm! War dir nicht ein Spiegel hell geschliffen? Was verdeckst du seinen Glanz mit Schlamm? Ließest du dich warnen am Fall von Hia und mahnen! Weil sie giengen gleiche Bahnen, Ward ihr Thron zum Throne deiner Ahnen. Also Wen-Wang, der umsonst den Spiegel Hielt vor's Angesicht dem Haus von Schang. Denn besiegelt mit des Himmels Siegel War dem Hause Schang der Untergang. Und das Haus von Wen-Wang schwang Mit des Adlers Schnelle Sich empor zu jener Stelle, Wo den schwachen blendet leicht die Helle. Haus von Schang! es hat dich nicht gerettet, Was du selbst gethan am Hause Hia. Kinder Wen-Wang's! daß ihr Weisheit hättet, Merkte, was durch euch an Schang geschah! Doch das Haus von Schang hat ja sich nicht lassen mahnen, Und ihr geht auf gleichen Bahnen Ihnen nach, ohn' euern Fall zu ahnen. O wie furchtbar, wie erhaben schreitet Das Gericht des höchsten Himmelsherrn Ueber'n Kreis der Welten, und verbreitet, Wo es auftritt, Schrecken nah und fern. Herrlich hebt alswie ein Stern Hier sich auf sein Winken Ein Geschlecht, um hoch zu blinken, Und dann plötzlich wie ein Stern zu sinken.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 307-311.
    in: Scherr, Johannes (ed.). Bildersaal der Weltliteratur. Aus dem Literaturschatz der Morgenländer (Inder, Chinesen, Hebräer, Araber, Perser, Türken), - der Alten (Hellen und Römer), - der Romanen (Provençalen, Italiener, Spanier, Portugiesen, Franzosen), - der Germanen (Engländer, Deutschen, Niederländer, Isländer, Schweden, Dänen), - der Slaven (Böhmen, Serben, Polen, Russen), - der Magyaren (Ungarn) und der Neugriechen. Stuttgart: Ad. Becker's Verlag, 1848. p. 33.
    in: Jolowicz, Heinrich (ed.). Der poetische Orient. Leipzig: Verlag von Otto Wigand, 1853. p. 36f.
    in: Jolowicz, Heinrich. Blüthenkranz morgenländischer Dichtung. Breislau: Verlag von Eduard Trewendt, 1860.
    in: Scherr, Johannes (ed.). Bildersaal der Weltliteratur. Stuttgart: A. Kröner, 1869. p. 12f.
  • Di dong 蝃蝀: Schönheit von freyen Sitten (Anonymous (Shijing))
    Seht den prächt'gen Regenbogen, Aber nach ihm deutet nicht! Denn wer deutet ungewogen, Muß es büßen, wie man spricht. Ei wie hell, ei wie licht Kommt die Schönheit aufgezogen! Ist es wol ein Junggesell, Der ihr in die Augen sticht, Weil sie blickt so grell? Ihrer Brüder Hut ist sie entflogen. Seht den schönen Regenbogen, Aber zeiget nicht danach! Zeigefinger ungezogen Büßt mit Blätterchen die Schmach. Seht den Glanz tausendfach An ihr auf und nieder wogen! Gehet sie vielleicht zum Tanz, Oder andern Spielen nach? Es gemahnt mich ganz: Ihre Eltern sind an ihr betrogen. Seht das farbige Geflatter, Saget ihm nichts Böses nach! Jeden Mund trifft böse Blatter, Der davon ein Wörtchen sprach. Schöner Dunst, wie so jach Wechseslt du mit nimmer matter Kunst! O der Sitten, o der Schmach! Sie beut ihre Gunst Offen feil, und achtet kein Geschnatter.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 65f.
  • Di du "You di zhi du, qi ye xu xu" 杕杜 "有杕之杜,其葉湑湑": Der Verlassene (Anonymous (Shijing))
    Weh daß meine Verwandten Sich meiner abgethan, Und von meinen Bekannten Nimmt keiner mein sich an. Wer will mir Vater werden? Wer will mein Bruder seyn? Wie ist verlassen auf Erden, Wer ohne Bruder steht allein!

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 127.
    Excerpt of the first stanza.
  • Di du "You di zhi du, you huan qi shi" 杕杜 "有杕之杜,有睆其實": Unterredung aus der Ferne (Anonymous (Shijing))
    "Frühling bringt die langen Tage, Und den Fluren neues Grün, Doch kein Ziel der langen Plage, Keine Rast der Kriegesmühn. Das Barbarenvolk Hien-Yün Schwillt im Lenz mit neuen Kräften, Wie der Baum mit frischen Säften, Fordert unser Beil zu neuem Schlage. "Frühling bringt die hellen Tage, Und der Freude Lichter sprühn; Doch nicht endet meine Klage, Und die Hoffnung darf nicht blühn. Seit mein Gatte schön und kühn Zog im kriegerischen Geschmeide, Wechseln Fluren mit dem Kleide, Ich nicht mit dem Leide das ich trage. "Süßer Birnbaum, deiner Schatten Denk' ich unter Sommerduft, Süße Gattin, die dem Gatten Jetzt mit Sehnsuchtstimmen ruft; Durch der Trennung weite Kluft Einen Friedenshauch mir schicke, Der in Schlachten mich erquicke, Bis der Sieg die Heimkehr wird gestatten! "Armer Birnbaum, der die matten Zweige breitet in die Luft; Kummer lichtet meine Schatten, Gram verzehret meinen Duft. Laut nach ihrem Thaue ruft Meiner welken Blüten jede: Himmel, ende diese Fehde! Gib zurück der Gattin ihren Gatten! "Wenn wir nur den Berg erstiegen, Der im Süden vor uns liegt, Sehen wir die Heimat liegen, Welcher zu die Sehnsucht fliegt. Wackre Rosse, nicht erliegt Der Ermattung! nicht zerbrechet, Morsche Achsen! mir versprechet, Vollends mich bis dort hinab zu wiegen! "Hat er jetzt den Berg erstiegen, Der im Norden vor mir liegt? Seh' ich seine Rosse fliegen, Und den Wagen, der ihn wiegt? Ahnungen, wenn ihr nicht triegt, Wenn nicht die Orakel trogen, Wenn nicht alle Zeichen logen, Wird ihn heut noch dieser Arm umschmiegen.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 177-179.
  • Ding zhi fang zhong 定之方中: Der Bau des Fürstenhauses (Anonymous (Shijing))
    Als Ting, der Stern, in den Meridian Getreten war, der Stern zum Häuserbauen, Hob man das Fürstenhaus zu bauen an Im Lande Tschu auf wasserreichen Auen. Das Loos, geworfen, sagte Gutes aus; Der Sonne Schatten ward mit Fleiß gemessen; Nach Süden ward gewandt das Vorderhaus, Und Bäum' umher zu Pflanzen nicht vergessen. Hier stehn die Bäume, deren Blüte schmückt, Und hier die andern, welche Früchte tragen; Hier die, aus deren Beeren Oel man drückt, Hier, deren Laub die Seidenspinner nagen. Die Bäume hier, aus deren Stamm man haut Die Tafeln, die der Nachwelt Kunde bringen; Die Bäume dort, aus deren Holz man baut Die Instrumente die zum Fest erklingen. Nun laßt uns kundenwerthe Thaten thun, Abwechselnd Kriegs- und Friedenstänze tanzen. Still ruht der Feind; doch, will er nicht mehr ruhn, So wächst um's Fürstenschloß ein Wald von Lanzen. Dreitausend Rosse zieht der Fürst im Stall, Die mit dem Haupt an sieben Fuß hoch ragen, Und so viel Männer stehn auf seinem Wall, Wie solche Rosse würdig sind zu tragen.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 68f.
  • Dong fang wei ming 東方未明: Der geplagte Diener (Anonymous (Shijing))
    Eh es Tag ward, sprang ich auf, Meine Schuhe zog ich an verkehret; In der Eile, wie's der Herr begehret, Lief ich meines Dienstes Lauf. Eh es tagt, spring' ich empor, In das Kleid bin ich verkehrt gefahren. Kehr' ich's um? Kein Schelten wird er sparen, Wenn ich so die Zeit verlor. Seine Hand verletzt am Dorn, Wer mit Dörnern zäunen muß den Garten. Unsers Königs Dienst ist schwer zu warten, Denn er ist voll jähem Zorn. Tages und der Nacht Gebiet, Wer nicht beides Morgens weiß zu trennen, Sollte doch den Unterschied erkennen Abends wenn er's betrunken sieht. Wer am frühen Morgen wacht, Sollt' am späten Abend ruhen dürfen; Doch es ist in unsres Herrn Entwürfen Lauter Tag und keine Nacht.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 107f.
  • Dong fang zhi ri 東方之日: Das Licht im Hause (Anonymous (Shijing))
    1. Die aufgegangne Sonne, Das heißt ein schönes Weib in klarer Wonne, Verweilt in meines Hauses Mitten, Und geht mir leise nach auf allen Schritten. Der Mond der aufgegangne, Das heißt das schöne Weib das glanzumfangne, Lehnt sich an meines Hauses Pforten, Und folgt mit Lächelblick mir hin nach allen Orten. 2. Die aufgegangne Sonne stand, Mein junges Weib im Morgenflore, Sie stand an meines Hauses Thore, Und winkte, da ich gieng, mir nach mit weißer Hand. Der Mond der aufgegangne, Das junge Weib im Abendflore, Sie steht an meines Hauses Thore; Wie wird von ihr begrüßt der schön empfangne!

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 110.
    in: Grabow, Hans (ed.). Die Lieder aller Völker und Zeiten, in metrischen deutschen Uebersetzungen und sorgfältiger Auswahl. Hamburg: Verlag von G. Kramer, 1880. p. 421.
  • Dong men zhi chi 東門之池: Von der Hanf-Röste (Anonymous (Shijing))
    Vorm Thore, wo die Gruben sind, Darin den Hanf man röstet. Sie ist ein liebes gutes Kind; Wie süß und lind Sie mit Gesang mich grüßt und mich vertröstet! Vorm Thore, wo die Gruben sind, Darin den Hanf man weichet. Sie ist ein liebes kluges Kind; Wie sie geschwind Den Sinn von allem, was man sagt, erreichet! Vorm Thore, wo die Gruben sind, Darin den Hanf man wässert. Sie ist ein liebes frommes Kind; Wo ungelind Sie war einmal, o wie sie's schnell verbessert!

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 147f.
  • Dong men zhi fen 東門之枌: Der Müßiggänger (Anonymous (Shijing))
    Vor dem Thore steht die Eiche, Und die Ulme wächst am See. Drunter sitzt der ihnen gleiche Sorgenfeye Sohn von Tsee. Einen Glückstag wählt er eben, Um auf's Feld sich zu begeben; Dort wird er den Mais nicht pflanzen, Aber einen Reihen tanzen. Einen Glückstag wählt er aus, Und verfügt sich aus dem Haus; Zwar wird er den Hanf nicht sän, Aber doch spazieren gehn.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 146.
  • Dong men zhi shan 東門之墠: Das Haus vor der Stadt (Anonymous (Shijing))
    Vor dem Thor der Stadt Sind die Wege glatt, Sind die Wege glatt und eben, Und das Gras wächst an den Gräben. An der Seite steht ein Haus, Doch der Herr tritt nicht heraus. Vor dem Thor der Stadt, Mit dem breiten Blatt Schatten die Kastanienbäume Ueber Gärten, Höf' und Räume. Bist du wol gezogen aus? Oder bist nicht mir zu Haus? Vor dem Thor der Stadt Sind die Wege glatt. Ach, auf glatten, glatten Wegen Gieng ich, gieng ich deinetwegen, Wollte ruhn bei dir im Haus, Und nun schließest du mich aus!

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 100.
  • Dong men zhi yang 東門之楊: Abendklage (Anonymous (Shijing))
    Vorm Ostthor stehn die Weiden Mit Zweigen hoch und dicht. "Dahin laß dich bescheiden, Ich komm' im Abendlicht." Der Abendstern schon bricht Hervor, um zu bekleiden Mit goldnem Saum die Weiden, Und sie erscheinet nicht. Vorm Ostthor stehn die Weiden Mit Zweigen hoch und dicht. "Dahin laß dich bescheiden, Ich komm' im Abendlicht." Der Abendstern schon bricht Hervor, um sich zu weiden Am Anblick meiner Leiden, Und sie erscheinet nicht.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 148.
    in: Schmidt, Ferdinand (ed.). Frühling und Liebe. Eine Auslese von Gedichten aller Zeiten und Völker. Berlin: 1851.
    in: Wollheim da Fonseca, Anton Edmund. Die National-Literatur sämtlicher Völker des Orients. Eine prosaische und poetische Anthologie aus den besten Schriftstellern des gesamten Orients. Berlin: Verlag von Gustav Hempel, 1869. p. 829.
    in: Goldscheider, Ludwig (ed.). Die schönsten Gedichte der Weltliteratur. Ein Hausbuch der Weltlyrik von den Anfängen bis heute. Wien, Leipzig: Phaidon-Verlag, 1933. p. 52f.
  • Dong shan 東山: Der Reichsfeldherr Tschiu-Kong (Anonymous (Shijing))
    Zum Ostgebirge zogen wir hinaus, Und lange durften wir zurück nicht kehren. Wir kehren, und Gewölke schwarz und kraus Ziehn, um den Blick zum Westen uns zu wehren. Was steht uns nun bevor zu Haus? Wir legen ab die kriegerischen Wehren, Und schon entlassen ist des Heeres froher Braus. Im Maulbeerbaum verborgen sitzt die Grille, Sie scheinet mit eintönigem Geschrille Willkommen uns zu heißen in der Stille. Im Ostgebirge zogen wir umher, Und lange konnten wir von dort nicht kommen. Wir kommen, und der Himmel wolkenschwer Hat auf die Heimat uns den Blick benommen. Entlassen ist das laute Heer; Ich seh' gedankenvoll, doch unbeklommen, Der Höfe weiten Raum voll Gras und menschenleer. Den Webstuhl hat die Spinn' ans Thor gestellet, Der Hirsch sein Lager meinem Bett gesellet, Der Leuchtwurm schimmernd mein Gemach erhellet. Im Ostgebirge fanden wir nicht Rast, Wir kommen nun im Westen sie zu finden. Der Himmel wälzt der Wolken Regenlast, Und alle kriegerische Scenen schwinden. Die Taube girrt vom dürren Ast, Die Gattin seufzt, nun wird sie dich umwinden, Der Hausherr tritt ins Haus als ungewohnter Gast. Es wird gefegt, bald wird es wieder prangen, Und wieder seh' ich, was ich nicht seit langen Drei Jahren sah, vom Baum den Kürbis niederhangen.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 159f.
    Note that the poem's translated title is spelled "Der Reichsfeldherr Tschin-Kong" in the quoted book's table of contents.
  • Du ren shi 都人士: Zerstobene Hofherrlichkeit (Anonymous (Shijing))
    In der Königsstadt die Großen trugen Sommers Blätterhütte, Und die edlen Frauen ließen schmucke Locken wehen. Da ich das nicht mehr kann sehen, Ist dem Gram verfallen mein Gemüthe. In der Königsstadt die Großen trugen Edelstein' in Ohren, Schöne Namen guter Deutung trugen ihre Frauen. Da ich das nicht mehr kann schauen, Ist die Lust des Lebens mir verloren. In der Königsstadt die Großen trugen lang des Gürtels Enden, Und die Frauen trugen Locken kraus wie Skorpionen. Denkend all der hingeflohnen Herrlichkeiten, o wo soll ich enden!

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 259.
    Excerpt of stanzas two to four of the original poem.
  • Er zi cheng zhou 二子乘舟: Die Königin Swen-Kiang ist um ihre beiden Söhne besorgt (Anonymous (Shijing))
    Das Schiff, das meine Jünglinge bestiegen, Das Schiff geht hin; Kaum seh' ich auf der Flut den Schatten fliegen; Trüb ist mein Sinn. Ich weiß nicht, wie es wird ergehen, Allein ein Unglück wird geschehen, Ich fühl's wie ich bekümmert bin. Das meine beiden Jüngline bestiegen, Hin geht das Schiff; Ich seh' es schwinden dort, ich seh' es biegen Um's Felsenriff. Ein Unglück wird gewiß geschehen; Es abzuwenden, vorzusehen, Fehlt mir Gedanken und Begriff.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 60f.
    Note that the title is shortened to "Die Königin Swen-Kiang" in the table of contents.
  • Fa tan 伐檀: Bedingungen des Lebens (Anonymous (Shijing))
    Wer nicht die Körner säet, Dem wachsen nicht die Aehren; Und wer die Saat nicht mähet, Wovon will er sich nähren? Wenn du nicht jagen giengest, O sage mir, wo fiengest Die Füchse du, Geselle, Die Füchse, deren Felle Du rings hier auf zum Prunk an deinen Wänden hiengest? Kein Weiser ist, noch wohlerfahren, Wer essen will, doch Arbeit sparen. Wer nicht die Körner säet, Dem wachsen nicht die Aehren; Und wer die Saat nicht mähet, Kann er ein Haus ernähren? Sprich, hättest du gezogen Die Netze nicht; wie flogen Dir her die Lerchen alle, Die Lerchen, die im Schwalle Wir zierlich sehn gereiht am Küchenfensterbogen? Kein Weiser ist, noch wohlerfahren, Wer essen will, doch Arbeit sparen. Wer nicht die Körner säet, Dem wachsen nicht die Aehren; Und wer die Saat nicht mähet Kann keine Gäst' ernähren. Wenn du nicht giengest fischen, O sage, wo die frischen Forellen hergekommen, Wie sie in's Haus geschwommen, Die wir uns winken sehn mit Lust auf deinen Tischen? Kein Weiser ist, noch wohlerfahren, Wer essen will, doch Arbeit sparen.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 120f.
  • Fang luo 訪落: Lieder des unmündigen Kaisers Tsching-Wang, 2. "Da mein Herrschen angefangen" (Anonymous (Shijing))
    Da mein Herrschen angefangen, Will ich guten Rath beachten, Und im Weg zu wandeln trachten, Den mein Vater vorgegangen. Aber ach, wie seh' ich ihn vom weiten! Ihm vergebens ring' ich nachzuschreiten. Noch von ihm so sehr verschieden, Ob ich je ihm gleichen werde? Auf dem Thron und an dem Herde Was er that, was er vermieden, Großes, Kleines, such' ich nachzuahmen, Daß es werde meiner Wohlfahrt Saamen. Mein bewunderswürd'ger Vater, Der die Herrschaft mir gelassen, Werde, wie sie anzufassen, Aus dem Himmel mein Berather. Nur durch ihn vermag ich wohlzufahren, Und den Glanz des Reiches zu bewahren.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 343f.
  • Fang you que chao 防有鵲巢: Besorgniß (Anonymous (Shijing))
    Am Flusses Ufer sind die Schwalbennester, Am Hügelabhang wächst das Perlengras. Wer wendet ab von mir dein Herz, o Bester? Im tiefsten Herzen schmerzt mich das. Still an der Grabkapelle stehn die Rüstern, Im Winde regt das Gras am Hügel sich. Wer sind sie, die von mir in's Ohr dir flüstern? Die Furcht im Innern tödtet mich.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 149.
    in: Goldscheider, Ludwig (ed.). Die schönsten Gedichte der Weltliteratur. Ein Hausbuch der Weltlyrik von den Anfängen bis heute. Wien, Leipzig: Phaidon-Verlag, 1933. p. 53.
  • Fei feng 匪風: Schlimme Gerüchte vom Hofe (Anonymous (Shijing))
    Nicht die starken Winde wehen, Nicht die lauten Wogen gehen, Sondern Kunden sind gekommen, Die uns machen so beklommen. Nicht das Ungestüm des Windes, Nicht die lauten Wogen sind es, Daß wir ängstlich all dahin sehn, Wo die Wege westlich hingehn. Wer uns kochen will die Fische, Daß er rein den Topf auswische! Wer da will zu Hofe reiten, Bring' uns gute Neuigkeiten.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 154.
  • Fen ju ru 汾沮洳: Der Emporkömmling (Anonymous (Shijing))
    Am Ufer, das der Fen bespült, Wachsen die Gräser dichte. Ein Mann, der starken Hochmuth fühlt Ob seinem glatten Gesichte. Sein Gesicht ist wol glatt und fein; Des Königs Wagenlenker zu seyn, Ist sein Verstand doch zu klein. Am Ufer, das der Fen benetzt, Schießt in Saamen die Pflanze. Ein Mann, der sich in den Kopf gesetzt, Er sey wie die Blum' im Glanze. Mag er auch seyn die Blum' im Staat, Aber zu machen des Königs Rath, Ist er erwacht zu spat. Am Ufer, das die Fen-Flut tränkt, Stehn im Safte die Reiter. Er ist so groß und schön, und denkt, Er sey ein großer Weiser. Sein Kopf ist hoch ob seinen Knien, Doch einen Fürstenlohn zu ziehn, Ist ihm der Witz nicht verliehn.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 117.
  • Feng 豐: Entführung (Anonymous (Shijing))
    Ueber's farbige Gewand Wirf ein dunkles Oberkleid; Laß nicht flattern buntes Band, Laß nicht spielen dein Geschmeid! Sitze fest auf dem Wagen, Und laß mich von dannen jagen! Wind, verwehe schnell die Spur, Daß die Spürer sind bethört! Rauschet, Lüfte, rauschet nur, Daß man nicht das Rasseln hört, Und beflügelt den Wagen, Auf dem wir von dannen jagen!

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 98f.
  • Feng nian 豐年: Erntelied (Anonymous (Shijing))
    Wir führten wohl des Pfluges Steuer, Und kräftig hat am Erdenfeuer Die Sonne mit dem Thau geschürt. Wir haben reich geerntet heuer, Ein Garbentausend in die Scheuer, Ein Hunderttausend eingeführt. Nun laßt uns draus die Tränke brauen Den Ahnen und den Ahnenfrauen Zum Opfermahl nach heil'gem Brauch. Und wie wir sie's genießen schauen, Laßt uns mit fröhlichem Vertrauen Nun unser Theil genießen auch.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 335f.
  • Feng yu 風雨: Bei Regenwetter (Anonymous (Shijing))
    Der Regen rauscht gelind, Und leise saust der Wind, Zusammen tönen sie, Der Hahn ruft drein Kie-Kie. Da mich erfreut des Liebsten Gruß, Was acht' ich Wind und Regenguß? Der Regen fällt gelind, Der Regen und der Wind Sie machen es Siao-Siao, Der Hahn macht es Kiao-Kiao. Da mich erfreut des Liebsten Gruß, Macht nichts mir auf der Welt Verdruß. Der Regen und der Wind. Des Himmels Fenster sind Verhängt von dunklem Flor; Der Hahn ruft wie zuvor: Da mich des Liebsten Gruß erfreut, Was kümmert mich der Himmel heut?

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 99.
    in: Sekles, Bernhard (ed.). Aus dem Schi-King. Leipzig: D. Rahter, 1907. p. 10f.
  • Fou yi 芣苢: Lied der Pflanzenleserinnen (Anonymous (Shijing))
    Wir lesen das Kraut Fiu-Y. Kommt, lesen wir, lesen wir ein! Wir lesen das Kraut Fiu-Y. Kommt, suchen wir, suchen wir fein! Wir lesen das Kraut Fiu-Y. Kommt, bücken wir, bücken wir uns! Wir lesen das Kraut Fiu-Y. Kommt, pflücken wir, pflücket mit uns! Wir lesen das Kraut Fiu-Y. O hebet, o hebt nur den Saum! Wir lesen das Kraut Fiu-Y. Wo gebet, wo gebt ihr ihm Raum? Wir lesen das Kraut Fiu-Y. Wie fassen wir's, fassen wir's ein? Wir lesen das Kraut Fiu-Y. Hie lassen wir's, lassen wir's seyn!

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 15.
  • Fu tian "Wu tian fu tian" 甫田 "無田甫田": Doppelwirthschaft (Anonymous (Shijing))
    Baue nicht zwei Aecker in verschiednen Räumen, Oder, was es fruchtet, laß dir sagen! Einen über'n andern wirst du nur versäumen, Der versäumte wird dir Unkraut tragen. Was die Sterne dir versagen, Sollst du nicht erträumen, Aus dem Sinne dir das Ferne schlagen. Baue nicht zwey Aecker in verschiednen Fluren, Oder, was es einträgt, laß dir deuten! Eifersüchtig werden sie wo sie's erfuhren, Und das Unkraut ist nicht auszureuten. Wenn du willst kein Wild erbeuten, Jag' auf zweyer Spuren! Ledig bleibt ein Freyer von zwey Bräuten.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 112.
    Note also Rückert's more liberal translation of the same poem under the title "Die Verwandlung".
  • Fu tian "Wu tian fu tian" 甫田 "無田甫田": Die Verwandlung (Anonymous (Shijing))
    Der um's Haupt wie eine Krone Seine Locken trug gewunden, Niemals hat mein Busen ohne Regung seinen Blick empfunden. Heute statt in Knabenlocken Tritt er auf im Männerhut. Soll ich mit der Antwort stocken, Wenn er mir den Antrag thut?

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 111.
    Note also Rückert's more literal translation of the same poem titled "Doppelwirthschaft".
  • Fu tian "Zhuo bi fu tian" 甫田 "倬彼甫田": Wetteifer. Der überbotene Vogt (Anonymous (Shijing))
    Wenn der Vogt das Feld beschreitet, Nach der' Pflüger Fleiß zu sehn, Sieht mit Speisen zubereitet Man die Fraun und Kinder gehn, Die sie auf das Feld gen Süden Tragen, wo den' Arbeitsmüden Mit Erquickung Ehre soll geschehn. Wenn er hat den Fleiß betrachtet, Und zu tadeln findet nichts; Er die Speisen auch betrachtet, Prüfend jeglichen Gerichts Wohlgeschmack. Es sind die Saaten, Auch die Speisen sind gerathen, Beide lobt er fröhlichen Gesichts. Lasset nun die Hau'n und Kärste, Von der Stirne wischt den Schweiß! Trefflich stehet Korn und Gerste, Trefflich schmeck' euch Graup' und Reiß! - Weil er unsern Fleiß erhoben, Laßt uns seine Speisen loben, Und verdoppelt künftig euern Fleiß. Ernteertrag zu überschlagen Ist der Vogt erfahrungsklug. Funfzig Speicher, hundert Wagen, Denkt er, wie er überschlug. Erntet nur! und sehr verwundert Soll er sehn, es sind nicht hundert Speicher, tausend Wagen nicht genug. Wie ein Berg ist jeder Speicher, Jeder Wagen wie ein Haus. Unser Vogt wird immer reicher, Immer besser unser Schmaus. Er verdopple seine Scheuern; Auf nur und verdoppelt euern Fleiß, bis er nicht weiß, wo mit hinaus!

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 241f.
  • Fu yi 鳧鷖: Der speisende Todtenknabe Schi (Anonymous (Shijing))
    In des Flusses Wellen Badet sich der Schwan. Deinen Wein, den hellen, Hast du aufgethan; Und mit seinem Stabe Naht der Todtenknabe, Seinen Antheil zu empfahn. In des Flusses Wellen Tauchet sich der Schwan. Deine Tische schwellen, Und die Gäste nahn. Dank für jede Gabe! Seht, der Todtenknabe Nimmt mit Lust die Speisen an. In des Flusses Wellen Spiegelt sich der Schwan. Deinen Tischgesellen Hast du wohlgethan; Wachse deine Habe! Fröhlich speist der Knabe, Und zufrieden ist dein Ahn. Auf des Flusses Wellen Wieget sich der Schwan. In den Ahnenzellen Ward der Schmaus gethan. Heil dir bis zum Grabe! Wacker speist der Knabe, Daß wir's mit Erstaunen sahn. Auf des Flusses Wellen Schaukelt sich der Schwan. Ueber deine Schwellen Kann nichts Böses nahn; Freudig speist der Knabe, Glück und ew'ge Labe Kündet er zum Schluß dir an.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 289f.
    Note that the translation's title is listed as "Der speisende Todtenknabe" in the book's table of contents, as opposed to "Der speisende Todtenknabe Schi" as seen above the entry itself.
  • Fu you 蜉蝣: Der Hofschmetterling (Anonymous (Shijing))
    Das Kleid des Schmetterlings ist seine Schwinge, Wie glänzend ist das Kleid! Ich aber bin im Leid. O daß zu mir hierher ein Wind ihn bringe, Daß er nie von mir ginge In seinem Lustgeschmeid! Des Schmetterlings Gewand ist seine Schwinge, Wie reich ist das Gewand, Wie schön gestickt mit Band. O daß ein Wind mit meinem Schmetterlinge Mir käm', und ich ihn finge, Und er mir hielte Stand!

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 152.
  • Gan mao 干旄: Die Heerboten (Anonymous (Shijing))
    Durch's Land von Tsün ein heller Streif, Was glänzt und woget solchermaßen? Vom Wagenrand ein Büffelschweif Als Fahn' erhöht, durchwallt die Straßen. Hoch auf dem Wagen steht ein Mann, Und lenkt ein Rosse-Viergespann. Ihn senden unsre Helden; Was haben sie, was haben sie zu melden? Durch's Land von Tsün ein heller Streif, Was glänzt und wogt auf fernen Strecken? Im Panner ein gemalter Greif Durchfliegt die Dörfer und die Flecken. Hoch auf dem Wagen steht ein Mann, Und lenkt ein Rosse-Fünfgespann. Er kommt von unsern Helden; Was senden sie, was lassen sie uns melden? Durch's Land von Tsün ein heller Streif, Was glänzt gleich buntem Wolkenflore? Als Panner weht ein Pfauenschweif Heran zur Stadt, herein zum Thore. Hoch auf dem Wagen steht ein Mann, Und lenkt ein Rosse-Sechsgespann. Er kommt von unsern Helden Mit guten Zeichen, und wird Gutes melden.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 69f.
  • Gan tang 甘棠: Der heilige Birnbaum (Anonymous (Shijing))
    Dieser Birnbaum heißt Tang-Li, O wie grünt er! sehet ihn und schonet, Seine Zweige brechet nie! Unter ihm hat Schao der Fürst gethronet. Dieser Birnbaum schattendicht, Nahet euch und ihm kein Leides thuet! Bieget seine Blätter nicht! Unter ihm hat Schao der Fürst geruhet. Dieser Birnbaum, weithin webt Sich sein Laubdach, blüh' es undurchbrochen! Krümmet hier kein Läubchen, bebt! Schao der Fürst hat hier einst Recht gesprochen.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 22.
  • Gao qiu "Gao qiu ru ru" 羔裘 "羔裘如濡": Der Schmuck des Fürsten (Anonymous (Shijing))
    Des Fürsten Kleid ist ein Lammfell weich, So weich wie da noch das Lamm es getragen. Er bleibt sich an Güte beständig gleich, Kein Guter hat Grund zu klagen. Das Lammfellkleid des Fürsten umzirkt Ein Streif des Felles vom kühnen Panther. Heldenthaten hat er gewirkt, Ein hoch vom Ruhme genannter. Das Lammfellkleid des Fürsten umzieht Ein dreifach geschlungener Seidenfaden: Pflicht und Ehre, die nie ihm entflieht, Und seines Kaisers Gnade.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 92f.
  • Gao qiu "Gao qiu xiao yao" 羔裘 "羔裘逍遙": Sehnsucht nach dem an den Kaiserhof gezogenen Fürsten (Anonymous (Shijing))
    Im Gewand vom weißen Lammesfelle Gieng er aus und ein bei seiner Schwelle, O wie herrlich es ihm stand! Doch im falben Fuchsgewand Zog er daß er sich dem Kaiser stelle. Sollt' ich deiner nicht gedenken? Doch wie möcht' ich's, ohne mich zu kränken! Im Gewand der weißen Lammesfelle Leuchtet' er in seines Hauses Zelle, Leuchtet' er im ganzen Land; Doch im falben Fuchsgewand Ist er nun des Kaisers Hofgeselle. Sollt' ich deiner nicht gedenken? Könnt' ich's ohne mich in Gram zu senken? Dein Gewand von weißem Lämmerfelle War den Augen eine Freudenquelle. Wie der pure Rahm geronnen, Oder wie ein Stral der Sonnen, Warst du anzusehn in deiner Helle. Sollt' ich dein nicht mehr gedenken, Worauf sollt' ich die Gedanken lenken?

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 151.
    Note that the title in the table of contents is "Sehnsucht nach dem fürstlichen Gatten".
  • Gao yang 羔羊: Hofpracht und Sparsamkeit (Anonymous (Shijing))
    Im Gewand der Königsgnaden, Ausgenäht mit Seidenfaden, Gehn die Edlen, Tapfern, Weisen. Wie manierlich, wie manierlich, Gehn sie Abends heim, zu speisen! Angestrahlt von königlicher Huld, wie gehn sie leicht und sicher, Schreitend aus des Hofes Kreisen. Herrlich glänzt ihr Rock, ihr bunter; O wie munter, o wie munter, Eilen sie nach Haus, zu speisen! Die bescheidnen wohlzufriednen Mit dem ihnen zubeschiednen! Ist der König nicht zu preisen? Der am Tage sich von ihnen Läßt bedienen, läßt bedienen, Dann sie sendet heim, zu speisen!

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 25f.
  • Ge ju 葛屨: Der Spärliche (Anonymous (Shijing))
    Schuh' aus Leinwand werden zugeschnitten, In der heißen Zeit sie anzulegen; Doch in solchen Schuh'n kommt er geschritten Auch im Frost und auf bereiften Wegen. Mädchens kleine Hände, zarte Finger, Nähen, flicken, grobes dickes Kleid; Solch ein Putz doch dünkt ihm kein geringer, Und er trägt ihn als sein Festgeschmeid. Allbescheiden ist er, allverträglich, Gönnt den Vortritt gern und geht zur Linken; Seine Lebensweise zu alltäglich Macht ihn nur in unsrer Achtung sinken.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 121.
  • Ge lei 葛藟: Die Verwaiste (Anonymous (Shijing))
    Am Boden wächst die Pflanze Ko An Bächen und an Flüssen froh; Entfernt bin ich von meinen Theuern. Ein fremder Mann, mir unbekannt, Wird von mir Vater nun genannt; Mein Vater heißt er, aber wo Wird meiner Noth er steuern? Am Boden wächst die Pflanze Ko An Bächen und an Flüssen froh; Ich von den Meinen bin getrennet. Ein fremdes Weib, mir unverwandt, Ist mir als Mutter nun bekannt; Sie nennt sich meine Mutter, o, Die mich doch gar nicht kennet. Am Boden wächst die Pflanze Ko An Bächen und an Flüssen froh; Doch meine Freunde sind verborgen. Ein fremder Mann, mir zugesandt, Wird von mir Bruder zubenannt; Er ist es nicht, er nennt sich so, Will doch für mich nicht sorgen.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 85f.
  • Ge sheng 葛生: Die verlassene Braut (Anonymous (Shijing))
    Am Boden winden sich die Ranken, Weil auf kein Baum sie nahm; So winden sich mir die Gedanken Fern ist mein Bräutigam. Wer ist bei mir? ich bin allein; Wer sollte bei mir seyn? Ich bin allein mit meinem Gram. Um einen Grabstein weben Ranken Ein trauriges Geschmeid; Mir weben traurige Gedanken An einem Hochzeitskleid. Wer ist bei mir? ich bin allein, Allein mit meiner Pein, Mit meinem Kummer, meinem Leid. Von Seide sind gewebt die Decken, Die Kissen goldgestickt; Auf ihnen seh' ich nicht sich strecken Ihn, dem sie sind beschickt. Wer ist bei mir? ich bin allein, Ich und des Mondes Schein, Der traurig in die Kammer blickt. Nach Winternächten, Sommertagen, Nach manchem langen Jahr, Wird man zuletzt zusammen tragen Ins Grab uns als ein Paar. Wer ist bei mir? ich bin allein; Mit dir will ich zu zweyn Dort seyn auf lang, auf immerdar.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 133f.
    in: Wollheim da Fonseca, Anton Edmund. Die National-Literatur sämtlicher Völker des Orients. Eine prosaische und poetische Anthologie aus den besten Schriftstellern des gesamten Orients. Berlin: Verlag von Gustav Hempel, 1869. p. 830.
    in: Oehlke, Waldemar. Chinesische Lyrik und Sprichwörter. Bremen-Horn: Walter Dorn-Verlag, 1952. p. 27f.
  • Gong liu 公劉: Das Lied von Kong-Liu (Anonymous (Shijing))
    Leb', o Fürst, wie unser Kong-Liu lebte, Welcher Müh' und Arbeit nicht geschont; Nicht in Ruhe schwelgt' er, sondern strebte, Daß bebaut das Land sey und bewohnt. Mit dem Pfeil gerüstet und dem Bogen, Mit dem Speer gewaffnet und dem Schild, Ist er für des Landes Wohl gezogen, Zu beschauen jedes Wohngefild. Unser Kong-Liu sah die weiten Ebnen Mit Bewohnersaaten übersät, Die zufrieden ihrem Loos ergeben Lebten froh der Arbeit früh und spät. Auf die Berge stieg er, und es fehlte Ihrer Hochfläch' an Bebauern nicht; In die Thäler blickt' er, und wer zählte In den Thälern die Bevölk'rung dicht! Was trug an der Seit' er für Geschmeide? Ein Gehäng von Perl' und Edelstein, Dran ein Schwert in goldbeschlagner Scheide, Rings im Lande gab es hellen Schein. Kong-Liu kam zum Ort der hundert Bronnen, Wo ein Menschenstrom zusammen floß, An dem Glanz des Fürsten sich zu sonnen, Dessen Unterricht das Volk genoß. Häuser, Hütten, lehret' er sie bauen, Ställ' und Hürden für des Viehes Drang; Aus Getraide lehrt' er Tränke brauen, Opferspend', und Gästen zum Empfang. Alles Gute, Nützliche und Rechte Lernten Menschen, alle Sitt' und Pflicht; Und dem lehrbegierigen Geschlechte Gab sein Wort in allen Zweifeln Licht. Unser Kong-Liu saß auf hohem Hügel, Blickte froh in's friedenstille Land; Seine Heerschaar theilt' er in zwei Flügel, Ließ sie jagen, weil kein Krieg sich fand. Seine Hofleut' hatten wie die Fische Frohen Spielraum, ungetrübte Zeit. Sorgenfrey sich stemmend auf die Tische, Zechten sie in Lust und Herrlichkeit. Jäger lieferten das Wild aus Wäldern, Hirten zahmes Vieh zu seinem Schmaus, Und den Kürbis auch aus ihren Feldern, Den er hölt' und machte Flaschen draus. Als sich weiterhin ausgebreitet hatten Seine Fluren, wurden abgesteckt Ihre Grenzen, und am Sonnenschatten Wurden Himmelsgegenden entdeckt. Kong-Liu sah von seinem Hügel wonnig, Sah die Länderey'n, nicht alle gleich, Ein'ge schattiger, die andern sonnig, Ein'ge trockner, andre wasserreich. Das Gesetz gab er des Ackerbaues, Was ein jeder Boden tragen soll. Dann bestimmt' er vom Ertrag des Gaues Einen Theil dem öffentlichen Zoll. In neun Fluren war ein Gau zerschnitten, Deren jede hundert Morgen hielt; Von der einen in der neune Mitten Ward der öffentliche Zoll erzielt. Jeder führt in seine eigne Scheune Was der Theil trug, den er baut für sich; Aber an dem mittelsten der neune Müssen alle baun gemeinschaftlich. Also war verbunden und geschieden Eignes Gut und öffentlicher Schatz. Kong-Liu sah vom Hügel, wie in Frieden Fort der Anbau wuchs von Platz zu Platz. Ueber Ströme ließ er Brücken bauen, Und die Wege wurden breit gemacht; Aus dem Steinbruch ließ er Steine hauen, Eisen ließ er graben aus dem Schacht. Herrlich war Bevölkerung angeflogen An dem Bache Ko, am Bache Hoang; Und als wunderbar das Volk wuchs, zogen Auch Bewohner Jui, den Fluß, entlang.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 292-295.
  • Gu feng "Xi xi gu feng, wei feng ji yu" 谷風 "習習谷風,維風及雨": Windsveränderung (Anonymous (Shijing))
    Der Südwind weht so milde, Bringt Regen mit dem durstenden Gefilde. Als wir in Noth und Sorgen schwebten, O wie wir traut und einig lebten! Du wurdest groß und reich indessen, Und hast vergessen Die Bande die uns einst umwebten. Der Südwind, erst so milde, Schwillt an zum Sturm und tobt nun durch's Gefilde. Vordem in deinen engen Hallen War ich dein liebster Freund von allen; Nun brauchest du im Prunkpalaste Nicht mich zum Gaste, Und lässest in den Staub mich fallen. Der Südwind tobt, der wilde, Entwurzelt Baum und Pflanzen im Gefilde. Kein starker Fels, der nicht erzittert, Kein hoher Stamm, der nicht zersplittert, Verdienste, die ich mir erworben, Sind dir gestorben, Und nur die Mängel rügest du erbittert.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 226f.
  • Gu feng "Xi xi gu feng, yi yin yi yu" 谷風 "習習谷風,以陰以雨": Für den Winter Süßigkeiten (Anonymous (Shijing))
    in: Korth, Michael (ed.). Schöner Jüngling, mich lüstet Dein. Liebesgedichte von Frauen. Frankfurt a. M.: Eichborn Verlag, 1988. p. 164.
    Translation based on an excerpt of the final stanza of the original poem.
  • Gu feng "Xi xi gu feng, yi yin yi yu" 谷風 "習習谷風,以陰以雨": Pflanzentreue (Anonymous (Shijing))
    Man bricht die Pflanze Fong und läßt Die Wurzel in der Erden; Und wie sie Thau und Regen näßt, Wird neu die Pflanze werden. Ein treues Weib, wie Kummer auch das Herz ihr preßt, Doch ihren Gatten nie verläßt, In Sorgen und Beschwerden Ist sie bemüht sich freundlich zu geberden.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 49.
    in: Schmidt, Ferdinand (ed.). Frühling und Liebe. Eine Auslese von Gedichten aller Zeiten und Völker. Berlin: 1851.
    in: Oehlke, Waldemar. Chinesische Lyrik und Sprichwörter. Bremen-Horn: Walter Dorn-Verlag, 1952. p. 24.
    in: Fetzer, Dorothee. Weisheiten des fernen Ostens. Bindlach: Gondrom Verlag, 1997. p. 79.
    Translation based on the first two stanzas of the original poem.
  • Gu feng "Xi xi gu feng, yi yin yi yu" 谷風 "習習谷風,以陰以雨": Die Verstoßene (Anonymous (Shijing))
    Langsam geh' ich, und die Seele weigert sich Mitzugehn, wohin die Füße schreiten. Bis zur Pfort' am Haus hat er begleitet mich, Weitern Wegs mocht' er mich nicht begleiten. Warum sagst du, bitter sei die Pflanze Tu, Weil die Pflanze Tsi dir süßer scheint? Eine andre nun statt meiner freiest du; Also lachet heut, die morgen weinet. Wo sich Kiang der Fluß vermählt dem Flusse Wei, Werden ihre beider Wasser trübe; Aber eure EinTracht ungetrübet sei, Ob mein Jammer auch das Grab mir grübe. Die du jetzo, wie du einst mich liebtest, liebst, Mögest du nicht einst wie mich sie hassen! Und um deretwillen du mich von dir triebst, Müsse sie nicht auch dich so verlassen! Siehe, nun geworden bin ich dir zu Gift, Da ich einst gewesen deine Labe. Da du mich geweidet einst auf deiner Trift, Treibest du mich weg jetzt mit dem Stabe. Dürfte meine Liebe feil sich bieten da, Wo für sie zu Haus ist kein Abnehmer? Da ihr Bestes sie von dir verschmähet sah, Zog sie ab wie ein verlegner Krämer. Manchem Armen half ich, wie zu helfen war, Und nun bin ich ärmer als alle. Müßig mehrt' ich niemals die vergnügte Schar, Ferne blieb ich keinem Trauerfalle. Über breite Wasser fuhr ich mit dem Kahn, Über schmale schritt ich mit dem Fuße. Konnt' ich oder nicht, die Kräfte setzt' ich dran, Half, doch wenigstens mit Trost und Gruße. Wohl vermissen wird mich deine Nachbarschaft, Wenn du auch nicht missest mich im Hause. Und ich fehle dir vielleicht in Not und Haft, Wenn ich dir nicht fehle bei dem Schmause.

    in: Jolowicz, Heinrich (ed.). Der poetische Orient. Leipzig: Verlag von Otto Wigand, 1853. p. 15.
    in: Jolowicz, Heinrich. Blüthenkranz morgenländischer Dichtung. Breislau: Verlag von Eduard Trewendt, 1860.
    in: Oehlke, Waldemar. Chinesische Lyrik und Sprichwörter. Bremen-Horn: Walter Dorn-Verlag, 1952. p. 20f.
    Translation based on the second to sixth stanza of the original poem.
  • Gu zhong 鼓鍾: Die Ausartung am Königshof (Anonymous (Shijing))
    Glockenspiele sind im Gang, Hoai der Fluß ergießt die Wellen. In der Festluft Ueberschwang Muß mein Herz ein Kummer schwellen; Weiser Alten muß ich denken, Daß sie starben, muß mich kränken. Glockenspiele sind im Zug, Hoai der Fluß geht hoch in Wogen. Eure Luft ist laut genug, Doch mein Sinn ist hingezogen Zum Gedächtnis alter Sitten, Die nur Würd' und Anstand litten. Glockenspiele sind im Schwang, Und die Pauke wird geschlagen; Hoai der Fluß ist rasch im Gang, Ich bin hin vom Leid getragen, Daß die Weisen hingeschwunden, Und Nachahmer nicht gefunden. Munter geht das Glockenspiel, Rüstig schlingen sich die Tänze. Hoai der Fluß ist ohne Ziel, Und sein Lauf ist ohne Gränze; Immer geht er immer nieder, Nie zurück zur Quelle wieder. Munter tönt das Glockenspiel, Und in seinem Klang sich mischen Neuer Instrumente viel, Neue Sinne zu erfrischen; Aber alte Königslieder Tönen mir im Herzen wieder.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 234f.
  • Gu zhong 鼓鍾: Der ausgeartete Königshof (Anonymous (Shijing))
    Glockenspiele sind im Gang, Hoai, der Fluss, ergiesst die Wellen. In der Festlust Ueberschwang Muss mein Herz ein Kummer schwellen; Weiser Alten muss ich denken, Dass sie starben, muss mich kränken. Glockenspiele sind im Zug, Hoai, der Fluss, geht hoch in Wogen. Eure Lust ist laut genug, Doch mein Sinn ist hingezogen Zum Gedächtnis alter Sitten, Die nur Würd' und Anstand litten. Glockenspiele sind im Schwang, Und die Pauke wird geschlagen; Hoai, der Fluss, ist rasch im Gang, Ich bin hin vom Leid getragen, Dass die Weisen hingeschwunden, Und Nachahmer nicht gefunden. Munter geht das Glockenspiel, Rüstig schlingen sich die Tänze. Hoai, der Fluss, ist ohne Ziel, Und sein Lauf ist ohne Gränze; Immer geht er, immer nieder, Nie zurück zur Quelle wieder. Munter tönt das Glockenspiel, Und in seinem Klang sich mischen Neuer Instrumente viel, Neue Sinne zu erfrischen; Aber alte Königslieder Tönen mir im Herzen wieder.

    in: Jolowicz, Heinrich (ed.). Der poetische Orient. Leipzig: Verlag von Otto Wigand, 1853. p. 21.
    in: Jolowicz, Heinrich. Blüthenkranz morgenländischer Dichtung. Breislau: Verlag von Eduard Trewendt, 1860.
  • Guan ju 關雎: Hochzeitlieder, 1. "Zwei, die nur vom Tod Getrennten" (Anonymous (Shijing))
    Zwei, die nur vom Tod Getrennten, Die auf stiller Flut entlang, Mann und Weib, zwei Spiegelenten, Schweben unter Wechselsang! Die Gefährtin reich an Tugend, Reich an Anmuth, Sitte, Zucht, Die von Schönheit strahlt und Tugend, Hat ein Kluger ausgesucht. Viele Schilfe, kurz' und lange, Schwanken hin und her im Wind, Neigen sich des Wassers Drange, Wo sie aufgewachsen sind. Unsre Jungfrau zu gewinnen Wünscht im Wachen und im Traum Mancher, sich mit eitlem Sinnen Wälzend auf des Lagers Raum. Viele sie begehret hatten, Einer brach die Blum' am Stiel. Wie gefällig sie sich gatten! Wie mit Trommel Glockenspiel.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 7f.
    in: Scherr, Johannes (ed.). Bildersaal der Weltliteratur. Aus dem Literaturschatz der Morgenländer (Inder, Chinesen, Hebräer, Araber, Perser, Türken), - der Alten (Hellen und Römer), - der Romanen (Provençalen, Italiener, Spanier, Portugiesen, Franzosen), - der Germanen (Engländer, Deutschen, Niederländer, Isländer, Schweden, Dänen), - der Slaven (Böhmen, Serben, Polen, Russen), - der Magyaren (Ungarn) und der Neugriechen. Stuttgart: Ad. Becker's Verlag, 1848. p. 38.
    in: Jolowicz, Heinrich (ed.). Der poetische Orient. Leipzig: Verlag von Otto Wigand, 1853. p. 5.
    in: Jolowicz, Heinrich. Blüthenkranz morgenländischer Dichtung. Breislau: Verlag von Eduard Trewendt, 1860.
    in: Scherr, Johannes (ed.). Bildersaal der Weltliteratur. Stuttgart: A. Kröner, 1869. p. 16.
    in: Scherr, Johannes (ed.). Bildersaal der Weltliteratur, Band 1. Stuttgart: Gebrüder Kröner, 1885. p. 16.
    Note that in Scherr's Bildersaal der Weltliteratur (1885) the translation is found under the title "Hochzeitlich zur Vermählung des Königs Wen".
  • Han guang 漢廣: Die unzugänglichen Schönheiten (Anonymous (Shijing))
    Im Süderland auf einer Flur Stehn Bäume schön von Zweigen; Sie haben Zweig' am Gipfel nur, Man kann hinan nicht steigen. Am Ufer, das der Han bespült, Luftwandeln schöne Frauen; Es darf, wer Lust nach ihnen fühlt, Sich nicht an sie getrauen. Des Flusses Flut ist tief und breit, Man kann hindurch nicht waten; Ein Ufer ist vom andern weit, Die Fahrt ist nicht zu rathen.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 13.
    in: Mehlig, Johannes (ed.). Stimmen des Orients: Arabische, persische, indische und chinesische Dichtungen. Leipzig: Insel-Verlag, 1965. p. 240.
    Translation is based on the first stanza of the original poem.
  • Han lu 旱麓: Die fürstlichen Frauen mit ihren Gatten und Söhnen, 2. "Im hellen Schliff des Bergkristalles" (Anonymous (Shijing))
    Im hellen Schliff des Bergkristalles Wie lieblich blinkt der goldne Wein! In unserm Fürsten siehst du alles Was schön und gut ist im Verein. Der Adler sich zum Himmel schwinget, Der Walfisch durch des Meeres Flut; Zum Höchsten und zum Tiefsten dringet Sein tiefer Sinn und hoher Muth.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 277.
    Translation is based on the second and third stanza of the original poem.
  • Han yi 韓奕: Das eßbare Bambusrohr (Anonymous (Shijing))
    Wie herrlich aus dem hohen Thore Des Schlosses tretend er erscheint, Der Mann, der gleich dem Bambusrohre Verschiedne Kraft in sich vereint. Kein Frevler, ohne daß er bebe, Erblickt das Rohr, alsob sich's hebe Nur zu des Frevels strenger Zucht; Doch seiner Spitzen zartes Markgewebe Ist Armen eine süße Nahrungsfrucht.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 320.
    Translation is based on the first stanza of the original poem.
  • Han yi 韓奕: Die Hof- und Brautfahrt des Fürsten von Han (Anonymous (Shijing))
    Auf dem Wagen, dessen Reife Tönen, dessen Glocken klingeln, Mit den Rossen, deren Schweife Ragen, deren Mähnen ringeln, Kommt der Fürst von Han gefahren, Von des Kaisers Hofe kehrend; Ihn geleiten Fürstenschaaren, Den vom Hof geehrten ehrend. "Seht des Kaisers Gnadenzeichen Um ihn auf dem Wagen prangen, Diese Fahnen ohne gleichen Flatternd auf den goldnen Stangen. "Seht, der Rosse Hals und Rücken, Bug und Schultern schwimmen ganz In Brokat- und Purpurstücken Perlen- und Juwelenglanz. "Und der Fächer ohne Ruhe, Dessen Regung Lüft' erquicket, Und die rothen Fürstenschuhe Mit des Drachen Bild gesticket! Also lenkt der Fürst von Han Seine Fahrt zum Lande Fen, Wo er soll die Braut empfahn, Ihm vom Kaiser ausersehn. Und der Fürst von Fen, ein Sproß Kaiserlichen Stammes, schreitet Ihm entgegen; o wie groß Ist der Glanz, der sich verbreitet! Gleich der Wolke vom Geflister Sommerlicher Luft gewieget, Ist ein Chor der Spielgeschwister Um die schöne Braut geschmieget. Und sie zieht mit ihrem Trosse, Wie der Lenz im Blumenflore; Und zu Han am Fürstenschlosse Werden eng die weiten Thore. Seht, der Fürst von Fen, wol mocht' er Nicht in andern Eidams Hand, Möchte geben seine Tochter In kein andres Fürstenland. Wol im ganzen Reiche mocht' er Kennen jedes Fürstenthum; Denn einmal in jedem focht er Für des Reiches Glanz und Ruhm. Und vor allen wohlgefallen Hat ihm nur das Land von Han; Denn das Land von Han hat allen Es an Lust zuvor gethan. Land von Han mit deinen vielen Seen und Flüssen klar und frisch, Wo man sieht im Wasser spielen Jeden Königstafelfisch. Land von Han mit deinen Forsten, Wo von Hirschen flieht ein Heer, Und der Eber seine Birsten Sträubet vor des Jägers Speer. Und die Bären, Pardel, Tieger, Uebung kriegrischem Gesellen, Die erliegend ihren Sieger Schmücken mit den bunten Fellen. Diese wird der Fürst verwenden Für dein Brautbett, junges Blut, Und die andern wird er senden Seinem Kaiser zum Tribut.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 321-323.
    Note that the translation is titled "Hof- und Brautfahrt" in the book's table of contents. Translation is based on the second to sixth stanza of the original poem.
  • He bi nong yi 何彼襛矣: Das hohe Paar (Anonymous (Shijing))
    Lieblich wie die Blüt am Blütenbaume, Windgeschaukelt, glanzbetaut, Schwankt der Wagen, der im goldnen Raume Trägt die junge Fürstenbraut. Pfirsichblüt und Aprikosenblüte, Wie sie rot und weiß beisammenstehn, Also ist die Schönheit und die Güte Des vermählten Paars zu sehn. Wie die Schnur, womit der Kaiser angelt, Bunt aus Grün und Gold gedreht; Keiner Huld die hohe Braut ermangelt, Und der Bräutigam keiner Majestät.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 30f.
    in: Goldscheider, Ludwig (ed.). Die schönsten Gedichte der Weltliteratur. Ein Hausbuch der Weltlyrik von den Anfängen bis heute. Wien, Leipzig: Phaidon-Verlag, 1933. p. 51.
    in: Sieper, Bernhard (ed.). Eine kleine Blütenlese der Weltlyrik, p. 64. Wuppertal-Elberfeld: Hans Putty Verlag, 1946. p. 14f.
  • He cao bu huang 何草不黃: Kriegsbeschwer (Anonymous (Shijing))
    Wo ist die Pflanze, die nicht schon verdorrte? Wo ist ein Tag, da man uns Ruhe gibt? Uns treibt ein schwer Gebot von Ort zu Orte, Wo eine Not sich auf die andre schiebt. Wo ist ein Kraut nicht von der Glut geschlagen? Wo ist ein Mann hier, dem sein Weib nicht fehlt? O weh uns, die wir müssen Waffen tragen! Zu Menschen gleichsam sind wir nicht gezählt. Wir sind nicht Tiger noch Rhinozerosse; Was gehn wir denn durch Wüsten immerzu? O weh, man gibt uns armem Kriegertrosse Vom Morgen bis zum Abend keine Ruh. Es zieht der Fuchs den langen Schweif Durchs dichte Waldgehege; So zieht der Kriegswagen langer Streif Sich hin die öden Wege.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 264.
    in: Mehlig, Johannes (ed.). Stimmen des Orients: Arabische, persische, indische und chinesische Dichtungen. Leipzig: Insel-Verlag, 1965. p. 257f.
  • He guang 河廣: Lied einer verbannten Königin (Anonymous (Shijing))
    Wer sagt, der Fluß vor mir sey breit? Ein Binsenschiff kann drüber gehen. Wer sagt, zum Lande Song sey's weit? Ich kann es dort mit Augen sehen, Wenn ich empor mich richt' auf meinen Zehen. Wer sagt, breit sey, zu breit der Fluß? Ein Schmetterling kann drüber schweben. Das Reich von Song zu fern dem Gruß? Ein Morgenausflug wär' es eben, Wenn ich nur wollte meinen Fuß erheben.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 76.
  • Huan 還: Der freie Jäger (Anonymous (Shijing))
    Ich bin dem gewaltigen Jäger begegnet Am Berge von Nio; Wir jagten zusammen, und waren gesegnet Vom Glücke, jo jo! Wir haben zusammen zwei Hirsche geschossen, Er nannte mich einen behenden Genossen. Nie freute ein Titel mich so! Ich habe den mächtigen Weidmann gefunden Im Berge von Nio; Wir zogen zusammen, wir jagten verbunden Und nichts uns entfloh; Es glückt' uns zusammen, zwei Eber zu stellen, Er nannte mich einen beherzten Gesellen; Wie freute der Name mich, ho! Ich habe den muthigen Schützen getroffen Am Berge von Nio; Und was wir da wünschten und mochten hoffen, Erreichten wir froh; Wir haben zusammen bestanden zwei Tiger, Er nannte mich einen verwegenen Krieger; Wie freute der Lobspruch mich, o!

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 108f.
    in: Jolowicz, Heinrich (ed.). Der poetische Orient. Leipzig: Verlag von Otto Wigand, 1853. p. 30.
    in: Scherr, Johannes (ed.). Bildersaal der Weltliteratur. Stuttgart: A. Kröner, 1869. p. 14.
  • Huang huang zhe hua 皇皇者華: Was vorwärts treibt, 2. Ein anderes (Anonymous (Shijing))
    Wie glänzen blühende Gehege Um Berg und Thal! Heerboten ziehn die langen Wege In großer Zahl. Sie können nicht das Blühn betrachten, Sie haben Eins nur zu beachten, Zu ehren ihres Herren Wahl, Und ihrer Müh Belobung zu ertrachten. Vier Rosse sind vor meinem Wagen Zugleich gespannt, Die wie mit Eines Huftritts Schlagen Sind angerannt. Sechs Zügel, die mir nie entwichen, Sie glänzen wie mit Jel bestrichen; Es ist, wohin ich sie gewandt, Mir keine Spur und keine Kund' entwichen. Die Rosse wie aus einem Gusse, Weiß sonnenklar, Darein gemischt von Kopf zu Fuße Kein falsches Haar. Die Rosse sind von gleichen Gängen, Die Zügel sind von gleichen Längen; Und wie ich bin, ist eine Schaar. Wie strahlt ein Fürst in seiner Diener Mengen!

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 167f.
  • Huang niao "Jiao jiao huang niao" 黃鳥 "交交黃鳥": Todtenlied (Anonymous (Shijing))
    Der gelbe Vogel flieget auf und ab, Und singet eine traur'ge Melodie. Wer folgt dem Fürsten Mu-Kong nach ins Grab? Ach, unser tapferer Tsee-Tsche Yen-Si; Er, der an Muth und Kraft ward übertroffen nie: Wir nahen seinem Grab mit Trauer, Und uns ergreift ein tiefer Schauer. O blauer Himmel, wie Hast du vermocht den Edlen hinzugeben, Den, könnten wir sein Haupt vom Staub erheben, Wir kauften freudig los um unser aller Leben! Der gelbe Vogel wiegt sich in der Luft, Und setzt sich auf dem Baum mit Klaggesang. Wer folgt dem Fürsten Mu-Kong in die Gruft? Ach, unser tapferer Tsee-tsche Tschong-Hang; Er, dessen Löwenmuth mit hundert Männern rang: Wir nahen seiner Gruft mit Trauer, Und uns erfüllt ein tiefer Schauer. O blauer Himmel! bang Ist unser Herz; wie ward dahin gegeben Er, welchen wir um unser aller Leben Loskauften, könnten wir sein Haupt vom Staub erheben! Der gelbe Vogel schwebt im Morgenroth, Auf Dornen setzt er sich und singt dazu: Wer folgt dem Fürsten Mu-Kong in den Tod? Ach unser tapferster Tsee-Tsche Kien-Hu; Er, der zu Boden warf ein Heer in jedem Nu: Zu seiner Gruft wir nahn mit Trauer, Uns übermannt ein dunkler Schauer; O blauber Himmel du! Wie gabest du dahin des Edlen Leben, Den wenn wir könnten aus dem Staub erheben, Wir würden freudig hin all unsre Häupter geben.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 141f.
    Rückert introduced the poem with the following phrase (p. 141): "auf drei edle und tapfere Brüder, die unter den 177 waren, welche im Jahr 621 vor Chr. mit Mu-Kong, dem Unterkönig im Reiche Tsin, nach tatarischer, von den Chinesen als barbarisch verabscheuter Sitte, lebendig begraben wurden."
  • Huang yi 皇矣: Leitung von Stufe zu Stufe (Anonymous (Shijing))
    Herrlich thront des Himmels Fürst, erhaben, Rings zugegen ist er auf der Erde, Um zu sehn, wo Völker Ruhe haben, Und die Hirten weiden gut die Herde. Da er sah des Hauses Schang Verderben, Blickt' er um in alle Landestheile, Wen er fände tauglich, daß die herben Uebel er des kranken Reiches heile. Und sein Blick auf Tan-Fu gefallen, Den er wachsen ließ an Macht und Ehren; In ein neues Land hieß er ihn wallen, Sein Geschlecht zu gründen und zu mehren. Wie er kam in's Land von vielen Bäumen, That er so wie ihm war aufgetragen; Aus dem Wege ließ er fleißig räumen Stämme, die verdorrt im Wege lagen. Die im Boden abgestorben standen, Hieb er aus, daß junge könnten sprießen; Die zu eng sich im Gedränge fanden, Lichtet' er und ließ sie Luft genießen. Also hat er wohl den Raum benutzet, Und gethan was Zeit und Umstand litten. Kiü und Yü die Bäum' hat er gestutzet, Yen und Tsche die Bäum' hat er schnitten. So im Land, das seine Hände schufen, Lebt' er seiner Gattin treu verbündet; Und als er zum Himmel ward gerufen, War sein Reich und sein Geschlecht gegründet. Doch der höchste Herr der Welten schaute Nach den Bergen, nach der Wälder Dichten; Wege sah er, Felder wohlgebaute, Schön gelichtet Föhren, Tannen, Fichten. Da beschloß der höchste Herr der Welten, Daß daselbst das Reich gedeihen sollte. Seinem Blick sich dar zwei Brüder stellten, Wen er unter beiden wählen wollte: Tai-Pe und Wang-Ki, des Tan-Fu Söhne; Wang-Ki trachtet mit bescheidnen Sitten, Wie er treu dem ältern Bruder fröhne; Darum war er wohl vom Herrn gelitten. Seine Gnad' hat er auf ihn gehäufet, Seiner Herrschaft Grenzen weit gerücket. Weil auf ihm des Himmels Segen träufet, Dienen Nah und Fern ihm hochbeglücket. Das ist Wang-Ki, der, das Recht zu sprechen, Weisen Sinn vom höchsten Herrn empfangen, Rechte Kraft ohn' Uebermuth und Schwächen, Würdig auf dem höchsten Thron zu prangen. Wenn er auf den Thron des Reiches stiege, Er der alles weiß nach Werth zu richten, Würd' er mächtig führen äußre Kriege, Und gelind die innre Zwietracht schlichten. Doch noch war zur obersten der Stufen Nicht der Strom geschwellt, noch stieg die Welle; Wang-Ki ward zum Himmel abgerufen, Und sein Sohn Wen-Wang trat an die Stelle. Also sprach der Herr der Welt zum Fürsten: Jedes mein Gebot sollst du vollbringen; Nicht nach Gut und Habe sollst du dürsten, Nach der Tugend Gipfel sollst du dringen. Trotzig sind vom Lande Mi die Leute, Weil im Reich kein Arm ist sie zu strafen, In's Land Yuen sie brachen ein nach Beute, Wie die Wölf' in einen Stall von Schafen." Zornig schwoll des Königs Muth; gerüstet Zog er für des Kaiserreiches Ehren, Schlug zurück den Feind der sich gebrüstet, Hieß die friedlichen Bewohner kehren. "Unsre Berge hatten sie bestiegen, Wollten sich in unsre Thäler senken. Nicht an unsern Bergen sollt ihr liegen, Nicht die Ross' an unsern Brunnen tränken! Unser sind die Quellen, sind die Bronnen, Unsrer Väter, unserer Geschlechter; Und nun sind sie wieder uns gewonnen Durch Wen-Wang, den Kaiserreichsverfechter." So der Herr der Welt zum Reichsbefrieder: Deine Tugend steht mir klar vor Augen. Scheingepräng verschmähst du schlicht und bieder, Hoher Worte Schwall will dir nicht taugen. Wie ein unerfahren unverständ'ger So gebarst du ohne Stolz, bescheiden. Wann ich dich gebraucht als Feindebänd'ger, Will ich brauchen dich mein Volk zu weiden. Denke deines Feinds in seinen Landen, Zieh mit deinen Brüdern, deinen Streitern, Mach den Stolz im Lande Tsong zu Schanden, Geh, besteig die Stadt im Sturm und Leitern! Züchtige die Feind' und schon' im Grimme, Festige das Reich an seinen Gränzen, Und erwarte, wo ich dir bestimme Daß hinfort durch mich dein Licht soll glänzen.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 277-281.
  • Ji gu 擊鼓: Der Heerflüchtige (Anonymous (Shijing))
    Die Trommel ward gerührt tang tang, Und jeder der sie hörte, sprang Empor und schwang die Waffen. Wie sie sich schwenken, wie sich drehn, Als sollt' es auf die Feinde gehn! Kein Feind ist mehr, doch hat das Heer zu schaffen. Die Trommel ward gerührt tang tang, Und jeder der sie hörte, sprang Und stand auf seinem Posten. Die einen schütten einen Wall, Die andern kütten Mauern all; Die neue Grenzstadt baut das Heer im Osten. Die Trommel ward gerührt tang tang. Dem Feldherrn Sun-Tsu-Tschong gelang Ruh her im Land zu stellen. Doch soll ich nicht der Müh entfliehn, Doch darf ich nicht nach Hause ziehn, Und mag nicht ziehn mit diesen Werkgesellen. Ich ruht' am Stamm der Buchen, Da gieng mir durch mein Roß; Und als ich's gieng zu suchen, Verlor ich mich vom Troß; In diesem Walde groß Verlor ich Steg und Bahn, dem Untern muß ich fluchen. Dir hab' ich einst geschworen, Dich fassend bei der Hand: Ich habe dich erkohren, Nichts trennt unser Band. Und nun im wilden Land Bin ich von dir getrennt, du hast mich doch verloren. Dir schwor ich bis zum Alter, Und trank darauf den Wein, Ein Schirmer und ein Walter, Ein treuer Freund zu senn. Und nun bist du allein, Und klagest wol mich an, des Wortes schlechte Halter.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 37f.
  • Ji ming 雞鳴: Die Königin weckt den König (Anonymous (Shijing))
    Auf! gesungen hat der Hahn, Und es regt sich im Palast. Leg', entrafft der Liebesrast, Nun das Kleid des Königs an. – Nein! mich täuscht der Nachtluft Klang, Es war nicht der Hahn der sang. Auf! der Morgen geht hervor, Und die Straßen werden laut; Harrend steht das Volk, und schaut Auf's erschlossne Königsthor. – Nein! mich trog des Mondes Licht, Es ist noch der Morgen nicht. Auf! die Morgenfliege summt, Deinen Schlaf verweis't sie mir, Gerne ruht' ich noch bei dir, Aber mein Gefühl verstummt. Geh! es ruft die Königspflicht, Höre nun die Liebe nicht!

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 106f.
  • Ji ri 吉日: Anderes Jagdlied "An einem Glückstag beten wir zum guten Geist" (Anonymous (Shijing))
    An einem Glückstag beten wir zum guten Geist; Die Wagen sind geschmückt, worauf der Kaiser reist, Die Rosse dran sind wohl gepflegt, Der Hügel dort ist eingehegt, Den wir besteigen, um das Wild zu hetzen. Der Tag Keng-U ist als ein guter Tag gezählt, Und alle Waffen sind zur Jagd mit Fleiß gewählt. Die Rehe drängen rudelweis Sich in den abgesteckten Kreis, Am Fluß Tsi-Tsu, zu unsers Kaisers Netzen. Vom steilen Hügel schaun wir über's wald'ge Land; Wir laufen, rennen, halten, nehmen unsern Stand. Die Thiere kommen zwei und zwei, Und drei und drei; Gesellen, bei! Helft schießend mir des Kaisers Sinn ergetzen. Ich spanne meinen Bogen und der Pfeil entfliegt; Ein kleiner Eber und ein großer Waldstier liegt. Der Kaiser nimmt es nicht für sich, Was ich geschossen bleibt für mich, Um einem Gast beim Wein es vorzusetzen.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 193.
  • Ji zui 旣醉: Festdank, 2. "Reichlich ist der Wein geflossen" (Anonymous (Shijing))
    Reichlich ist der Wein geflossen, Und wir müssen's preisen, Alle haben wir genossen Satt von deinen Speisen. Von dem Glanz in deinem Hause, Von der Luft bei deinem Schmause, Strahlet aus dein Ruhm in weiten Kreisen. Der Gehorsam deiner Söhne Werde dir, und ohne Flecken deiner Töchter Schöne Werde dir zum Lohne, Und die Treue deines Weibes, Die Gesundheit deines Leibes, Und der frische Glanz an deiner Krone. Festlich danket dir der Knabe Schi, der Ahnenbote, Welcher trank von deiner Labe, Aß von deinem Brote: Mögest du nach einem langen Gang zum schönen Ziel gelangen, Wie die Sonne stirbt im Abendrothe.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 288f.
  • Jian jia 蒹葭: Die Suchende (Anonymous (Shijing))
    Noch immer immer grünt die Au, Doch hat sie fahle Streife; Noch immer immer fällt der Thau, Doch wird er schom zum Reife. Er weilt, nach dem ich suchend schweife, An diesem Fluß, ich weiß genau; Doch wo er weilt, ist was ich nicht begreife. Am Flusse geh' ich auf und nieder; Geh' ich hinauf, so ruft von unten er. Und wenn ich nieder gehe wieder, So ruft er mir von oben her. Noch immer immer fällt der Thau, Doch wird er schon zum Reife; Noch immer immer grünt die Au, Doch hat sie fahle Streife. Er weilt, nach dem ich suchend streife, An diesem Fluß, ich weiß, ich schau Ihn allerwerts, den ich doch nie ergreife. Wo ich den Fluß hinauf will streben, So halten mich Gebüsch und Klippen au Und lass' ich mich hinunter schweben, So trägt von dir mich weg der Lauf.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 134f.
  • Jian jian zhi shi 漸漸之石: Weiter Kriegszug (Anonymous (Shijing))
    Wie ist der Berg so hoch, Wie ist das Thal so breit! Und immer immer noch Zieh' ich so weit, so weit, Zieh' ich hinaus in Kampf und Streit, Und säße lieber in der Heimat doch. Wie ist der Berg so steil, Wie ist so eng das Thal. Und immer geht's in Eil Auf Stegen breit und schmal. O ständ' ich nur vor'm Feind einmal, Daß still zu stehn mir würd' einmal zu Theil! Die Flocken stieben kraus, Der Regen stürzt im Guß. Wohl dem, der nicht hinaus In Wind und Wetter muß. Ihr Feinde machet mir Verdruß, Nun sagt mir endlich, wo ihr seid zu Haus?

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 263f.
  • Jian xi 簡兮: Der Hoftanz (Anonymous (Shijing))
    Lasset nun die Freude walten, Und die Tänze sich entfalten! Tanzt am Sommernachmittage, Daß der Anblick uns behage. Seht, ein schlanker, hochgewachsen, Der sonst fährt mit raschen Achsen, Lenkt, wie sonst der Rosse Tritte, Nun im Tanze seine Schritte. Er der starke Löwenkräftig, Regt sich rasch, doch nicht zu heftig; Bald voran, bald in der Mitte, Tanzet er mit feiner Sitte. Eine Flöt' in seiner Linken, Die er hebt und lässet sinken, In der Rechten eine Feder; Herrlich schwankt er gleich der Zeder. Jetzo in die Flöte haucht er, Jetzt die Pfauenfeder braucht er; Sein Gesicht, das trieft und glühet, Ist zu kühlen er bemühet. Doch in hellerm Brand zu stehen Scheint es durch der Feder Wehen; Und auf einen Wink des Fürsten Stillt ein Becher Wein sein Dürsten.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 52.
  • Jiang han 江漢: Die Einsetzung des Statthalters (Anonymous (Shijing))
    Die beiden Flüsse Kiang und Han Erheben ihre Wogen. Zwei Heere kriegerisch angethan Sind aus zum Kampf gezogen. Auf die Barbaren Y Ziehn wir im Lande Huei; Wir suchen suchen sie; Herbei, ihr Feind', herbei! Die Wagen rollen, Fahnen wogen, Die Ordnung steht, die Schlacht hebt an. Die beiden Flüsse Kiang und Han Sind drohend von Geflute. Die beiden Heere, Roß und Mann, Sind ungestüm von Muthe. Die Fehden enden wir, Die Feinde schlagen wir, Siegsboten senden wir, Siegszeichen tragen wir. Der Friede ward erkauft mit Blute, Des Kaisers Wille ward gethan. Zu beiden Flüssen Kiang und Han, Nachem der Krieg geendet, Wird nun Schau-Hu, der Friedensmann, Vom Kaiser hingesendet: Vom ein – zum andern Strande Stell Brücken und Verkehr, Im unterwordnen Lande Stell Ruh und Ordnung her; Und jedes Glück sei zugewendet Den Völkern, die mir zugethan. So zu Schao-Hu der Kaiser spricht: Einst walteten im Reiche Wen-Wang und U-Wang, die ich nicht An Herrlichkeit erreiche. Ihr Reicheshelfer war Schao-Kong, dein edler Ahn; Sieh seine Tugend klar, Nicht meine Mängel an! Geh, an Gerechtigkeit ihm gleiche, Und mache lieb dem Volk die Pflicht! So zu Schao-Hu sein Kaiser spricht: Mit Opferstab und Schaale Begab' ich dich, und weigre nicht Dir Korn und Wein zum Mahle. Im Lande, wo dein Ahn Gewaltet, walte frei; Richt' es, daß unterthan Dir hoch und niedrig sei. Dein Reich geht über Berg' und Thal, Bis wo des Südmeers Flut sich bricht. Schao-Hu zu seinem Kaiser spricht: Leb tausend Jahre in Wonnen! – Drauf seines Amtes treue und schlicht Zu walten er begonnen. Er baut dem hohen Ahn Die Todtenhalle neu, Und schreibet obendran: Ich bin dem Kaiser treu. Es leuchten ewig seine Sonnen, Nie untergeh' des Reiches Licht!

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 324-326.
  • Jiang you si 江有汜: Die verabschiedete Dienerschaft (Anonymous (Shijing))
    Kiang der Fluß hat seinen Strom getheilet In zwei Arme, bis er schwach geworden, Er besinnt sich, sammelt unverweilet Wieder sich in seinen alten Borden. Unsere Gebieterinn Hat getheilet ihren Sinn, Will sich unsrer treuen Dienste nicht mehr freuen; Immerhin! Immerhin! Einst wird sie's gereuen. Kiang der Fluß getheilt hat seine Wogen, Eine Insel in den Arm genommen; Wenn er um die Insel hergezogen, Ist er wieder zu sich selbst gekommen. Unsre edle Jungfrau hat Angelegt den Hochzeitstaat, Und dabei indessen Ihr Gesind vergessen; Ach zu spat, Ach zu spat Wird sie's recht ermessen. Kiang der Fluß getheilt hat sein Gewässer. Leicht von Sinn ist sie und jung von Jahren. Neue Dienerschaft gefällt ihr besser, Uns nicht ladet sie mit ihr zu fahren. Wie sie fährt im Sonnenstral Fröhlich über Berg und Thal, Singt in hellen Tönen, Kann sich leicht entwöhnen! Doch einmal, Doch einmal Wird sie auch wol stöhnen.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 31f.
  • Jiang zhong zi 將仲子: Empfehlung der Behutsamkeit (Anonymous (Shijing))
    Tschong-Tse, was ich dich bitte: Geh nicht so frey durch unsres Dorfes Mitte, Den Zaun von Weiden nicht zerbrich! Wie dürfte dich Denn lieben ich? Die Eltern muß ich scheuen; Tschong-Tse, bedenke das in Treuen! Der Eltern Worte schrecken mich. Tschong-Tse, was ich dich bitte: Steig' auf die Mauer nicht mit kühnem Schritte, Die Maulbeerzweige nicht zerbrich! Wie dürfte, sprich, Dich lieben ich? Die Brüder muß ich scheuen; Tschong-Tse, bedenke das in Treuen! Der Brüder Drohung schrecket mich. Tschong-Tse, was ich dich bitte: Den Garten laß, verletze nicht die Sitte, Die zarten Ranken nicht zerbrich! Wie dürft' ich dich Wol lieben, sprich? Den Leumund muß ich scheuen; Tschong-Tse, bedenke das in Treuen! Der Leute Reden schrecken mich.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 88f.
  • Jiang zhong zi 將仲子: Die Folgsame (Anonymous (Shijing))
    Tschong-Tse, was ich dich bitte: Geh nicht so frei durch unsres Dorfes Mitte, Den Zaun von Weiden nicht zerbrich! Wie dürfte dich denn lieben ich? Die Eltern muß ich scheuen; Tschong-Tse, bedenke das in Treuen! Der Eltern Worte schrecken mich. Tschong-Tse, was ich dich bitte: Steig auf die Mauer nicht mit kühnem Tritte, Die Maulbeerzweige nicht zerbrich! Wie dürfte, sprich, dich lieben ich? Die Brüder muß ich scheuen; Tschong-Tse, bedenke das in Treuen! Der Brüder Drohung schrecket mich. Tschong-Tse, was ich dich bitte: Den Garten laß, verletze nicht die Sitte, Die Zarten Ranken nicht zerbrich! Wie dürft ich dich wohl lieben, sprich? Den Leumund muß ich scheuen, Tschong-Tse, bedenke das in Treuen! Der Leute Reden schrecken mich.

    in: Sekles, Bernhard (ed.). Aus dem Schi-King. Leipzig: D. Rahter, 1907. p. 12.
  • Jiao gong 角弓: Der Schnee und die Sonne (Anonymous (Shijing))
    Der Schnee bedeckt die Auen, Weil sich die Sonne hat versteckt im Blauen. O Sonne, laß nur strahlen Dein Licht, so schmilzt der Schnee in allen Talen. Der Schnee bedeckt die Auen, Läßt seinen Glanz uns statt der Sonne schauen. Laß deine Kraft erstrahlen, O Sonn, und mach ein Ende seinem Prahlen! Der Schnee bedeckt die Auen, Der Sonne Schwäche gibt ihm das Vertrauen. Vernicht, o Fürst , das Prahlen Der Frechen, welche dir das Ansehn stahlen!

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 258.
    in: Mehlig, Johannes (ed.). Stimmen des Orients: Arabische, persische, indische und chinesische Dichtungen. Leipzig: Insel-Verlag, 1965. p. 257.
    Excerpt of the last two stanzas of the Chinese poem.
  • Jiao liao 椒聊: Der Segensbaum des Landes U (Anonymous (Shijing))
    Tsiao der Baum trägt Beeren länglich, Seine Füll' ist überschwänglich; Und allein schon füllt das Maß, Was an Einem Aste saß. Dieses Mannes Herrlichkeit Hat nicht ihres Gleichen. Tsiao der Baum erstrecket seine Aeste weit; Frischer Schatten ist, so weit sie reichen. Tsiao der Baum trägt Beeren ründlich, Seine Füll' ist unergründlich; Was ein einz'ger Zweig verspricht, Fassen beide Hände nicht. Dieser Mann von Wuchse hoch Hat nicht seines Gleichen. Tsiao der Baum streckt seine Aeste weiter noch, Und sein Schatten wird auch uns erreichen.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 124.
  • Jiao tong 狡童: Der Blöde (Anonymous (Shijing))
    Er will nicht sprechen, er will nicht blicken; Soll Ich denn winken, soll Ich denn nicken? Er will mich nicht zuerst begrüßen; Ich kann ihn doch zuerst nicht küßen. Und wenn er niemals will beginnen, Wie soll es Fortgang denn gewinnen? Ich weis es nicht zu ersinnen.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 97.
  • Jiao tong 狡童: Klage des liebenden Mädchens über den blöden Mann (Anonymous (Shijing))
    Er will nicht sprechen, er will nicht blicken! Soll Ich denn winken, soll Ich denn nicken? Er will mich nicht zuerst begrüßen! Ich kann ihn doch zuerst nicht küssen! – Und wenn er niemals will beginnen, Wie soll es Fortgang denn gewinnen? – Ich weiß es mir nicht zu ersinnen!

    in: Grabow, Hans (ed.). Die Lieder aller Völker und Zeiten, in metrischen deutschen Uebersetzungen und sorgfältiger Auswahl. Hamburg: Verlag von G. Kramer, 1880. p. 342.
  • Jiao tong 狡童: Der Spröde (Anonymous (Shijing))
    Auf welchen ich wart' allein, Der will mir nicht kehren ein; Der auf welchen ich faste, Will mir nicht kommen zu Gaste; O Betrübniß, o Pein!

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 97.
  • Jie nan shan 節南山: Anklage (Anonymous (Shijing))
    Hoch hebt der Berg Nan Schan die Augenbrauen, Und schroffe Felsen ragen um ihn her. Schi-In, du Mann, auf den die Völker schauen, Wie furchtbar bist du uns von Ansehn hehr! Dich anzuschaun empfinden wir ein Grauen, Und alle Blicke sinken kummerschwer. Vor Furcht wagt Niemand einen Scherz zu reden; Du aber schlichtest nicht des Reiches Fehden. Der Berg Nan Schan hat hoch die Brau'n erhoben, Und undurchdringlich ist sein Strauchgeflecht. Schi-In, du Mann, zu dem wir schaun nach oben, So groß, warum bist du so ungerecht? Der Himmel läßt uns Straf' um Straf' erproben, Und hingetilgt Geschlecht wird um Geschlecht. Dumpf schweigt das Volk und gährt in innern Feuern; Doch du siehst zu, und willst der Noth nicht steuern.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 205.
    Excerpt of the first two stanzas of the chinese poem.
  • Jie nan shan 節南山: Klage (Anonymous (Shijing))
    Hochgenackte Rosse spann' ich vor den Wagen, Fahr', und blicke rings an jeden Ort der Erde; Ueberall erblickt ich Ungemach und Klagen, Keinen Ort um auszuspannen meine Pferde. Eure Argheit hat den Gipfel nun erstiegen, Wo ihr selbst die Schwerter auf einander lenket. Und wann einen Augenblick die Waffen schwiegen, Seid ihr guter Ding' und Wein einander schenket. Hat der Himmel seinen Hochsinn selbst vergessen? Unsern König quälet Schuld ohn' ihn zu reuen; Und wo du ihn mahnest, so verdrießt ihn dessen, Und im Herzen trägt er Groll auf seine Treuen. Wenn der Himmel trüb' ist, wird die Erde schaurig, Und verstörter Herrschersinn verstört die Lande. Ich Kia-Fu gesungen habe dieses traurig; Hilf du, wenn zu helfen du dich fühlst im Stande!

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 206.
    Excerpt of stanza 7-10 of the chinese poem.
  • Jing jing zhe e 菁菁者莪: Der uneigennützige Wirth (Anonymous (Shijing))
    Am Hügel wächst die Pflanze Go. Es macht mein Herz der Anblick froh Des hohen Gast's, in meiner Freud' indessen Werd' ich der Ehrerbietung nicht vergessen. Am Hügel wächst die Pflanze Go. Es blüht mein Herz in Freuden hoh Vor'm Anblick meines edlen Gast's, indessen Darf ich ihm aufzuwarten nicht vergessen. Am Hügel wächst die Pflanze Go. Des Gastes Anblick freut mich so, Daß es nicht könnte größre Lust mir wecken, Wenn man mir schenkte tausend Purpurschnecken. Am Hügel wächst die Pflanze Go. Es setzt mein Herz in Freudenloh Sein Anblick so, daß es mich würde kränken, Wenn er mich wollte für die Lust beschenken. Im Strome schwankt der Weidenkahn, Senkt, hebet sich, hinab hinan. Seit mir gelang den Anblick zu gewinnen Des hohen Gastes, ruhen meine Sinnen.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 185f.
  • Jing nü 靜女: Liebesgaben (Anonymous (Shijing))
    Ein Mädchen fein und säuberlich Hat an die Pforte mich bestellt; Nach allen Seiten dreh' ich mich, Zu sehn, ob sie ihr Wort bald hält. O komm und zeige dich, Das Liebste mir auf der Welt! Ein Mädchen fein von Sitt', und zart, Hat mir verehrt ein schönes Band; Das Band ist roth, und grün der Rand, Ich habe wohl die Pracht gewahrt; Doch ihre Zucht und Art Ist was das Herz mir umwand. Die Pflanze Y hat sie gepflückt, Gebracht vom Felde frisch bethaut; Es ist gewiß ein seltnes Kraut, Doch hat mich nichts daran entzückt, Als daß so lieb und traut Sie's an die Hand mir gedrückt.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 54f.
  • Jiong 駉: Die Lieder der Fürsten von Lu, 1. "Die Rosse" (Anonymous (Shijing))
    Rosse derb von Hinterbacken, Breit von Nasen, hoch von Nacken, Rosse weich und kraus von Mähnen, Stark von Hufen, weiß von Zähnen, Gelbe, rothe, braune Rosse Nährt der Fürst in seinem Schlosse. Seine Rosse sind die besten, Er der best' in Ost und Westen. Rosse stumpf und steif von Schweifen, Gleicher Farb' und bunt von Streifen, Glatt von Haut und rauh von Haaren, Rosse jung und alt von Jahren, Ausgesuchte, auserprobte, Unversucht, unvertobte, Deren Muth nicht ist zu dämpfen, Wie des Fürsten Muth in Kämpfen. Rosse kurz und lang gestreckte, Schmal gewürfelt, breit gefleckte, Rosse fein und stark geschenkelt, Dicht betupft und leicht besprenkelt, Tiger-Pardel-Löwenrosse Zieht der Fürst in seinem Schlosse; Rastlos streben sie zum Ziele, Wie der Fürst in Ernst und Spiele. Rosse, die wie Gemsen hüpfen, Rosse, die wie Schlangen schlüpfen, Rosse huschend wie die Schwalben, Rappen, Füchse, Schecken, Falben, Schimmel, Apfel-Eisenschimmel, Alle Farben unter'm Himmel; Vorwerts alle gehn sie grade, Wie der Fürst im Ehrenpfade.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 353f.
  • Jiong zhuo 泂酌: Loblied von demselben an denselben (Anonymous (Shijing))
    Weither geht man Wasser holen, Weither Wasser aus dem Fluß, Gerstenwein beim Dampf der Kohlen Zu bereiten aus dem Guß. Unserm Fürsten Heil und Gruß! Weither gehn zu unserm Fürsten Die nach seinem Anblick dürsten. Weither kommt man Wasser schöpfen Aus dem Strome Wasserflut, Um zu kochen in den Töpfen, Was darein ein jeder thut. Heil dir, Fürst von hohem Muth! Zu dir kommen nah' und ferne, Suchen deine Gnaden gerne. Weithin geht man Wasser tragen, Das der Strom der reine führt. Es ist kühl in heißen Tagen, Und macht rein was es berührt. Unserm Fürsten Preis bebührt: Ungetrübten reinen Frieden Hat er seinem Volk beschieden.

    in: Cramer, Johann (ed.). Schi-King, oder Chinesische Lieder, gesammelt von Confucius. Neu und frei nach A. La Charme's lateinischer Übersetzung bearbeitet. Fürs deutsche Volk hg. von Johann Cramer, Das himmlische Reich. Oder China's Leben, Denken, Dichten und Geschichte, 4 vols. Crefeld: Verlag der J. H. Funcke'schen Buchhandlung, 1844. p. 296.
  • Jiu mu 樛木: Hochzeitlieder, 2. "Ein hoher Baum auf Nan dem Berge steht" (Anonymous (Shijing))
    Ein hoher Baum auf Nan dem Berge steht, Um den sich eine Blütenranke windet. Wie lieblich sich's füget, wie schön es ergeht, Wo Schönes mit Edlem sich findet und bindet. Ein hoher Baum auf Nan dem Berge ragt, Um den sich eine junge Ranke schlinget. Wie hold es ergötzet, wie schön es behagt, Wo, Hoheit zu fesseln, der Anmuth gelinget. Ein hoher Baum auf Nan dem Berge sprießt, Um den sich eine zarte Winde schmieget. O Seligkeit, die ihr Verbundnen genießt, Von schmeichelnden Lüften des Glückes gewieget.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 8.
  • Jiu yu 九罭: Gastlied bei der Einkehr des Fürsten (Anonymous (Shijing))
    Das Netz ist breit, das Netz ist schmal; Hinein geht, nicht heraus, der Aal. Wie herrlich glänzt der Gast, der heut Mit seinem Anblick uns erfreut, Sein Kleid mit Gold bestreut, Mit Perlen ohne Zahl. Der Reiher flieget her und hin, Nach allen Inseln steht sein Sinn. Hat nicht der Fürst manch andres Haus? Indessen ruht er bei dir aus, Geehrt mit Fest uns Schmaus, Es ist dir zum Gewinn. Der Reiher flieget hin und her, Und jeden Teich besuchet er. Wenn erst der Gast, der bei dir weilt, Und deinem Hause Glanz entheilt, Von dannen weiter eilt, Wer bringt ihn wieder her? Wie freuet uns dein Angesicht, Wie freun uns deine Kleider licht! O, unsern Fürsten werth und hoch, Der bei uns will verweilen noch, Ruft ihn zurück nicht doch! Betrübet so uns nicht!

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 161f.
  • Juan a 卷阿: Der Friedensfürst (Anonymous (Shijing))
    Auf des Stroms gewundnem Damme, Wo die Mittagslüfte wehn, Geht der Fürst von unserm Stamme, Leise singend unterm Gehn. Friedensfürst! In stetem Frieden Geh, in hohem Freudenspiel! Lange Bahn sei dir beschieden Und Befriedigung am Ziel. Um dir sieh den weiten Garten Deines Reichs im Blütenstand Und in deine Ländercharten Eingetragen Land um Land! Anerkennen alle Geister Dich als ihren Oberherrn; Und nie geh, so friedlich kreist er, Unter nie des Reiches Stern!

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 297.
    in: Mehlig, Johannes (ed.). Stimmen des Orients: Arabische, persische, indische und chinesische Dichtungen. Leipzig: Insel-Verlag, 1965. p. 258.
    Note that the transalation covers stanza 1-4 from the chinese poem.
  • Juan a 卷阿: Der Fürst wie er seyn soll (Anonymous (Shijing))
    Der Fürst, gebildet nach des Himmels Bilde, Bezeigt auf Erden seine Kraft Und seine Tugend, die im Reichsgefilde Gibt allem Guten Nahrungssaft. Der Himmel blickt auf ihn hernieder, Und segnet ihn und mehret ihn, Und er zum Himmel blickt er dankbar wieder, Ihn ehrend, der geehret ihn, Ihm trauend, der bewahret ihn; Es lieben sich die beiden treu und bieder. Der Himmel zeiget seinem Aug' im Machen Ein weites blütenfrohes Reich, Dem träumenden als klargeaugte Drachen Ein Enkelvolk, ihm selber gleich, Wovon auf Thronen ein'ge sitzen, Geschickt der Völker leiten sie, Im Waffenfeld als Feldherrn andre blitzen, Zum Ruhm des Reiches streiten sie, Nicht straucheln sie noch gleiten sie, Hoch wandelnd auf der Ehre Bergesspitzen. Er ist ein Mann, und weiß zu ehren Männer, Die ihn zu ehren sind bedacht; Er, seiner Pflicht und andrer Pflichten Kenner, Der recht sie übt und üben macht. Sein Busen schwillt von großen Trieben, Nicht Mißgunst Mißtraun heget er; Er liebt, und weiß daß sie ihn wieder lieben. Ein Blick – die Herzen reget er, Ein Wink – das Reich beweget er, Und was er spricht, ist als Gesetz geschrieben. Des Landes Glück ist seines Glücks bedürftig, Im Aug' des Volks ist er der Blick. Des Reiches Hohe sind ihm unterwürfig, Wie er dem höchsten Weltgeschick. Wie er dem Himmel dienet, trauet Er ihrer Dienstverlässigkeit, Fühlt sich als Grund, worauf sie sind gebauet, Und nirgends wächst Fährlässigkeit Und Zwiespalt und Gehässigkeit Im großen Acker, den er überschauet.

    in: Cramer, Johann (ed.). Schi-King, oder Chinesische Lieder, gesammelt von Confucius. Neu und frei nach A. La Charme's lateinischer Übersetzung bearbeitet. Fürs deutsche Volk hg. von Johann Cramer, Das himmlische Reich. Oder China's Leben, Denken, Dichten und Geschichte, 4 vols. Crefeld: Verlag der J. H. Funcke'schen Buchhandlung, 1844. p. 297-299.
    Excpert. LB: Ich bin bezüglich des Titels unsicher, da ich die altdeutsche Schrift nicht zweifelsfrei zuordnen kann. Das Buch ist bei Sciebo unter Nr. 138.
  • Juan a 卷阿: Des Reiches Fönix (Anonymous (Shijing))
    Der Vögel Fürst Hoang-Fong Singt auf dem Baum U-Tong, Davon des Baumes Kronen sprossen. Der Kaiser breitet aus die Flügel Der Herrschaft über Thal und Hügel, Und sammelt alle Reichsgenossen. Der Vögel Fürst Hoang-Fong Singt auf dem Baum U-Tong, Aufgeht des Baumes Blütenkrone. Der Kaiser hebet seine Schwinge, Und hohe kommen und Geringe, Und schaaren sich an seinem Throne. Der Vögel Fürst Hoang-Fong Singt auf dem Baum U-Tong, Der Baum des Reiches steht im Glanze. Wie rauscht des Kaisers Ruhmessittig! Die Fürsten alle stehen sittig, Und schwingen um ihn Speer und Lanze. Der Vögel Fürst Hoang-Fong Singt auf dem Baum U-Tong, Des Baumes Wipfel rührt die Sterne. Der Kaiser schüttelt sein Gefieder, Und Thau fällt auf die Nahen nieder, Die frisch ihn tragen in die Ferne. Der Vögel Fürst Hoang-Fong Singt auf dem Baum U-Tong, Der Baum beschattet weit die Erde. Der Kaiser fliegt mit starkem Kiele, Sein rascher Wagen eilt zum Ziele, Und ihm gehorchen seine Pferde. Der Vögel Fürst Hoang-Fong Singt auf dem Baum U-Tong. Ich preise dich mit schwachem Kiele; Nur wenig Züge schrieb die Feder, Doch von den Zügen hier ist jeder Gerecht zu Sang und Saitenspiele.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 299f.
    in: Menzel, Wolfgang (ed.). Die Gesänge der Völker. Leipzig: Verlag von Gustav Mayer, 1851.
    Excerpt.
  • Juan er 卷耳: Der Besuch der jungen Frau, 2. "Von ihrer Eltern Hause ging" (Anonymous (Shijing))
    Von ihrer Eltern Hause ging Die junge Frau ins Tal; Wie zierlich ihr am Arme hing Das Körbchen lang und schmal! So zierlich ihr am Arme hing Das Körbchen lang und schmal, Darein sie an zu lesen fing Blumen und Kraut im Tal. Das Körbchen war zur Hälfte voll, Als eine Träne lief, Die Brust von einem Seufzer schwoll, Die Jungvermählte rief: "Es kommt mir jemand in den Sinn, Der mir bewegt das Herz." Sie warf am Weg die Blumen hin: Fahr wohl, du Mädchenscherz! "Ihr Mägde, blicket mir, o seht, Ob dort sich hebt kein Staub? Ein Staub von meinem Gatten geht Mir über Gras und Laub."

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 11f.
    in: Wollheim da Fonseca, Anton Edmund. Die National-Literatur sämtlicher Völker des Orients. Eine prosaische und poetische Anthologie aus den besten Schriftstellern des gesamten Orients. Berlin: Verlag von Gustav Hempel, 1869. p. 831.
    in: Mehlig, Johannes (ed.). Stimmen des Orients: Arabische, persische, indische und chinesische Dichtungen. Leipzig: Insel-Verlag, 1965. p. 238f.
    Excerpt.
  • Juan er 卷耳: Der Besuch der jungen Frau, 3. "Hat sie nicht den Fels erstiegen" (Anonymous (Shijing))
    Hat sie nicht den Fels erstiegen, Späht sie nicht entgegen mir? Ach, was muß mein Roß erliegen, Das mich tragen soll zu ihr! Einzuwiegen meine Sorgen, Trink ich eins aus goldnen Flaschen, Statt dich heut zu überraschen, Soll ich erst dich grüßen morgen. Ist sie auf den Berg gestiegen, Späht sie dort herab nach mir? Ach, was kann mein Roß nicht fliegen! Keine Sehnsucht spornt das Tier. Zu besiegen meine Schmerzen, Leer ich dir die goldne Schale; Siehst du's nicht im Abendstrahle, Oh, so fühl's in deinem Herzen. Hat sie nicht das Dach bestiegen, Um noch einmal hinzusehn? Schlummernde Gefährten liegen, Und die müden Rosse stehn. Könnt ich fliegen, meine Wonne, Mit dem Nachtwind durch die Strecken! Schlafe wohl, ich will dich wecken Morgen mit dem Strahl der Sonne.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 12f.
    in: Wollheim da Fonseca, Anton Edmund. Die National-Literatur sämtlicher Völker des Orients. Eine prosaische und poetische Anthologie aus den besten Schriftstellern des gesamten Orients. Berlin: Verlag von Gustav Hempel, 1869. p. 831.
    in: Mehlig, Johannes (ed.). Stimmen des Orients: Arabische, persische, indische und chinesische Dichtungen. Leipzig: Insel-Verlag, 1965. p. 239f.
    Excerpt.
  • Jun zi jie lao 君子偕老: Zweideutige Schönheit (Anonymous (Shijing))
    Still in ihres Hauses Mitte Soll ein Weib in Zucht und Sitte Mit dem Gatten altern fein. Aber was ist dir im Sinne, Daß du thürmst die Lockenzinne Unter goldner Belche Schein? Diese Perlen, die mit Prangen Sechs von jedem Ohre hangen, Glänzen an dir überreich. Deine Hoheit thut's der Hoheit Des Gebirges, deine Froheit Ueppiger Stromes Wallung gleich. Deine vollgewölbten Schläfe Treten rund hervor; wo träfe Man ein Weib wie du so schön? Deiner Augenbrau'n Umbuschung, Unbedürftig schwarzer Tuschung, Schattet wie ein Wald auf Höhn. Diese Wolke dunkler Haare Hat nicht – o den Aufwand spare! – Hat nicht falscher Locken noth. Diesen Wangen nie vonnöthen Sind der Schminke Weiß – und Röthen, Denn sie selbst sind weiß und roth. Unser Schwester Augen leuchte, Daß sie uns wie Sonnen deuchten Oder Fackeln hell im Brand. Geht sie wol zur Ahnenfener, Daß sie trägt so prächtige Schlener, Oder geht sie nur aufs Land? Du im Putze seltner Arten, Ei, dem Kaiser aufzuwarten, Trägst du wol so bunten Last? Doch der Schiller dieser Seide Macht die Farb' an deinem Kleide Ungewiß und rathselhaft.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 63-65.
  • Jun zi yu yi 君子于役: Sehnsucht nach dem vom Hause Entfernten (Anonymous (Shijing))
    Das Huhn besteigt die Leiter, Das Rind mit Brüllen sucht den Stall; Die Sonne schwebt nicht weiter Als Spannhoch über ihrem Fall. So bist du wieder ausgeblieben! Wie lange willst du es verschieben Zu kehren heim zu denen die dich lieben? Der Hahn erfliegt die Mauer, Mit Blöcken sucht den Stall das Schaf; Die Sonne senkt im Schauer Des Abends sich zum nächt'gen Schlaf. So bist du wieder nicht gekommen! Wird nie von dir, dem guten frommen, Bedacht, wie man hier nach dir seufzt beklommen?

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 81.
  • Kai feng 凱風: Böse Sieben (Anonymous (Shijing))
    Wie der Südwind schmeichelt linde, Und den Dorn zu rühren sucht! Doch am ungerathnen Kinde Ist verloren alle Zucht. Unsre Mutter zieht nicht minder Sieben ungerathne Kinder, Und erzieht sich keine Frucht. Von des Südens lindem Winde Wird des Dornes Mark erregt. Unsre Mutter, wie gelinde Hat sie's uns an's Herz gelegt! Schad' um ihre Güt' und Schöne! Sieben ungerathne Söhne Sind zum Guten unbewegt. Unaufhörlich fließt die Quelle Drunten in dem Thale Tsün; Doch die spröde dürre Stelle Bleibet kahl und wird nicht grün. Unsrer Mutter, unsrer lieben, Danken ihre bösen Sieben Wenig alle Liebesmühn. Wie der gelbe Vogel singet Mit ununterbrochnem Schall, Bis ein Widerhall entspringet Im Gestein und Felsenwall! Doch wir Sieben haben schlimme Herzen, wo der Mutter Stimme Findet keinen Widerhall.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 45f.
  • Kao pan 考槃: Der Grenzwächter (Anonymous (Shijing))
    Sitzend auf dem Felsgestein, Schlägt der Held das ehrne Becken, Wacht allein und schläft allein, Fürchtet nicht der Wildniß Schrecken, Spricht: Geschworen hab' ich eben, Anders als mit meinem Leben Nicht den Posten aufzugeben. Auf des Berges Felsabhang Schlägt der Held das ehrne Becken; Und soweit man hört den Klang, Muß er Muth dem Land erwecken; Denn er sagt in seiner Mitten, Daß nicht von Barbarentritten Sind die Grenzen überschritten. Auf des Berges höchstem First Schlägt der Held das ehrne Becken; Und soweit du's hören wirst, Mußt du, Feind, zurücke schrecken; Denn es redet dir das Zeichen Von dem Helden ohne Gleichen, Und der Hut in unsern Reichen.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 70f.
    in: Sekles, Bernhard (ed.). Aus dem Schi-King. Leipzig: D. Rahter, 1907. p. 6.
  • Kui bian 頍弁: Vertrauter Kreis (Anonymous (Shijing))
    Die Mütze der Vertraulichkeit Deckt jedes Haupt, nun freut euch wie die Weisen! Es ist der beste Wein bereit, Bereitet sind zum Mahl die besten Speisen. Kein Fremder ist hier, wie ich seh' Es sind nur lauter Brüder, lauter Vettern, Rein wie der frisch gefallne Schnee Und wie die Rose mit bethauten Blättern. Ein jeder Tag kann seyn der Tag Der Tag der Trennung und des Unterganges; Drum freuet euch, solang es mag Gefreuet seyn, des Weins und Saitenklanges. An Freundesanblick euch erfreut, Und ohne heut auf morgen euch zu grämen, Doch so, daß morgen an das heut Ihr denken könnet ohn' euch deß zu schämen.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 252.
    Excerpt.
  • Lang ba 狼跋: Der alte Wolf, Fürst Tschiu-Kong, im Gedränge (Anonymous (Shijing))
    Der alte Wolf, der vorwerts ringt, Stemmt dazu an den harten Nacken; Und da wo er zurück sich zwingt, Stemmt er die Hinterbacken. Wie mannhaft ist des Fürsten Thun! Mit Gleichmuth trägt er jede Bürde. In seinen rothen Fürstenschuhn Geht er mit rechter Würde. Der alte Wolf, der rückwerts ringt, Stemmt an die festen Hinterbacken; Und da wo er sich vorwerts schwingt, Stemmt er den derben Nacken. Der Fürst weiß mit behendem Rath In jeder Lage sich zu fassen; Er wird bei keiner kphnen That Von seinem Muth verlassen.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 164.
  • Lie wen 烈文: Tsching-Wang an die Fürsten des Reichs (Anonymous (Shijing))
    Hohe Männer, ruhmbekränzte Fürstenstirnen, deren Tugend Immer als ein Stern mir glänzte, Eurer Weisheit trauet meine Jugend. Eurem Beistand muß ich danken Glück und Macht die mich begleiten; Und daß sie von mir nie wanken, Stehet immer mir wie jetzt zur Seiten! Nicht des Lands, das ihr verwaltet, Schätze sollet ihr verzehren; Mäßigung und Sitt' erhaltet, Daß ihr euerm Kaiser bleibt in Ehren. Was er jetzt euch bleibet schuldig, Gütet euch der Kaiser später, Wann er euern Söhnen huldig Sichern wird die Erbschaft ihrer Väter. Wen-Wang ward vom Weltgeschicke Uns ein Vorbild ohne gleichen. Seine Schritte, seine Blicke Richte jeder Fürst nach diesem Zeichen! Niemals sei der hohen Ahnen Ruhmgedächtniß uns geschwunden, Immer seyen ihrer Bahnen Glückliche Nacheiferer gefunden.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 331.
  • Lie zu 烈祖: Ahnenfeier des Fürstenhauses Schang, 2. "Sel'ger, dessen Glück von keinen Zeiten" (Anonymous (Shijing))
    Sel'ger, dessen Glück von keinen Zeiten, Keinen Grenzen ist umschlossen! Von der Fülle der Glückseligkeiten Kommt mir selbst ein Strom geflossen. Reinen Wein zur Spende darf ich gießen, Und als wie vom Thau die Blume Fühl' ich mir ein Bild im Herzen sprießen Von der hohen Ahnherrn Ruhme. Die einst auf der Erde Thron gesessen, Wie sie jetzt im Himmel thronen, Meine Väter will ich nicht vergessen, Die dafür mir jetzt noch lohnen. Wagen, bunt von Farben, laut von Klingeln, Tragen mir heran die Gäste, Die mit Dienstbeflissenheit umzingeln Mich bei dem Gedächtnißfeste. Und die Gunst des Himmels niederträufet Allfreigebig überschwänglich, Hoher Erntesegen ist gehäufet, Glück und Wohlstand unvergänglich. Mögen auf den Enkel, ihren Preiser, Her die Ahnen schaun gewogen! Ich ein Sproße von Tsching-Tang dem Kaiser Habe fromm den Brauch vollzogen.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 359f.
  • Lin zhi zhi 麟之趾: Ki-Ling, das chinesische Einhorn (Anonymous (Shijing))
    Das edle Thier Ki-Ling, Ein Wunder nicht gering, Ist wohl ein seltnes Ding. Es trägt ein ehern Horn An seiner Stirne vorn, Stößt doch kein Thier im Zorn. Es gehet nie geschaart, Es gehet nie gepaart, Ist einzig seiner Art. O welches Wunder! von den schönen, Von allen unsres Königs Söhnen Ist jeder einzig ein Ki-Ling. Das edle Thier Ki-Ling, Das nie ein Jäger fing, Ist wohl ein Wunderderding. Es trägt ein ehern Huf, Doch nie sein Fußtritt schuf Des Gräsleins Weheruf. An seinem Leib vereint Fünffache Farb' erscheint, Daß man zu träumen meint. O welches Wunder! von gesammten Des Königstammes Angestammten Ist jeder einzeln ein Ki-Ling. Das edle Thier Ki-Ling, Einzig im Weltenring, Ist wohl ein Wunderding. Es führet starken Schritt, Tritt hart nicht auf damit, Kein Wurm darunter litt. Es hat des Rosses Kraft, Des Lammes Eigenschaft, Ein Thier so musterhaft. Was kann das Wunder übertreffen? Ein jeder von des Königs Neffen In seiner Art ist ein Ki-Ling.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 17f.
  • Ling tai 靈臺: Wen-Wangs Ruhe (Anonymous (Shijing))
    Der mächt'ge Fürst Wen-Wang Im Waldgeheg Lin-Yo Sieht an vergnügt und froh Der zahmen Rehe Gang, Die nicht der Menschen Anblick scheuen, Und sich zusammen spielend freuen, Weißglänzend sich durch's Waldgebüsch zerstreuen. Im Waldgeheg Lin-Yo Den mächt'gen Fürst Wen-Wang Freut manches Vogels Sang, Der kirr und keck nicht floh; Sie picken in den Laubgebäuen Die Körner, die er lässet streuen, Und wollen singend ihren Dank erneuen. Der mächt'ge Fürst Wen-Wang Im Waldgeheg Lin-Yo, Am Abend geht er so Den Weiher froh entlang, Wo in den rothbeglänzten Bläuen Sich goldne Fische spielend freuen, Wie im Palast der Hofstaat seiner Treuen.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 282.
  • Liu yue 六月: Die kriegerischen Gäste (Anonymous (Shijing))
    Im sechsten Mond ist keine Zeit zu feyern, Die großen Wagen sind gesetzt in Stand; Die Viergespanne fliegen gleich den Geyern, Und alle Krieger tragen neu Gewand. Getobt hat das Barbarenvolk Hien-Yun; Zu ihnen sendet uns der Kaiser nun; Beschwichtigt werden sie auf lange ruhn. Der starken Rosse Kraft schnaubt ungedämpfet, Wie Berge groß, gehorsam doch dem Zaum. Mit den Hien-Yun ward eine Zeit gekämpfet, Und die Empörung starb geboren kaum. Wir haben wohlbewahrt die Kriegeszucht, Davon getragen reiche Siegesfrucht, Befestiget des Reiches Ehrenwucht. Es brachen die Hien-Yun mit wildem Toben Ein in Tsiao-Hu, und legten wüst Hao-Fang, Gedrungen sind sie sengend bis King-Yang; Doch unsre Fahnen haben sich erhoben, Worin sie die gemahlten Vögel sahn. Zehn erzbeschlagne Wagen gehn voran, Die brechen für das ganze Heer die Bahn. Ki-Fu, der Feldherr, hat geführt die Schaaren, Er führt sie immer nur zum Sieg allein; In Kriegs-und Friedenswissenschaft erfahren, Er ist des ganzen Reiches Ehrenschein. Besiegt ist das Barbarenvolk Hien-Yun, Und nach Tai-Yuen gezogen sind wird nun, Um nach gethanem Kampfwerk auszuruhn. Ki-Fu, der Feldherr, sitzt beim frohen Mahle, Er strahlt vor Lust sein schmausend Heer zu sehn. Lang' ists seit hier uns sahn die Freunde gehn, Jetzt reichen sie zum Willkomm uns die Schale. Geröstet wird Schildkrötenfleisch aufs beste, Und edler Fisch. Dank sey dem Herrn vom Feste, Tschanhg-Tschong, der wohl bewirthet seine Gäste!

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 187f.
  • Lu e 蓼莪: Armuth (Anonymous (Shijing))
    Ist in der Flasche kein Trank zum Laben, Was helfen die leeren Scherben? Für Arme, die nichts zu leben haben, Ist es besser, zu sterben.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 227.
    Note that the translation covers the first to Lines of the third stanza.
  • Lu e 蓼莪: Klage des undankbaren Sohnes (Anonymous (Shijing))
    Was hat mein Vater mich gezeugt, Was hat die Mutter mich gesäugt? Was hat ihr Herz bewogen Mich liebend auferzogen? Von Alter, Roth und Gram gebeugt, Sind sie um ihrer Pflege Lohn betrogen. Wie hat mein Vater mich geherzt, Die Mutter sanft mit mir gescherzt, In Nächten und an Tagen Gestillet meine Klagen! Sie fühlen selbst nicht, wie mich's schmerzt, Daß ihnen ich den Dank nicht ab kann tragen. Die mich auf ihrem Schooß gewiegt, Die mich an ihre Brust geschmiegt, Die mich geleitet bange Auf meinem ersten Gange, Die Mutter altersmatt erliegt, Auf ihren Pfleger wartet sie zu lange. Der mich mit seinem Blick gelenkt, Mit seinen Lehren mich getränkt, Gebildet und geweidet, Geschirmet und gekleidet, Der Vater geht zum Grab gesenkt, Ich stütz' ihn nicht, und leide wie er leidet. Was hat der Vater mich gezeigt, Was hat die Mutter mich gesäugt? Mußt' ich aus ihren Wehen Hervor zum Wehe gehen? Der Himmel selber, der sie beugt, Verwehrt mir grausam, ihnen beizustehen.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 227f.
  • Lu e 蓼莪: Vergleichung mit andern (Anonymous (Shijing))
    Nan Schan der Berg ist frey und hoch, Es gehn daselbst die starken Winde. Wohl geht es jeder Mutter Kinde, Warum nur mir so übel noch? Nan Schan der Berg ist hoch und weit, Daselbst die freyen Lüfte wallen. Luft ward zu Theil den andern allen, Warum nur mir die Traurigkeit?

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 228.
    Excerpt.
  • Lu ling 盧令: Jägerliebchen (Anonymous (Shijing))
    Die Hund' an den Ringen, Sie rasseln im Springen. Der Mann ist wie ein Baum, Der mit den Hunden jagen Geht in des Waldes Raum; Ich muß ihm Liebe tragen. Die Hunde, sie springen Mit rasselnden Ringen. Als wie ein Berg ist er, Der jagend mit den Hunden Im Felde zieht einher; Mein Herz ist an ihn gebunden. Die Hund' an den Ringen, Sie springen und klingen. Als wie ein Wald der Bart Beschattet ihm die Wangen; Er zieht auf seiner Fahrt, Und weiß nicht was er gefangen.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 109f.
    in: Sekles, Bernhard (ed.). Aus dem Schi-King. Leipzig: D. Rahter, 1907. p. 8.
  • Lu ming 鹿鳴: Der Ruf des Hirsches. Gastlied (Anonymous (Shijing))
    Der Ruf des Hirsches tönt gemach, Er geht den würz'gen Kräutern nach; Ein edler Gast ist bei uns eingekehret. Gerühret ward das Saitenspiel, So lang' es unserm Gast gefiel, Und mit dem Becher hab' ich ihn geehret. Wir thun mit Freudigkeit, was unser Gast begehret. Der Ruf des Hirsches tönt am Bach, Er geht den würz'gen Kräutern nach; Wir haben hoch den edlen Gast geehret. Er ist von Anstand fürstlich ganz, Und über alle strahlt sein Glanz, Nach hoher Tugend ist sein Sinn gekehret. Die rechte Fürstlichkeit hat mich sein Thun gelehret. Der Ruf des Hirsches tönt gemach, Er weidet würz'ges Kraut am Bach; Dem edlen Gast ist nichts bei uns verwehret. Der Saiten Klang beständig quoll, Und immer war der Becher voll, Und uns zu Ehren hat er ihn geleeret. Der Wein war leicht und rein, und hat ihn nicht beschweret.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 164f.
  • Lu xiao 蓼蕭: Festlieder, 3. "Die Pflanze steigt empor und träuft von Taue" (Anonymous (Shijing))
    Die Pflanze steigt empor und träuft von Taue; Die edlen Gäste sind genaht, Und mir wird ihres Anblicks Freudenschaue; Ihr Edlen, meinen Gruß empfaht! Nun ziemt Scherzen, Trinken, Lachen, Sich einen frohen Tag zu machen, Das ist mein Freundesrat. Die Pflanze steigt empor und träuft vom Taue; Ich steh bereit euch zum Empfang. Ihr Edlen, würdevoll von Augenbraue, Genießet unter Saitenklang! Genießt die Gaben froher Jugend Mit Eintracht, Mäßigung und Tugend, Auf daß ihr fein genießet lang!

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 184.
    in: Mehlig, Johannes (ed.). Stimmen des Orients: Arabische, persische, indische und chinesische Dichtungen. Leipzig: Insel-Verlag, 1965. p. 252.
    Note that the translation covers stanza two and three of the chinese poem.
  • Lü yi 綠衣: Klage einer ungeliebten Gattin, 2. "Grün ist mein Obergewand" (Anonymous (Shijing))
    Grün ist mein Obergewand, Doch gelb mein Unterkleid. Unter des Frühlings Land Berg' ich des Herbstes Leid. Grün ist mein Obergewand, Doch gelb mein Unterkleid. Mein Herz steht in Schmerzensbrand Unter der Luft Geschmeid.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 34.
    in: Oehlke, Waldemar. Chinesische Lyrik und Sprichwörter. Bremen-Horn: Walter Dorn-Verlag, 1952. p. 18.
    in: Mehlig, Johannes (ed.). Stimmen des Orients: Arabische, persische, indische und chinesische Dichtungen. Leipzig: Insel-Verlag, 1965. p. 244.
    Excerpt.
  • Mang 氓: Erfahrung (Anonymous (Shijing))
    Eh die Maulbeerblätter fallen, Sind sie lieblich bunt zu schauen; Wenn sie streben zu gefallen, Sind dem Falle nah die Frauen.

    in: Zoozmann, Richard. Amors Possenspiel. Der "Unartigen Musenkinder" Neue Folge. Liebesgedichte und Schelmenstücke aus allen Zeiten und Zonen. Leipzig: Hesse & Becker Verlag, 1920. p. 7.
    Excerpt.
  • Mang 氓: Die fallenden Blätter (Anonymous (Shijing))
    Eh die Maulbeerblätter fallen, Sind sie lieblich bunt zu schaun; Wenn sie streben zu gefallen, Sind dem Falle nah die Fraun. Wenn von ihrem Stiel die Blätter In den Staub gefallen sind, Wäschet sie kein Regenwetter, Glättet sie kein Frühlingswind. Wenn gestrauchelt ist ein Mann, Mag er wieder sich erheben; Dem gefallnen Weibe kann Nichts die Reinheit wieder geben.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 73.
    in: Wille, Bruno. Die Weltdichter fremder Zungen und Schätze aus ihren Werken in deutscher Nachdichtung. Von den Veden bis Tolstoi.. Berlin: Märkische Verlagsanstalt, 1911. p. 67.
    Excerpt.
  • Mang 氓: Gestörtes Lebensglück (Anonymous (Shijing))
    Mit dir hofft' ich zu alten In Lust und Einigkeit; Du legst mich in die Falten Des Kummers vor der Zeit. Auf Eintracht der Gemüther War unser Glück gebaut, Da wuchsen rings die Güter Wie Kräuter wenn es thaut. Es zog im rechten Gleise Der Strom sein Thal hinab, Das ihn nach stiller Weise Mit grünem Schmuck umgab. Der Strom ist überschwollen, Die Wiesen sind versumpft; Wie schnell ist unser Grollen Der Liebe Kraut verdumpft! Wo ist ein Arzt der rette Das todeskranke Glück? Wer bringt in's alte Bette Der Eintracht uns zurück?

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 75.
    Excerpt.
  • Mang 氓: Der Mißgriff (Anonymous (Shijing))
    Du warst gewohnt zu tragen Seide; Warum denn griffest du nach Linnen? Du gingest mir wie dir zu Leide, Um mich zum Weibe zu gewinnen. Ich bin mit dir hinweggezogen Herüber über Ki den Fluß; Von allem trennen mich die Wogen, Was nun mein Seufzer suchen muß. Dort drüben sind mir fremd geworden Die Eltern und die Brüder mein; Und was ward mir an diesen Borden? Des Weibes Nam' und Müh allein. Die Blätter werden gelb und fallen; Schon zu des dritten Jahres Frost Find' ich in deines Hauses Hallen Geringe Lieb' und schmale Kost. Zur Arbeit steh' ich auf am Morgen, Zur Arbeit wach' ich in die Nacht; All deine Winke zu besorgen Hat mir zu Lohn nur Haß gebracht. Nicht meine Augen übertraten Der Treue Bund; was kann ich denn Davor, daß dir nicht recht geraten Ein unverständ'ger Freiersmann?

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 72f.
    in: Oehlke, Waldemar. Chinesische Lyrik und Sprichwörter. Bremen-Horn: Walter Dorn-Verlag, 1952. p. 19f.
    Excerpt.
  • Mang 氓: Das Orakel der Schildkröte (Anonymous (Shijing))
    Ein Orakel sollt ihr nicht befragen Ueber das, was die Vernunft euch sagt. Eure Pflicht muß die Vernunft euch sagen; Weh, wer drüber ein Orakel fragt! Aber das, worin der Zufall waltet, Was der Mensch in seiner Macht nicht hat; Daß nicht euren Sinn der Zweifel spaltet, Von der Schildkröt' hol't darüber Rath! Zum Orakel ist sie euch gegeben; Wenn ihr sie befragtet, zweifelt nicht! Sie, die stumm gewesen ist im Leben, Und im Tod mit lauten Farben spricht. Gebet, wenn ihr sie aufs Feuer leget, Auf die Farben Acht, worin sie spielt, Bunt wie das was ihr im Sinn beweget, Merkt worauf der Farbenwechsel zielt! Und wie er Gelingen euch versprochen, Fühlt euch im Entschluß bekräftiget, Hebet an und führt ununterbrochen Alles aus was euch beschäftiget!

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 74f.
    Excerpt.
  • Mao qiu 旄丘: Nothreise, 2. "Droben wächst das Bäumlein Ko" (Anonymous (Shijing))
    Droben wächst das Bäumlein Ko Auf dem Hügelein Mo-Kio, Lässet lange lange Ranken sprossen. O Schu-Ki und o Pe-Hi! O wie lange säumen sie, Lange lange Tage sind verschlossen. Droben wächst das Bäumlein Ko Auf dem Hügelein Mo-Kio, Treibet seine langen Sprossen. O Schu-Ki und o Pei-Hi! Kommt ihr uns zur Hülfe nie? Seid ihr so verdrossen? Droben wächst das Bäumlein Ko. Wo sind, wo, Unsre Bundesgenossen? O Schu-Hi und o Pei-Hi! Wie, o wie Seid ihr so verdrossen! Unsres Kleides Fuchspelz hat Sich gehärt und abgerieben. O Schu-Hi, wie lang den Rath! O Pei-Hi, wie lang die That Wollt ihr noch verschieben! Unsre Wagen sind im Koth Unterwegs nicht stecken blieben; Aber stecken in der Noth Lassen uns die lieben. Wir vertriebnen, umgetriebnen, Aufgeriebnen, Müden, schwachen, Rufen euch; doch ihr, die taubgebliebnen, Gebt uns, wie es Taube machen, Satt der Antwort ein nichtssagend Lachen.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 42f.
    There is a note by the translator which precedes the translation: "Als derselbe Fürst auf der Flucht sich nach dem Reiche Wei wandte, wo die beiden Edlen, Schu-Hi und Pei-Hi, ihm Beistand zugesagt hatten."
  • Mian 綿: Tan-Fu, der erste Fürst von Tschiu (Anonymous (Shijing))
    Der Kürbis wächst aus kleinem Kerne, Und streckt die Ranken weit durch's Land. Den Ursprung unsres Stammes lerne, Aus welchen Wurzeln er entstand. Tan-Fu mit seinem Hofstaat lebet Am Flusse Tsu, am Strome Tsi, In Höhlen die er selbst sich gräbet; Nicht andre Häuser bauten sie. Denn von den achtzehnhundert Reichen, In die das große Reich sich theilt, Muß jedem an Geringheit weichen Das, wo Tan-Fu der Fürst verweilt. Er stieg zu Roß an frühem Morgen, Und ritt dem Strom im Westen nach; Zu Ki dem Berg kam er verborgen, Wo er zu seiner Gattin sprach: Das Land ist gut in das wir kamen, Das Feld gibt Duft, die Luft ist rein. Die Gegend nennt sich Tschiu mit Namen, Tschiu soll hinfort mein Nam' auch senn. Hier wachsen saftig von Geschmacke Die Pflanze Kin, die Pflanze Tu, Und warten nur auf Pfug und Hacke; Hier wohn' ich erster Fürst von Tschiu. Uns läßt gewogne Farbenspiele Die Schildkröt' auf dem Feuer schaun; Gekommen ist die Fahrt zum Ziele, Hier laß uns ruhn und Häuser baun! Sie ruhn; und als der Tag sie wecket, Geht alles an das Werk und eilt. Feldgrenzen werden abgestecket, Wohnplätze werden zugetheilt. Das Landgebiet ist ausgemessen Vom Osten bis zum Westen weit, Die Gau'n bestimmt, und nichts vergessen Wodurch der Ackerbau gedeiht. Er läßt den weisen Meister kommen, Dem er den Bau der Stadt vertraut. Der Morgen sieht es unternommen, Der Abend sieht es ausgebaut. Denn tausend Hände paarweise reget, Und wartet nicht auf's Aufgebot, Der Eifer, der an's Werk sie leget Vom Morgen bis zum Abendroth. Der Meister lenkt mit seinem Winke, Der Fürst mit seinem Blicke wacht; Da wird zur Rechten selbst die Linke, Und in der Eil' ist Vorbedacht. Das Senkblei wacht, daß fest im Grunde Der Stein auf seiner Schwerkraft liegt; Die Richtschnur sorgt, daß eng im Bunde Sich Balken an den Balken schmiegt. Vollkommenheit drückt ihren Stempel Auf jeden Giebel, der sich schloß; Doch bei dem Bau der Ahnentempel Ist Fleiß und Sorgfalt doppelt groß. Dann steigt mit südwerts offner Halle Und mit den Zinnen hoch und frei Das Fürstenschloß, zu dessen Walle Man Erde trägt in Körben bei. Sie eilen eh mit lauten Streichen Den Ruf an's Werk die Pauke gab; Und wenn sie gibt zur Rast das Zeichen, So ruhn sie nicht und stehn nicht ab. Ein Thor von mäßig hohem Bogen Laßt breit zu beiden Seiten senn, Dadurch des Volkes frohe Wogen Zu ihrem Fürsten strömen ein! Doch höher wird gebaut und schmäler Ein zweites Thor am Fürstenhaus, Durch das der hohe Volksbefehler Allein darf gehen ein und aus. Das ist das Thor, durch dessen Bogen Jahrhunderte herab ein Thor Von deinen Fürsten ausgezogen, Geschlecht von Tschiu, dein Ahnenthor. Das ist das Thor, aus dem entgegen Wen-Wang der Kaiserherrschaft schritt, Das Thor, aus dem U-Wang zum Segen Der Welt zog und den Thron erstritt.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 271-274.
  • Mian man 綿蠻: Ein Schutz und Unterkommen Suchender (Anonymous (Shijing))
    Der gelbe Vogel flieget, Auf allen Wipfeln mit Gesang sich wieget. Der Weg ist weit, der Weg ist lang, So schwer ist mir, so schwer der Gang; Wer gibt mir auf die Reise, Wer gibt mir Trank und Speise? Ist Niemand, dem zu Herzen drang Mein Ruf, daß er mir eine Herberg weise? Der gelbe Vogel flieget, Ob allen Hügeln mit Gesang sich wieget. Ich scheue ja da Gehen nicht, Allein die Kraft, die Kraft gebricht. Wenn nur mein Fuß es litte, Zu gehn mit großem Schritte! Wer trägt am Herzen Nächstenpflicht, Und gibt mir einen Stab, um den ich bitte? Der gelbe Vogel flieget, Durch Berg und Thäler mit Gesang sich wieget. Ich weigre mich ja nicht zu gehn, Allein ich fürcht', ich werd' es sehn, Daß meine Kräft' erlagen, Eh sie zum Ziel mich tragen. O läßt kein Edler sich erflehn, Und gönnt mir einen Platz auf seinem Wagen!

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 262f.
  • Mian shui 沔水: An die Sorglosen (Anonymous (Shijing))
    Alswie zum Kaiserhof der hochgemuthen Reichsfürsten Heer, So wälzen Ströme rauschend ihre Fluten In's offne Meer. Wie sind die Fluten hoch geschwollen, Die nichts als Noth und Trübsal rollen! Ihr aber seht es eben Alsob ein Spiel es wär. Es müssen euch wol keine Eltern leben, Sonst würdet ihr für sie doch beben; Mein Herz wird nie von Beben leer. Alswie die Fürsten laut zum Kaisermahle Sich drängen bei, Ein Vogelheer dringt über Berg und Thale Mit Feldgeschrei. Ihr Feldgeschrei ist nichts als Rauben; O weh dem Frieden armer Tauben! Doch ihr seht's unbefangen, Alsob ein Scherz es sei. Es müssen Weib und Kind an euch nicht hangen, Sonst würdet ihr für sie wol bangen; Mein Herz wird nie von Bangen frei.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 195f.
    Translation covers stanza one and two from the chinese poem.
  • Mian shui 沔水: Jährliche Huldigungen (Anonymous (Shijing))
    Mit allen Wassern gießen sich ins Meer Die Ströme, daß sie Ehrfurcht ihm bezeigen; So strömt zusammen rings der Fürsten Heer, Sich vor des Kaisers Angesicht zu neigen, Einmal im ersten Lenze, Das Fest genannt ist Tschau, Dann an des Herbstes Grenze, Zum Feste Tsong, wenn stärker fällt der Thau.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 194.
    Translation covers the third stanza of the original poem.
  • Min lao 民勞: An den Günstling (Anonymous (Shijing))
    Das Volk, es ist gedrückt genung, Das Volk bedarf Erleichterung. Laß Segen deiner Näh entsprießen Und Wohltat in die Ferne fließen! Vernichte, die das Reich vergiften, Die Schmeichler, die das Unheil stiften, Bedenk, da, was du willst, du kannst, Wozu du deine Macht gewannst. Das Volk, es ist gedrückt genug, Erleichterung verlangt's mit Fug. Daß sich die Stadt des Wohlstands freue, Des Landes Blüte sich erneue, O wehre denen, die nur taugen Des Reiches Herzblut wegzusaugen. Dir ward vom Glück die Gunst zuteil, Gebrauche sie der Welt zum Heil! Erleichterung das Volk begehrt, Man hat es lang genug beschwert. Zu sammeln die zersprengten Treuen, Die Frevlerhorden zu zerstreuen, Die Übermütigen zu zäumen, Die nach Gewalt und Unheil schäumen, Genügt ein Wink von deiner Hand; Erkenne, was du bist imstand. Erleichterung das Volk bedarf, Auf das man schwer die Bürde warf, Die Treue, welche wankt, zu stützen, Bedrohtes Leben zu beschützen, Das Land von seinen frechen Räubern, Den Acker vom Gewürm zu säubern, Du bist ein Knabe nur gering, Doch du vermagst so großes Ding. Erleichtere des Volkes Last! Erlegen ist's, erlegen fast. Laß nicht das Recht in Unrecht wandeln, Die Bösen nach Belieben handeln; O laß nicht ihre Gier erfüllen Die Argen, die nach Blute brüllen! Da du dem Kaiser bist so wert, Hab ich dich deiner Pflicht belehrt.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 301f.
    in: Mehlig, Johannes (ed.). Stimmen des Orients: Arabische, persische, indische und chinesische Dichtungen. Leipzig: Insel-Verlag, 1965. p. 258-260.
  • Min lao 民勞: Regierungs-Grundsatz (Anonymous (Shijing))
    Lasse, die dir ferne stehn, Deinen Schutz empfinden, Und die nah dir sind, laß zügellos nicht gehn; So wird dir des Reiches Glanz nicht schwinden.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 300.
    in: Mehlig, Johannes (ed.). Stimmen des Orients: Arabische, persische, indische und chinesische Dichtungen. Leipzig: Insel-Verlag, 1965. p. 258.
    Excerpt.
  • Min yu xiao zi 閔予小子: Lieder des unmündigen Kaisers Tsching-Wang, 1. "Von Jahren klein, von Leide groß" (Anonymous (Shijing))
    Von Jahren klein, von Liebe gross, Ich meines Stamms beraubter Spross, Von meinem Vater früh verlassen – Wie war mein Vater ehrenwerth, Wie hat die Väter er geehrt, Wie sollt' ich ihn zu ehren unterlassen! – Ich wohne nun im Kaiserhaus; Doch ob ich eingeh' oder aus, Mit Andacht richt' ich die Gedanken Auf meiner Väter Glanz und Macht; Davon am Tag und in der Nacht In frommer Scheu lass' ich den Sinn nicht wanken. Wie würdig der Bewundrung sind Die Kaiser, die, wo ich das Kind Nun sitze, thronend einst gesessen! Ich achtete für Mißgeschick Und Sünde jeden Augenblick, Wo ich sie wagen könnte zu vergessen.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 342f.
    in: Jolowicz, Heinrich (ed.). Der poetische Orient. Leipzig: Verlag von Otto Wigand, 1853. p. 37.
  • Mu gua 木瓜: Liebesgaben-Deutung (Anonymous (Shijing))
    Du warfst mir Äpfel in den Schoß; Nimm hin dafür die roten Edelsteine! Nicht zur Bezahlung, sondern bloß, Daß ich dir meinen Sinn bescheine, Und du daraus ersehest, wie ich's meine. Du warfst mir Pfirs'chen in den Schoß; Nimm hin dafür die grünen Edelsteine! Nicht zur Vergeltung, sondern bloß, Daß meine Liebe dir erscheine Und du daraus ersehest, wie ich's meine. Du warfst mir Pflaumen in den Schoß; Nimm hin dafür die blauen Edelsteine! Nicht zum Ersatze, sondern bloß Zu meiner Treue Widerscheine, Daß du daraus ersehest, wie ich's meine.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 80f.
    in: Oehlke, Waldemar. Chinesische Lyrik und Sprichwörter. Bremen-Horn: Walter Dorn-Verlag, 1952. p. 24f.
  • Mu men 墓門: Schamloser Feind (Anonymous (Shijing))
    Am Thor der Gräber stehn die Dörner dicht, Und werden von dem Beil nicht ausgerottet. Er ist im Reich bekannt als Bösewicht; Er weiß es, und ihn kümmert's nicht, Er weiß es wohl, und spottet. Am Thor der Gräber auf dem Baume Mei Tschi-Hiao der Vogel sitzt und singt vom Sterben. Man weiß im Land daß er ein Unhold sei; Er weiß es wohl, und lacht dabei, Und brütet mir Verderben.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 153.
  • Na 那: Ahnenfeier des Fürstenhauses Schang, 1. "Sendet, o Tonkundige, zum Aether" (Anonymous (Shijing))
    Sendet, o Tonkundige, zum Aether Schall der Flöten und der Pfeifen, Daß sich dran erfreuen meine Väter, Die den hohen Raum durchschweifen. Lasset wandeln auf den luft'gen Bahnen Schall der Trommeln und der Becken, Um das Angedenken meiner Ahnen Mir im Herzen aufzuwecken. Stiller wird die Seele mir und milder, Wie die vollen Töne schwellen, Ich vermag mir lebhafter die Bilder Jener hohen vorzustellen. Alle Töne schön im Einklang wehen Durch das heilige Gebäude; Und die Todtentänze Wan zu sehen Machet unsern Gästen Freude. Was uns überlieferten die Zeiten, Uns die Väter hinterließen, Nachzusinnen dem und nachzuschreiten, Könnt' es jemals mich verdrießen? Mögen auf den Enkel, ihren Preiser, Froh die hohen schauen von oben! Ich ein Sproße von Tsching-Tang dem Kaiser Hab' ihr Ehrenfest erhoben.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 358f.
  • Nan shan 南山: Die Fürstin von Lu (Anonymous (Shijing))
    Der Fürst von Tsi hat seine Schwester Dem Fürsten Lu zum Weib gegeben; Doch hält an ihr ein Band ihn fester, Als sonst Geschwister mag umweben; Sein arger Sinn hat ihn getrieben, Sie mehr als brüderlich zu lieben. Der Fürst von Tsi lädt seine Schwester Mit ihrem Gatten zum Besuche. Gehst du in Löw'- und Drachennester, Und scheust nicht vor'm Blutgeruche? Der Schwager steht dir nach dem Leibe, Weil du sein Liebchen hast zum Weibe. O Weib, aus des Verderbens Stricken Kann deine Kraft euch alle führen! Allein, du scheinst mit deinen Blicken Selbst seine sünd'ge Glut zu schüren. Du siehst deinen Gatten morden, Was ist dir nun dein Bruder worden?

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 112f.
    in: Oehlke, Waldemar. Chinesische Lyrik und Sprichwörter. Bremen-Horn: Walter Dorn-Verlag, 1952. p. 27.
    Excerpt only.
  • Nan shan 南山: Wirthschaftsanstalten (Anonymous (Shijing))
    Wie wird der Flachs gesät? Man läßt das Feld längsweis und kreuzweis ackern. Wie wird die Braut erfleht? Man geht die Eltern an durch einen wackern Frenwerber, und haben sie zugesagt, So hofft man daß auch es der Braut behagt. Wie wird das Holz gefällt? Ohn' ein geschliffnes Beil kann man's nicht fällen. Die Hochzeit wie bestellt? Die Unterhändlerinn muß sie bestellen. Und wenn nur wohl ist geschliffen dein Beil, So fällt wol der Baum auch in kurzer Weil.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 111.
    Adaption of stanzas 3 and 4.
  • Nan shan you tai 南山有臺: Festlieder, 2. "Auf dem Südberg wächst die Myrthe" (Anonymous (Shijing))
    Auf dem Südberg wächst die Myrte, Auf dem Nordberg wächst die Eibe. Langes Leben unserm Wirte, Daß er lange die Stütze bleibe Dieses Landes, dieses Volkes Hirte, Fröhlich es auf Freudentriften treibe! Auf dem Südberg wächst die Fichte, Auf dem Nordberg wächst die Tanne. Wandle froh der Mann im Lichte, Der die Lust von jedermanne, Wandle froher Jahre lage Richte, Und von Sorgen sei ihm kurz die Spanne! Auf dem Südberg wächst die Eiche, Auf dem Nordberg wächst die Buche. Sei er lang ein Schirm dem Reiche, Dach voll Duft und Wohlgeruche; Seiner langen Augenbraue gleiche Seines Lebens Strich im Lebensbuche! Auf dem Südberg wächst die Birke, Auf dem Nordberg wächst die Linde. Lange, wie du wirktest, wirke Fort, ein Vater lieb und linde; Und ein blühnder Nachwuchs dich umzirke, Eh dir selbst am Stamm verdorrt die Rinde!

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 183.
    in: Mehlig, Johannes (ed.). Stimmen des Orients: Arabische, persische, indische und chinesische Dichtungen. Leipzig: Insel-Verlag, 1965. p. 251f.
  • Nan you jia yu 南有嘉魚: Festlieder, 1. "Fische gibt's im Westen" (Anonymous (Shijing))
    Fische gibt's im Westen, Trinken Wasserflut; Wir im Wein, dem besten, Trinken frohen Mut. Lebe hoch der Wirt, der seinen Gästen Es bereitet also gut! Bäume gibts's im Osten Trinken Tau allein; Aber wir verkosten Manche Sorte Wein. Stehe fest das Haus mit seinen Pfosten, Falle von der Gäste Lärm nicht ein! Vögel gibt's im Norden, Schwärmen allzu frei; Wenn sie trunken worden, Führen sie Geschrei. Lärmet nicht gleich den Barbarenhorden, Sondern Anstand sei dabei!

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 182.
    in: Mehlig, Johannes (ed.). Stimmen des Orients: Arabische, persische, indische und chinesische Dichtungen. Leipzig: Insel-Verlag, 1965. p. 250f.
  • Not determined 未定: Unnatürliche Verwandlung (Anonymous (Shijing))
    Die Wipfel in des Himmels Raum, Die Wurzeln in der Erden, Auf Bergen steht der Lebensbaum, Wird nie ein Giftbaum werden. Doch die sonst gut an mir gehandelt, Sind gegen mich wie umgewandelt; Einst meine Freunde, selbst im Traum, Sie zeigen jetzt mir feindliche Geberden.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 229.
  • Not determined 未定: Begegnung (Anonymous (Shijing))
    Freiwerber und Freiwerberin, Der einer her, der andre hin, Sie treten sich im Weg entgegen. Jedweder Theil geht an das Haus, Von dem der andre gehet aus, Und beide gehn desselben Handels wegen. Freiwerber und Freiwerberin: Wo gehst du her? wo gehst du hin? Sie fragend in das Ohr sich raunen. Mich sendet der, mich senden die; Ich suche den, ich suche sie; Erklären sie einander mit Erstaunen. So gehn wir nun im Augenblick Ein jeder seines Wegs zurück! Die Zeit ist werth, das Werk ist wichtig. Des Mädchens Eltern haben den, Das Mädchen hat er ausersehn; Was braucht es mehr? der Handel ist ja richtig. Nun frage dort, nun melde da, Wie es ergieng, wie es geschah; Wie konnt' es schöner sich begegnen? Schnell tauschen sie die Gaben aus, Und denken an den Hochzeitsschmaus; Was so sich fügt, das muß der Himmel segnen.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 23.
    in: Cramer, Johann (ed.). Schi-King, oder Chinesische Lieder, gesammelt von Confucius. Neu und frei nach A. La Charme's lateinischer Übersetzung bearbeitet. Fürs deutsche Volk hg. von Johann Cramer, Das himmlische Reich. Oder China's Leben, Denken, Dichten und Geschichte, 4 vols. Crefeld: Verlag der J. H. Funcke'schen Buchhandlung, 1844. p. 11f.
    in: Scherr, Johannes (ed.). Bildersaal der Weltliteratur. Aus dem Literaturschatz der Morgenländer (Inder, Chinesen, Hebräer, Araber, Perser, Türken), - der Alten (Hellen und Römer), - der Romanen (Provençalen, Italiener, Spanier, Portugiesen, Franzosen), - der Germanen (Engländer, Deutschen, Niederländer, Isländer, Schweden, Dänen), - der Slaven (Böhmen, Serben, Polen, Russen), - der Magyaren (Ungarn) und der Neugriechen. Stuttgart: Ad. Becker's Verlag, 1848. p. 37f.
    in: Jolowicz, Heinrich (ed.). Der poetische Orient. Leipzig: Verlag von Otto Wigand, 1853. p. 10.
    in: Sekles, Bernhard (ed.). Aus dem Schi-King. Leipzig: D. Rahter, 1907. p. 9.
    in: Fetzer, Dorothee. Weisheiten des fernen Ostens. Bindlach: Gondrom Verlag, 1997. p. 156.
  • Nü yue ji ming 女曰雞鳴: Flucht und Rache (Anonymous (Shijing))
    Sie sprach: Es kräht der Hahn. Er sprach: Er darf noch nicht. Sie sprach: Der Tag bricht an. Er sprach: O nein, mein Licht! Steh auf, steh auf, und schaue, Ob nicht der Himmel graue! Auf geht der Morgenstern, Der Tag ist nicht fern. Auf! es ist Zeit zu scheiden: Enteil! auf triff in Eil Den Anfang uns'rer Leiden, Den Hahn mit dem Pfeil!

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 95.
    in: Jolowicz, Heinrich (ed.). Der poetische Orient. Leipzig: Verlag von Otto Wigand, 1853. p. 12.
  • Nü yue ji ming 女曰雞鳴: Im Morgendämmer (Anonymous (Shijing))
    Sie sprach: Es kräht der Hahn. Er sprach: Er darf noch nicht. Sie sprach: Der Tag bricht an. Er sprach: O, nein, mein Licht. Steh auf und schaue, Ob nicht der Morgen graue! Auf geht der Morgenstern; Der Tag ist nicht mehr fern. Auf, es ist Zeit zu scheiden, Entflieh und triff in Eil Den Anfang unsrer Leiden, Den Hahn mit einem Pfeil!

    in: Sekles, Bernhard (ed.). Aus dem Schi-King. Leipzig: D. Rahter, 1907. p. 5f.
    Adaption of stanza 1.
  • Pan shui 泮水: Die Lieder der Fürsten von Lu, 2. "Die Palästra" (Anonymous (Shijing))
    In der Palaästra tönt es laut Und tönt es froh von Lust und Spiel; Sie hat der Fürst von Lu gebaut Mit Kunst und Pracht, wie's ihm gefiel. Er hat um sie in weiten Bogen Die Wasserleitung hergezogen; Da wachsen Wiesenkräuter viel Und trinken an den Wogen. In der Palästra tönt es laut Von Waffenspiel und frohem Klang. Es kommt der Fürst von Lu, o schaut, Wie herrlich ist des Fürsten Gang. Wie hell die Glockenspiele klingen, Wie munter sich die Fahnen schwingen! Ihm schreiten nach im vollen Drang Die Großen und Geringen. In der Palästra tönt es laut, Wo man die grünen Kräuter bricht; Der Fürst von Lu hat sie bethaut Mit Thau von seinem Angesicht. Er fährt einher auf hohen Rossen, Von Sitten fein und unverdrossen, Wie sanft er lacht und freundlich spricht, Das macht ihm Liebe sprossen. In der Palästra tönt es laut, Daß jedes Kraut vor Freude bebt; Es kommt der Fürst, wie lieb und traut, Wie froh sich sein Gelag erhebt! Der Wein ist süß, den sie ihm reichen, Der macht von ihm das Alter weichen. Voll Tugendkraft er wirkt, und strebt Daß ihm sein Volk mag gleichen. Der Fürst in der Palästra sitzt, In welchem Glanz, in welcher Pracht! O wie es ihm vom Auge blitzt, O wie es ihm vom Munde lacht. Die Thaten, die von ihm gethanen, Erhöhn den Ruhm von seinen Ahnen; Er geht den Sein'gen vor mit Macht Auf allen Ehrenbahnen. Der Fürst in der Palästra sitzt, Und alte Weisheit lehret er. Hinaus gesendet hat er izt Auf die Barbaren Huai sein Heer. Die Feldherrn kämpfen gleich den Leuen, Den Feind sie schlagen und zerstreuen, Und senden Siegesboten her, Den Fürsten zu erfreuen. In die Palästra zieht ein Zug, Dem Zuge folgt ein andrer nach. Dort sind's die Ohren die man trug, Die Zeugen von der Feinde Schmach; Doch die gefangen sich ergeben, Sind hier herbeigeführt mit Beben, Das Urtheil das man ihnen sprach Ist unterwürfig leben. Die hohen Feldherrn treten ein, Erstattend ihren Kampfbericht; Das ist ihr schönster Ruhm allein, Erfüllt zu haben ihre Pflicht: Doch alle siegfroh hergenahten Die Schranken füllen die Soldaten, Sie rührem sich, und schweigen nicht Von ihren Waffenthaten. Sie haben sich mit Glück versucht, Und wohl bescheinigt ihren Muth; Sie dachten nicht an feige Flucht, Und scheuten Wunden nicht und Blut. Ihr Feuer niemals ist geschwunden, Und als sie alles überwunden, Da hielten sie der strengen Zucht Deshalb sich nicht entbunden. Was kommt für fremde Vogelschaar, Und speist von unsrer Maulbeerfrucht? Barbaren stellen rings sich dar, Sich fren ergebend unsrer Zucht. Sie wollen unsre Gunst ertrachten; Was sind die Gaben die sie brachten? Schildkrot und Elfenbeines Wucht, Und Gold aus südlichen Schachten.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 354-357.
  • Zhuo 酌: Tsching-Wang ferner zur Todtenfeier seines Vaters U-Wang (Anonymous (Shijing))
    Wie muthig waren zum Gefechte, Wie stark des Königs Heeresmächte; Doch nahm er Zeit und Ort in Acht, Und schlug im Zweifel nicht die Schlacht. Als ihm der Glückstag war erschienen, Gab er des Angriffs Zeichen ihnen; Da war's mit Einem Schlag vollbracht, Gewonnen war für uns die Macht. Sollt' er den Seinen nicht zum ew'gen Vorbild dienen, Als wie ein heller Stern dem Wandrer in der Nacht!

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 351.
  • Zi jin 子衿: Erwartung (Anonymous (Shijing))
    Der an seinem hellen Kleid Trägt den dunkeln dunkeln Saum; Ach um ihn, um ihn ist Leid Leid in meines Herzens Raum. Zwar, ich werde, dich zu sehen, Selbst nicht gehen; Aber, um mich zu erquicken, Könntest du doch einen Gruß mir schicken. Der an seinem hellen Kleid Trägt den dunkeln dunkeln Saum! Meiner Liebe Luftgeschmeid Ist sein Bild und ist sein Traum. Zwar, ich werd', um dich zu sehen, Selbst nie gehen; Aber, da ich bin beklommen, Könntest du einmal zu mir kommen.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 100f.
  • Zi yi 緇衣: Die Freude am schwarzen Hofrock (Anonymous (Shijing))
    Er trägt an allen Tagen Ein schwarzes Hofmannskleid; Und ist es abgetragen, So ist es ihm nicht leid; Ich mach' ihm selbst ein neues, Ich näh' und überstreu' es Mit glänzendem Geschmeid. Er trägt an allen Tagen Ein schwarzes Hofmannskleid; Ich seh' es mit Behagen, Die andern sehn's mit Neid. Ihr neidet nicht das Kleid ihm, Ihr traget darum Neid ihm, Weil ihr so schön nicht seid. Er trägt an allen Tagen Ein schwarzes Hofgewand. Er bringt – ich darf nicht klagen – Mir jeden Tag ein Pfand, Ein Pfand von seiner Liebe; Wenn er nur bei mir bliebe! Das wehret ihm sein Stand. Er trägt an allen Tagen Ein schwarzes Hofgewand, Und kommt – ich darf nicht zagen – So oft ein Abend schwand. Ablegt er's, wie er nahet; Und wenn er geht, empfahet Er's neu aus meiner Hand. Er trägt an allen Tagen Die schwarze Hofmannstracht. Ich will es ihm nicht sagen, Was ich mir ausgedacht: Wenn er das Kleid legt nieder, So geb' ich's ihm nicht wieder, Dann bleibt er Tag und Tag.

    in: Cramer, Johann (ed.). Schi-King, oder Chinesische Lieder, gesammelt von Confucius. Neu und frei nach A. La Charme's lateinischer Übersetzung bearbeitet. Fürs deutsche Volk hg. von Johann Cramer, Das himmlische Reich. Oder China's Leben, Denken, Dichten und Geschichte, 4 vols. Crefeld: Verlag der J. H. Funcke'schen Buchhandlung, 1844. p. 89f.
    in: Jolowicz, Heinrich (ed.). Der poetische Orient. Leipzig: Verlag von Otto Wigand, 1853. p. 11f.
    in: Oehlke, Waldemar. Chinesische Lyrik und Sprichwörter. Bremen-Horn: Walter Dorn-Verlag, 1952. p. 25f.
  • Zi yi 緇衣: Das schwarze Hofmannskleid (Anonymous (Shijing))
    Er trägt an allen Tagen Sein schwarzes Hofmannskleid; Und ist es abgetragen, So ist es ihm nicht leid. Ich mach ihm selbst ein neues Und näh und überstreu es Mit glänzendem Geschmeid. Er trägt an allen Tagen Sein schwarzes Hofgewand; Er kommt, ich darf nicht klagen, So oft ein Abend schwand, Abgelegt er's, wenn er nahet, Und wenn er geht, empfahet Er's neu aus meiner Hand. Er trägt an allen Tagen Die schwarze Hofmannstracht. Ich will es ihm nicht sagen, Was ich mir ausgedacht. Wenn er das Kleid legt nieder, So geb ich's ihm nicht wieder, Dann bleibt er Tag und Nacht.

    in: Sekles, Bernhard (ed.). Aus dem Schi-King. Leipzig: D. Rahter, 1907. p. 11.
  • Zou yu 騶虞: Des Kaisers Jagdglück (Anonymous (Shijing))
    Im Walde wachsen hoch und dicht die Reiser; Getroffen von fünf Pfeilen sind fünf Eber. Wer wollte nicht bewundern unsern Kaiser, Der Jagdblut fröhlichen Beleber! Im Walde wachsen hoch und dicht die Kräuter; Fünf Keuler von fünf Pfeilen sind getroffen. Wer priese nicht den mächtigen Erbeuter! Wer dürft' ihn zu besiegen hoffen?

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 29.
  • Zun da lu 遵大路: Vergebliche Beschwörung (Anonymous (Shijing))
    Den weiten Weg ging ich ihm nach, Ich faßte seines Kleides Saum, Hielt mit der Hand ihn fest und sprach: "O gib nicht diesem Grolle Raum! Vergiß nicht alter Lieb' und Treue, Komm und sei mein auf's neue." Er ging aber nur schneller, ach. Den langen Weg verfolgt' ich ihn, Ich nahm den Mann bei seiner Hand: "Was willst du mir die Hand entziehn? Warum blickst du mir abgewandt? Vergaßest du so Lieb' als Treue?" So bat ich ihn aufs neue, Und sah ihn ach nur so schnell fliehn.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 94.
    in: Sekles, Bernhard (ed.). Aus dem Schi-King. Leipzig: D. Rahter, 1907. p. 7.
    in: Oehlke, Waldemar. Chinesische Lyrik und Sprichwörter. Bremen-Horn: Walter Dorn-Verlag, 1952. p. 26.